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"Original Play": Kinderschutzeinrichtungen für verbindliche Standards

29.10.2019

Nach Kritik am Verein "Original Play", bei dessen Kursen fremde Erwachsene mit Kindern und Jugendliche rangeln und spielen, haben Kinderschutzeinrichtungen kürzlich verpflichtende und überprüfbare Standards gefordert. Unterdessen kündigte "Original Play" an, seine "Methode und ihre Regeln, die Ausbildung und die institutionellen Rahmenbedingungen für die Workshops" zu überprüfen.

Außerdem arbeite der Verein "gemeinsam mit den zuständigen Behörden und mit Kinder- und Gewaltschutzeinrichtungen an der vollständigen Aufklärung der Vorwürfe, aber auch an jenen Schritten und Rahmenbedingungen, die es braucht, um unsere und ähnliche Angebote sicherer zu machen", hieß es in einer Aussendung von "Original Play". Die aktuellen Vorwürfe würden sehr ernst genommen, "auch wenn in Österreich kein Fall von Übergriffen oder Missbrauch bekannt ist". Der Verein gab sich allerdings erschüttert über "die pauschale Ablehnung unseres Angebots", die aktuellen Diskussionen würden "bis hin zu Mord- und Gewaltdrohungen an Vertreter unseres Vereins" führen, es gebe einen regelrechten "Shitstorm".

Eine Sprecherin des Vereins sagte im Gespräch mit der APA, dass es bisher keine Beschwerde von Einrichtungen in Österreich gegeben hat. "Mit allen Einrichtungen gab es eine gute Zusammenarbeit und positive Rückmeldungen", sagte sie. Das eigene Angebot werde nun aber durchaus selbstkritisch durchleuchtet, man werde sich nun ansehen, was notwendig sei, damit das "Angebot professioneller und sicherer wird".

Strafregisterbescheinigung nun auch für Hospitanten

Der Verein betonte einmal mehr, dass die in Österreich tätigen zwölf "Apprentices", die die Kurse anbieten, dem pädagogischen, sozialen oder gesundheitlichen Bereich zuzuordnen seien. Um "Original Play" professionell anbieten zu können, bedürfe es einer drei Jahre dauernden Ausbildung. Alle "Apprentices" mussten dem Verein auch ihre "Strafregisterbescheinigung Kinder- und Jugendfürsorge" hinterlegen. Nicht geprüft wurde dies bisher von sogenannten Hospitanten. Diese haben bereits nach einem ersten Zwei-Tages-Workshop die Möglichkeit, an einem Praxisvormittag teilzunehmen. Dieser erfolge jedoch unter "strenger Aufsicht sowohl von offiziellen Organen von 'Original Play' wie auch der durchführenden Institution". "Künftig werden wir die Strafregisterbescheinigung für alle, die hospitieren kommen und auch für praktische Trainings verlangen", kündigte die Sprecherin an.

Die Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Rechte der Kinder vor sexueller Ausbeutung ECPAT Österreich und der Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren sprachen sich für die Einführung verbindlicher Kinderschutzrichtlinien für Organisationen aus. "Kinderschutzrichtlinien bzw. Kinderschutzkonzepte für Organisationen, die mit Kindern arbeiten, machen eine intensive Auseinandersetzung mit den Risiken für Kinder durch das eigene Angebot notwendig und beinhalten eine Fülle von präventiven Maßnahmen, um etwaigen Risiken zu begegnen", sagten die Geschäftsführerinnen, Martina Wolf (Österreichische Kinderschutzzentren) und Astrid Winkler (ECPAT Österreich).

"Eine Kinderschutzrichtlinie ist ein Instrumentarium, das auf verschiedenen Ebenen einer Organisation ansetzt, um Gewalt gegen Kinder zu verhindern. Ein Strafregisterauszug allein reicht hier sicher nicht", betonten die Expertinnen. Dies müsse auch bei der Vergabe von Förderungen als Kriterium herangezogen werden. Die Politik sei gefordert, mit Experten sowohl Qualitätskriterien zu definieren, als auch geeignete (strukturelle, wie finanzielle) Unterstützung für Organisationen und Einrichtungen in diesem Prozess anzubieten.

Ein Großteil der Schulen und Kindergärten, in denen "Original Play" in Österreich angeboten wurde, setzte die Zusammenarbeit mit dem Verein bereits vorübergehend aus. Das körperbetonte Spielen war in über 100 Einrichtungen angeboten worden. Mehrere Bundesländer verboten die Zusammenarbeit bereits bzw. rieten dazu, "Original Play" nicht mehr in Kinder- und Jugendeinrichtungen anzubieten. Am Montag leitete die Volksanwaltschaft ein Prüfverfahren ein.

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