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Lernvideos, Online-Tests und Co. digitalisieren den Lernprozess © APA/Webpic
Lernvideos, Online-Tests und Co. digitalisieren den Lernprozess © APA/Webpic

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Learning Analytics: Wie Daten das Lernen an Hochschulen verändern

21.11.2019

Mit dem Einzug digitaler Technologien an den Hochschulen fallen auch eine Unmenge an Daten an - etwa wenn Studenten online lernen, Lernspiele spielen oder ein Lernmanagementsystem nutzen. Wie man mittels dieser Daten wiederum das Lernen ändern kann, damit befassen sich "Learning Analytics". Dazu gibt es nun erstmals ein sogenanntes Whitepaper von Hochschulen und Bildungsministerium.

Beispiele für den möglichen Einsatz von Learning Analytics gibt es zuhauf: Aufgrund einer Logfile-Analyse können innerhalb eines Lernvideos jene Stellen identifiziert werden, an denen das Video häufig abgebrochen oder oft wiederholt wird - ein deutlicher Hinweis an die Vortragenden, diese Passagen neu zu gestalten.

Wie gut sitzt der Stoff?

Analysen von informellen Online-Tests können den Studenten zeigen, welche Teile des Lernstoffs schon gut sitzen und welche nicht - gleichzeitig erhalten sie auch einen Vergleich mit dem Schnitt ihrer Kommilitonen. Uni-Lehrer wiederum können daraus ersehen, welche Teile ihres Vortrags besser und welche schlechter verstanden wurden.

Oder: Im Rahmen einer mobilen Applikation können Studenten sehen, wie viel Prozent ihrer Kollegen erforderliche Übungen bereits über das Lernmanagementsystem abgegeben haben - das könnte motivierend wirken bzw. "wachrütteln". Auch "Zuckerl" sind möglich: Durch laufende Darstellung von Teilergebnissen sollen Studenten im Lauf einer Lehrveranstaltung immer wieder zum Selbstlernen motiviert werden - wer dabei eine bestimmte Summe an Gesamtpunkten erreicht, spart sich die schriftliche Gesamtprüfung.

Studienangebot verbessern

Hochschulen wiederum können aus diversen Daten herauslesen, wie das Studienangebot verbessert werden kann und in welchen Gebieten eventuell zusätzliche Lehrveranstaltungen nötig sind. Eventuell können außerdem durch die Motivation der Studenten durch obige Maßnahmen die Prüfungsaktivität gesteigert bzw. Drop-Outs vermieden werden.

Der Leiter der Hochschulsektion im Bildungsministerium, Elmar Pichl, zog gegenüber der APA eine Analogie zum Sport: "Dort werden Trainingsprozesse und Wettbewerbsleistungen - sowohl die eigenen als auch die anderer Sportler - seit Jahrzehnten aufgenommen. Dann werden Videoanalysen erstellt, und man versucht daraus zu lernen. Die Existenz von Daten ermöglicht jetzt ein ähnliches Vorgehen bei Lernsettings."

Datenschutz: Wo sind die Grenzen?

In dem präsentierten Whitepaper wird auch die Frage des Datenschutzes angesprochen. "Es muss einen klaren Rahmen geben, in dem sich alle bewegen", meinte Pichl. "Zum Diskurs gehört auch die Frage: Was soll man nutzen und wo sind die Grenzen?" Auf der anderen Seite habe man aber enorm viele wertvolle nicht-personalisierte Daten, deren Nutzung erst durch die heute zur Verfügung stehenden Technologien und Rechnerleistungen möglich wird. Damit arbeite man weit genug weg von Daten, die personenbezogen sind.

Zahlreiche Hochschulen nutzen Learning Analytics bereits. So gibt es etwa an der Wirtschaftsuniversität (WU) Student Rankings, bei denen die Studierenden ihre eigenen Leistungen in Sachen Studienerfolg und -geschwindigkeit mit denen ihrer Kommilitonen vergleichen können. Auch die Technische Universität (TU) Graz, die Uni Innsbruck sowie diverse Fachhochschulen gehören zu den Vorreitern.

"Wir wollen das Rad nicht neu erfinden, weil es schon eine Community dazu gibt", betonte Pichl. "Wir wollen aber, dass diese Methodik größere Aufmerksamkeit bekommt und Normalität an österreichischen Hochschulen wird." Demnächst werden zum Thema Digitalisierung an Hochschulen Projektmittel an die Hochschulen vergeben - dort wurden im Rahmen einer Ausschreibung etwa zahlreiche Vorhaben zu Learning Analytics eingereicht.

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