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Bei Kofinanzierung muss das Personal über Verein ÖZPGS bezogen werden © APA (dpa)
Bei Kofinanzierung muss das Personal über Verein ÖZPGS bezogen werden © APA (dpa)

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Schulsozialarbeit: Kärnten nimmt Bundesförderung nicht in Anspruch

04.09.2019

Als einziges Bundesland hat sich Kärnten dazu entschlossen, vom Angebot einer 50-prozentigen Bundesförderung aus dem Bildungsinvestitionsgesetz für Schulsozialarbeiter keinen Gebrauch zu machen. Kärnten will stattdessen mit einem Beschluss in der nächsten Sitzung der Landesregierung die Anzahl jener Schulsozialarbeiter, die es selbst finanziert, auf 20 Personen (teils Teilzeitkräfte) aufstocken.

In Kärnten werden Schulsozialarbeiter über den SPÖ-nahen Verein "Die Kinderfreunde" angestellt. Der Bund verlangt bei einer Kofinanzierung unter anderem, dass das Personal über den Bundesverein ÖZPGS (Österreichisches Zentrum für Psychologische Gesundheitsförderung im Schulbereich) bezogen wird. Auf APA-Anfrage hieß es im Bildungsministerium, dass sich die Länder ihre Schulsozialarbeiter aber auch bei einer Anstellung über diesen Verein selbst aussuchen könnten. Für Kärnten würden ausreichend Mittel zur Verfügung stehen, um alle Schulsozialarbeiter kofinanzieren zu lassen.

Sozialreferentin Beate Prettner (SPÖ) sagte auf APA-Anfrage, sie wisse nichts von einer Kofinanzierung des Bundes für Schulsozialarbeiter. "Das ist mit völlig neu." Sie wisse nur, dass die Finanzierung des Bundes für mobile, interkulturelle Teams zur Integration von Flüchtlingskindern gekürzt worden sei, was sie kritisiere. Sollte es doch eine Förderung für Schulsozialarbeit geben, werde man sich das anschauen müssen. "Wir haben es traditionell mit den Kinderfreunden gemacht, die haben die Schulsozialarbeit in Kärnten aufgebaut. Wenn uns jetzt ein Verein vorgegeben wird, dann hätten wir eine Parallelstruktur."

Auch die zuständige Unterabteilungsleiterin Christine Gaschler-Andreasch erklärte, Geld für die Schulsozialarbeiter gebe es vom Bund nur für Integrationsarbeit. Und dafür bestehe in Kärnten kein Bedarf. Vonseiten des Ministeriums hieß es hingegen, eine Kofinanzierung von Schulsozialarbeitern sei nicht an Integrationsaspekte gebunden.

Politischer Wirbel um Fördergelder

Von den Oppositionsparteien gab es harsche Kritik. Das Thema könnte laut den Ankündigungen demnächst auch den Landtag beschäftigen.

FPÖ-Klubobmann Gernot Darmann warf Prettner vor, Parteiinteressen vor Landesinteressen zu stellen. "Die SPÖ tut alles, damit die Kinderfreunde allein im Geschäft bleiben dürfen. Und jetzt verzichtet sie sogar auf Bundessubventionen, damit sie dieses Kärnten-Monopol der Kinderfreunde erhalten kann", so Darmann. Er appellierte an die ÖVP als Koalitionspartner der SPÖ, den für kommende Woche geplanten Beschluss in der Landesregierung zur Aufstockung der Schulsozialarbeit nicht mitzutragen.

Auch Gerhard Köfer (Team Kärnten) kritisierte, dass Kärnten als einziges Bundesland die Förderung nicht in Anspruch nehme. "Die Optik, die die Vergabe dieser Leistung an einen parteinahen Verein mit sich bringt, ist fatal." Er kündigte eine Anfrage an Prettner sowie eine Landtagsinitiative zum Thema an.

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