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Jungärzte beurteilen ihre Ausbildung mit einem "schlechten Gut"

06.11.2019

Die Jungärzte beurteilen ihre Ausbildung nach dem Studium mit einem "schlechten Gut". Das ist das Ergebnis der heurigen Ausbildungsevaluierung, die die Ärztekammer kürzlich präsentierte. Vizepräsident Harald Mayer fordert für eine Verbesserung mehr Zeit für die Ausbildung. Die Forderung von Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner nach einer Studienplätze-Verdoppelung lehnt er ab.

Für die Evaluierung wurden alle Ärzte in Ausbildung online befragt. Für die neunmonatige Basisausbildung wurden 1.574 Bewertungen (Rücklaufquote 47 Prozent) herangezogen, für die allgemeinärztliche Ausbildung 2.349 Bewertungen (73 Prozent) und für die fachärztliche Ausbildung 1.943 Bewertungen (32 Prozent), erläuterte Studienautor Alois Alkin vom ärztlichen Qualitätszentrum.

Nach Schulnoten wurde die fachärztliche Ausbildung mit 2,30 bewertet, die Basisausbildung mit 2,37 und die allgemeinärztliche Ausbildung mit 2,45. Die Gesamtbewertungen schwanken in der Basisausbildung zwischen 1,20 und 3,22, in der allgemeinmedizinischen Ausbildung zwischen 1,00 und 4,25 sowie in der Facharztausbildung zwischen 1,00 und 4,40. Die Liste mit dem Abschneiden der einzelnen Abteilungen wird den Landesärztekammer zur Verfügung gestellt.

Wenig Veränderung zu Vorjahren

Im Vergleich zu den Evaluierungen in den letzten Jahren gab es keine wesentlichen Veränderungen. Jene, die in die 2015 geschaffenen neue Ausbildungsordnung fallen, mit der die Basisausbildung eingeführt wurde, beurteilen ihre Ausbildung jedoch etwas besser. Als Probleme kristallisierten sich ein fehlendes Ausbildungskonzept heraus, aber auch ein mangelndes Delegieren von Tätigkeiten an das Pflegepersonal, wie etwa von Blutabnahmen.

Mayer zog aus den Daten den "traurigen Schluss", dass man es gerade schaffe, das Ausbildungsniveau stabil zu halten. Die Ausbildungsqualität müsse verbessert werden, "wir müssen uns mehr um die jungen Kollegen kümmern." Der Vizepräsident fordert deshalb ebenso wie der Obmann der Turnusärzte, Karlheinz Kornhäusl, mehr personelle und zeitliche Ressourcen. "Wir bauchen Zeit, Zeit, Zeit", formulierte Mayer den Wunsch an die Spitalsträger. Die Bewertungen seien dort gut, wo die leitenden Ärzte ein Interesse an der Ausbildung und Zeit dafür haben, und dort schlecht, wo die Arbeitsüberlastung groß und die Zeit dafür gering sei.

Die von Mikl-Leitner (ÖVP) geforderte Verdoppelung der Studienplätze allein würde nach Ansicht Mayers nichts bringen. Schon jetzt gebe es für die Basisausbildung oft keinen Platz. Notwendig wäre vielmehr eine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen. Dabei gehe es um eine Entlastung von der Administration, aber auch um ein Delegieren von Tätigkeiten, die nicht unbedingt ein Arzt erledigen muss. Eine Verdoppelung der Studienplätze würde rund 750 Millionen Euro kosten. Die Schweiz und Deutschland "würden es uns danken", verwies Kornhäusel darauf, dass viele Absolventen nach dem Studium in diese Länder gehen. Mehr als ein Drittel der Absolventen scheinen dann nicht in der österreichischen Ärzteliste auf.

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