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Schnabl: Digitale Lehre habe im Sommersemester gut funktioniert © APA (dpa)
Schnabl: Digitale Lehre habe im Sommersemester gut funktioniert © APA (dpa)

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Semesterstart mit Hybridbetrieb an den Hochschulen

25.09.2020

An den Hochschulen steht das am 1. Oktober beginnende Wintersemester im Zeichen eines "Hybridbetriebs": Lehrveranstaltungen sollen also zum Teil vor Ort, zum Teil online oder gar parallel in beiden Formaten stattfinden. Generell gilt: Große Hochschulen weichen verstärkt auf digitale Formate aus, an kleineren gibt es tendenziell mehr Präsenzveranstaltungen. Vorlesungen werden eher online angeboten, interaktive Formate und vor allem Laborübungen und Ähnliches gibt es vor Ort.

Vorrang bei der Präsenzlehre haben an den meisten Einrichtungen Studienanfänger. In den Hörsälen gilt zumindest bis zum Sitzplatz eine Maskenpflicht, manche Hochschulen (etwa Uni Wien, Technische Uni Wien, FH Campus Wien) schreiben diese auch in den Lehrveranstaltungen selbst vor.

Online- und Vor-Ort-Veranstaltungen

Viele Hochschulen setzen auf Parallelformate: Da die Hörsäle meist nur zu höchstens 50 Prozent ausgelastet werden dürfen, sollen Studenten, die keinen Platz finden, die Lehrveranstaltungen online verfolgen können. Die Uni Wien hat als zusätzlichen Lern- und Aufenthaltsort zwischen den Lehrveranstaltungen unter anderem etwa die Votivkirche angemietet.

Primär setzt man an der größten Hochschule des Landes auf Online-Lehre, es gibt aber auch Vor-Ort-Veranstaltungen. "Aufgrund der aktuellen Entwicklungen empfehlen wir Lehrenden, wenn es fachlich vertretbar ist, in die digitale Lehre zu gehen, denn sie ist planbar", so Vizerektorin Christa Schnabl zur APA. Aufgrund der Hygienevorgaben würden in den Hörsälen nur 40 bis 45 Prozent der Plätze besetzt werden können - falls regional oder österreichweit noch strengere Richtlinien vorgegeben werden, müsse man selbst diese Kapazität noch reduzieren.

Studienanfänger haben Vorrang

Vorrang bei der Präsenzlehre hätten kleinere Gruppen sowie Studienanfänger, so Schnabl. "Für die ist es am Anfang nötig, vor Ort ihre Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen. Wir wollen ihnen zumindest Momente dieser 'direkten Erfahrung' bieten." Große Vorlesungen könnten gut digital umgesetzt werden, während interaktiv ausgerichtete Veranstaltungen in Präsenzform stattfinden sollen. "Kritisch ist vor allem die Laborlehre - die muss unbedingt vor Ort sein."

Im Hörsaal selbst sind die Sitze markiert, überall ist mindestens ein Meter Abstand. Wie auch an anderen Unis gilt durchgehend eine Maskenpflicht in den Lehrveranstaltungen.

Auch bei den Präsenzveranstaltungen gibt es aber daneben meist eine digitale Schiene. "Gerade zu Studienbeginn haben wir in der Regel großen Andrang. Wir brauchen daher eine zweite Schiene. Studierende, die kommen und keinen Platz finden, werden in die Lernzonen verwiesen." Dafür hat die Universität auch die Votivkirche gleich nebenan angemietet und etwa mit Heizstrahlern und WCs adaptiert. Diese ist auch mit W-LAN ausgestattet und groß genug, um Abstände einhalten zu können.

Uni-Wien-Vizerektorin lobt Lehrende

Die digitale Lehre habe im vergangenen Sommersemester gut funktioniert, meinte Schnabl. "Es war herausragend, was die Lehrenden auf die Beine gestellt haben - manche schneller, manche mit Zögern. Am Ende hatten wir die Lehre mit Ausnahme der Labore und Ähnlichem vollständig digital."

Im Sommersemester 2020 hätten sogar mehr Studierende Prüfungen abgelegt als im Vergleichszeitraum 2019, betonte Schnabl. Zwischen Ende März und Ende Juni seien 70.000 Prüfungen rein digital durchgeführt worden. Auch jetzt werde sowohl digital als auch vor Ort geprüft - die Entscheidung darüber würden die einzelnen Lehrenden nach der Art der Prüfung treffen. "Für digitale Formate eignen sich etwa Open-Book-Prüfungen - da muss das Wissen konkret angewendet werden. Schwieriger wird es, wenn es um das Abfragen von Wissensbeständen geht."

Unterschiedliche Handhabung je nach Uni

Auch an der Uni Innsbruck, der Medizin-Uni Wien, den beiden Technischen Universitäten in Wien und Graz wird der Großteil der Lehrveranstaltungen via Distance Learning abgewickelt. An der Uni Graz hat man das dagegen bewusst offengelassen. Allerdings haben die jeweiligen Leiter derzeit die Möglichkeit, bis zu 60 Prozent ihrer Lehrveranstaltung ohne weitere Beantragung virtuell durchzuführen. Längere Lehrveranstaltungen werden außerdem verkürzt.

Andere Hochschulen wie etwa die Uni Klagenfurt setzen derzeit primär auf Präsenzlehre, auch hier gibt es aber hybride Formate. Außerdem können die Lehrveranstaltungen parallel auch als Stream verfolgt werden, falls es etwa zu wenig Platz gibt oder die Studenten zu einer Risikogruppe gehören.

Oft müssen sich Studenten auch registrieren, wenn sie an einer Präsenz-Lehrveranstaltung teilnehmen wollen - etwa per Studentenausweis bei Screens vor großen Hörsälen wie an der Montanuni Leoben. Andere Hochschulen setzen auf an den Plätzen angebrachte QR-Codes, die per Smartphone gescannt werden. Die Uni Wien empfiehlt "dringend" das Führen eines Sitzplatztagebuchs. Ganz grundsätzlich dürfen in den Hörsälen nur markierte Sitzplätze genutzt werden.

Voranmelden muss man sich an vielen Hochschulen auch, wenn man in einer Bibliothek bzw. einem Lesesaal arbeiten möchte.

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