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Salzburg vs. Linz - Das Hochschulmatch der 1960er Jahre

30.04.2020

Gibst du mir eine Universität in Salzburg, kriegst du eine Hochschule in Linz - in diesen Bahnen verlief ungefähr die Diskussion um die Wiederrichtung der Uni Salzburg Anfang der 1960er Jahre. Über deren Anfangsjahre bzw. die damals bestimmende Persönlichkeiten berichtet der Historiker Alexander Pinwinkler in seinem neuen Buch "Die 'Gründergeneration' der Universität Salzburg" (Böhlau).

Ihre Ursprünge hat die Uni Salzburg in der im 17. Jahrhundert gegründeten und 1810 unter bayerischer Herrschaft aufgelösten Salzburger Benediktineruniversität. 1850 erhielt Salzburg dann eine staatliche Katholisch-Theologische Fakultät, die von den Nazis 1938 geschlossen wurde und dann 1945 wiedereröffnet wurde. Um diesen Kern herum sollte bereits im 19. Jahrhundert (erfolglos) eine Volluniversität errichtet werden, dieser Plan wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiterverfolgt. Salzburg sollte also eine Universität mit den vier "klassischen" Fakultäten (Theologie, Philosophie, Jus und Medizin) erhalten.

Ursprünglich als katholische Universität konzipiert, gab der damalige Landeshauptmann Josef Klaus (ÖVP) dann 1960 das Ziel einer staatlichen Einrichtung vor. Problem: Anfang der 60er Jahre waren aufgrund steigender Studentenzahlen Uni-Gründungen sowohl im In- wie auch im Ausland "in". In Österreich gab es etwa vor allem Konkurrenz durch das nahe Linz: Dort sollte ursprünglich eine Technische, dann eine Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften entstehen.

Drohung mit Rücktritt

Pinwinkler schildert in seinem Buch, wie der ursprünglich auch aus finanziellen Gründen bei der Uni Salzburg auf der Bremse stehende Unterrichtsminister Heinrich Drimmel (ÖVP) "überzeugt" wurde. Klaus wechselte 1961 als Finanzminister in die Bundesregierung und junktimierte im Ministerrat die Projekte in Linz und Salzburg, sein Nachfolger als Landeshauptmann, Hans Lechner (ÖVP), drohte Drimmel für den Fall des Scheiterns des Salzburger Uni-Projekts mit Rücktritt.

Resultat: 1962 wurde im Nationalrat das Gesetz "zur Wiederrichtung der Universität Salzburg und die Errichtung einer Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Linz" beschlossen. Die Salzburger mussten aber Abstriche beim Plan einer Volluniversität machen - gestartet wurde nur mit der Katholisch-Theologischen und der Philosophischen Fakultät. 1965 kam dann die Rechtswissenschaftliche Fakultät dazu (im Gegenzug wurde für Linz gleichzeitig eine Technisch-Naturwissenschaftliche Fakultät beschlossen). Später erhielt Salzburg noch eine naturwissenschaftliche Fakultät dazu, die Medizin-Fakultät wurde dagegen nie realisiert - pikanterweise im Unterschied zu Linz.

"Herangezüchtete Protektionskinder"

Zum "Match" der beiden Hochschulen kam vor allem in den Anfangsjahren noch dazu, dass die Uni Salzburg als konservativ galt, während die Linzer Hochschule dem roten Lager zugerechnet wurde, schreibt Pinwinkler. Konsequenzen zeitigte das auch bei den Berufungen - so zitiert der Historiker etwa aus einem Brief des der SPÖ nahestehenden Rechtsprofessors (und späteren Rektors) der Uni Linz, Rudolf Strasser, aus dem Jahr 1965 (an Heinz Fischer): "Die Tatsache, daß wir aus Deutschland, aus der Schweiz und aus dem sonstigen Ausland wegen zu geringer Bezüge niemand zu uns hereinbekommen, gereicht hauptsächlich uns zum Nachteil. Für die ÖVP ist das eher ein Vorteil, weil sie auf diese Weise immer wieder ihre an den österreichischen Fakultäten herangezüchteten Protektionskinder leicht unterbringt."

So dominierten etwa an der Uni Salzburg in den ersten Jahren "Katholisch-Nationale" wie der erste Rektor Egon Lendl (ein ehemaliger Nationalsozialist) bzw. sein aus dem CV stammender Nach-Nachfolger Rene Marcic, während etwa in Linz die sozialistischen Remigranten Karl R. Stadler und Kurt W. Rothschild unterkamen. Pinwinkler schränkt aber ein: "Es würde die Professorenschaft an diesen beiden Neugründungen der 1960er-Jahre dennoch zu stark vereinfachend charakterisieren, wenn man für Salzburg und Linz ein einfaches politisches Gegensatzpaar 'Schwarz' versus 'Rot" postulieren würde." So seien etwa auch in Salzburg der SPÖ nahestehende Wissenschafter berufen worden, während die ursprünglich aus der ÖVP stammende Zeithistorikerin Erika Weinzierl sich selbst politisch nach links gerückt habe.

Service: Alexander Pinwinkler: "Die 'Gründergeneration' der Universität Salzburg", Böhlau Verlag, 297 Seiten, 36 Euro

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