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Der Schulbetrieb sieht ganz anders aus als noch Anfang März © APA
Der Schulbetrieb sieht ganz anders aus als noch Anfang März © APA

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Schule - Ab Montag große Rückkehr nach neun Wochen Fernunterricht

14.05.2020

Symbolträchtige neun Wochen nach Schließung der Schulen aufgrund der Corona-Pandemie kehrt ab Montag (18. Mai) ein großer Teil der Schüler wieder in seine Klassen zurück. Konkret sind das die rund 700.000 Schüler an Volksschulen, AHS-Unterstufen, Neuen Mittelschulen (NMS) und Sonderschulen - bzw. am Montag selbst vorerst die Hälfte. Damit waren die Kinder so lange daheim wie in den Sommerferien.

Der Schulbetrieb sieht aufgrund der Vorgaben des Bildungsministeriums zu Hygiene und "Verdünnung" der Schülerzahl auch ganz anders aus als noch Anfang März. Eckpunkte: Der Schultag beginnt mit einem ausgiebigen Waschen der Hände bzw. deren Desinfektion. In der Schule muss grundsätzlich ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden, der erst am Platz in der Klasse abgenommen werden darf - wobei der Sitzplatz selbst mindestens einen Meter vom Nachbar entfernt sein muss.

Einteilung in zwei Gruppen

Die Klassen werden ab einer Größe von 19 Schülern in zwei etwa gleich große Teile geteilt, die sich jeweils mit Unterricht abwechseln. Da es für die Einteilung dieser Schichten keine verpflichtende Vorgabe gab, können die genauen Intervalle sich von Schule zu Schule unterscheiden. Empfehlung des Ministeriums war ein "Drei plus zwei"-Modell: Drei Tage Unterricht für die erste Gruppe, dann zwei Tage für die zweite Gruppe und in der Woche darauf umgekehrt. Für alle gilt damit: Bis zum Ende des Schuljahrs ist jeder Schüler nur noch rund 15 Tage in der Klasse (in den westlichen Bundesländern zwei Tage länger).

Und auch was im Unterricht selbst passiert, ist gewöhnungsbedürftig. Schularbeiten finden keine mehr statt, auch andere punktuelle Leistungsüberprüfungen wie Tests sollen nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden. Viele Schulen haben die Eltern bereits gebeten, ihre Kinder auf die neue Situation vorzubereiten - etwa dass es eher Frontalunterricht geben wird, Turnen nicht stattfindet und in Musik und Religion nicht gesungen werden darf.

Die Schulen selbst wiederum müssen Abläufe und Einteilungen neu planen: So soll einerseits der normale Stundenplan weitgehend aufrechterhalten werden (nur Turnen und Nachmittagsunterricht entfallen). Andererseits fallen zahlreiche Lehrer aus - an Bundesschulen dürfen Über-60-Jährige selbst entscheiden, ob sie unterrichten wollen, zusätzlich können Personen mit Vorerkrankungen daheimbleiben. An den Pflichtschulen ist zumindest letztere Gruppe ebenfalls befreit.

Betreuung für alle

Dazu kommt noch, dass für jene Schülergruppe, die gerade nicht im Schichtbetrieb Unterricht hat, Betreuung angeboten werden muss. Damit müssen also weniger Lehrer de facto das gleiche Unterrichtspensum (außer Turnen und Nachmittagsunterricht) anbieten und zusätzlich noch Schülergruppen betreuen.

Größter Horror der Direktoren bzw. Administratoren ist ein Corona-Verdachtsfall oder gar ein positiver Test bei einem Lehrer oder Maturanten: Aufgrund der Quarantäne-Regeln müsste dann wahrscheinlich ein Teil der Lehrer bzw. eine ganze Maturaklasse zumindest eine gewisse Zeit daheimbleiben - mit entsprechenden Auswirkungen auf den Unterrichtsbetrieb oder die Teilnahme an der Reifeprüfung.

Die letzte Phase der Schulöffnung soll nach Pfingsten beginnen. Am 3. Juni kehren rund 300.000 Schüler an den Polytechnischen Schulen, Berufsschulen, AHS-Oberstufen und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) in die Klassen zurück - ebenfalls im Schichtbetrieb. Das sind alle Jugendlichen in diesen Schulformen außer den jeweiligen Abschlussklassen. Diese sind größtenteils seit Anfang Mai wieder zurück.

