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Einhalten von Regeln als mögliches Problem © APA (dpa)
Einhalten von Regeln als mögliches Problem © APA (dpa)

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Lebenshilfe warnt vor Diskriminierung behinderter Schüler

13.05.2020

Der Etappenplan des Bildungsministeriums zur Wiederöffnung der Schulen könnte dazu führen, dass Schüler mit Behinderungen diskriminiert werden, warnt Lebenshilfe-Generalsekretär Albert Brandstätter. Er fürchtet unter anderem, dass Schülern, die wegen intellektueller Beeinträchtigungen die Hygiene- und Abstandsregeln nicht immer einhalten können, das Daheimbleiben nahegelegt wird.

Lehrer, Mitschüler oder Eltern könnten das Risiko einer Ansteckung für zu groß befinden und sich gegen eine Unterrichtsteilnahme solcher Schüler aussprechen, sagt Brandstätter im Gespräch mit der APA. Er plädiere deshalb dafür, dass dies kein Ausschließungsgrund sein dürfe. Für Schüler mit Behinderung dürften keine strengeren Maßstäbe gelten als für andere, außerdem seien Schulen bisher im Zusammenhang mit dem Coronavirus nicht als "Hort der Ansteckung" aufgefallen.

Auch die Möglichkeit, Schüler vom Präsenzunterricht zu befreien, könnte laut Brandstätter dazu führen, dass Schulen sich nicht hundertprozentig um Teilhabemöglichkeiten für behinderte Schüler bemühen. "Die Vermeidung von Risiko darf nicht bedeuten, dass es keine Teilhabe am gemeinsamen Unterricht gibt", betont der Lebenshilfe-Generalsekretär. Er wünscht sich vom Bildungsministerium eine Erläuterung oder Klarstellung, dass es für Schüler mit Behinderung volle Teilhabe am Unterricht und höchstens befristete Sonderlösungen geben soll. Separate Gruppen dürfe es höchstens auf Zeit geben und nur, um einen Unterrichtsnachteil auszugleichen.

Tragfähige individuelle Lösungen

Für Schüler mit hohem Unterstützungsbedarf brauche es außerdem tragfähige individuelle Lösungen. Er fordert etwa Assistenzlösungen für jene Schüler, die keinen Mund-Nasen-Schutz tragen dürfen und deshalb allein in die Schule gebracht werden sollen. "Man kann nicht alles den Eltern aufbürden."

In jenen Fällen, wo Schüler mit Behinderung weiter von daheim unterrichtet werden, müsse zumindest für soziale Inklusion beim virtuellen Lernen gesorgt werden. Gerade für Kinder mit intellektuellen Behinderungen sei der emotionale Zugang zur Klassengemeinschaft oder zu vertrauten Lehrern und das Erleben von Gemeinschaft besonders wichtig. "Hier kann es nicht auf Dauer die Lösung sein, die Eltern als Ersatzlehrer zu sehen." Außerdem brauche es Unterstützung vor allem für Eltern, die nicht mit allen notwendigen Ressourcen ausgestattet sind.

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