"Hygienehandbuch" regelt Verhalten bis ins Detail

Für die Wiederöffnung hat das Bildungsministerium ein "Hygienehandbuch" vorgelegt, in dem das Verhalten von Schülern und Lehrern bis ins Detail geregelt ist. Dieses reicht von der Maskenpflicht über die Handhygiene bis zum Lüften. Zusätzlich wurden den Schulen noch Plakate übermittelt, die vor Ort aufzuhängen sind.

Betreten werden darf das Schulhaus nur mit Mund-Nasen-Schutz. Für Schüler müssen diesen grundsätzlich die Eltern besorgen, Lehrern wird er von der Schule gestellt. Nach Möglichkeit sollen die Schüler zeitversetzt im Haus eintreffen, über ein "Leitsystem (z.B. Bodenmarkierungen)" soll das Einhalten von mindestens einem Meter Abstand gewährleistet werden. Eltern dürfen nur mit Termin ins Haus. Für sie heißt es wie für Schüler und Lehrer unmittelbar nach dem Eintreten und noch mehrmals über den gesamten Tag: "Hände waschen!", und zwar "mindestens 30 Sekunden, die Wassertemperatur spielt dabei keine Rolle".

Masken für alle, außer am Sitzplatz

Im Schulhaus ist auf sämtlichen Wegen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, nur am (fix zugeteilten) Sitzplatz kann er abgenommen werden. Über den richtigen Umgang damit sollen Schulärzte und Plakate im Schulhaus informieren. Zusätzlich werden alle dazu aufgefordert, stets einen Meter Abstand zu halten, nicht ihr Gesicht zu berühren und die Husten-Etikette einzuhalten. "Nicht schreien oder laufen", heißt es außerdem auf einem der Plakate.

Zeigt eine Person im Gebäude Symptome, soll umgehend die Gesundheitshotline 1450 angerufen werden. Wer sich krank fühlt, soll daheimbleiben. Dasselbe wird Mitgliedern der Risikogruppe empfohlen, für betroffene Schüler soll es weiter Distance Learning geben.

Im Schulgebäude sollten laut "Hygienehandbuch" Versammlungen "strikt vermieden werden", Wechsel von Gruppen oder Klassen soll es nur in bestimmten Fällen geben. Damit sich möglichst wenige Schüler unterschiedlicher Klassen begegnen, bleiben jene mit ungerader Bezeichnung (1. Klasse, 3. Klasse etc.) während der Pause im Klassenzimmer. Im Unterrichtsraum selbst ist die Sitzordnung so zu organisieren, dass zwischen allen Personen in jede Richtung mindestens ein Meter Abstand bleibt. In den Pausen soll jeweils gelüftet werden. Gegenstände sollen möglichst nicht gemeinsam verwendet werden. Bei Kontakt mit Speichel müssen diese sofort desinfiziert werden.

Keine externen Zusatzangebote

Externe Zusatzangebote (z.B. musikalische Frühförderung) sowie Ausflüge und Feste mit externen Personen sind vorerst verboten, bei Sprechstunden und Elterngesprächen wird ein Ausweichen auf das Telefon empfohlen. Im Konferenzzimmer ist ebenso wie beim Buffet eine maximale Anzahl von Personen im Raum vorzusehen.

Neben Empfehlungen für das Reinigungspersonal und Betreiber von Schulküchen sind auch die speziellen Regelungen für die Zentralmatura und weitere schriftliche oder mündliche Prüfungen angeführt: Die Prüflinge müssen gestaffelt an die Schule kommen, sich sofort nach dem Ankommen die Hände waschen und zum zugeteilten Prüfungsraum gehen. Nur während der Prüfung müssen sie keinen Mund-Nasen-Schutz tragen. Kandidaten, die selbst zur Risikogruppe gehören oder mit einer besonders gefährdeten Person zusammenleben, können ihre Prüfung in einem separaten Raum mit eigener Prüfungsaufsicht ablegen. Alternativ können sie beim ersten Nebentermin im Herbst antreten.

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