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Ungarns besetzte Theater-Uni begann Studienjahr als "Lehr-Republik"

14.09.2020

Die von den Studenten besetzte Budapester Universität für Theater- und Filmkunst hat am Montag das Studienjahr 2020/21 als "experimentelle Lehr-Republik" begonnen. "Wir wollen studieren", hieß es in einem Aufruf der Studenten, der über Facebook verbreitet wurde.

Deshalb hätten sie im Einklang mit dem Lehrpersonal den konventionellen Rahmen des Unterrichts verlassen und eine Republik des experimentellen Lehrbetriebs ausgerufen.

Die Studenten der Theater-Uni hatten ihre Hochschuleinrichtung zu Monatsbeginn besetzt, nachdem ihr die rechtsnationale Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban die Autonomie entzogen hatte. Die meisten Leitungsbefugnisse waren damit vom gewählten Senat auf ein neues Kuratorium übergegangen, das ausschließlich mit Vertrauenspersonen der Regierung besetzt ist.

Wiederherstellung der Universitätsautonomie gefordert

Die Studenten und Lehrkräfte halten das Kuratorium für illegitim und verlangen die Wiederherstellung der Universitätsautonomie. Auf das Leben in der besetzten Uni hat das Kuratorium derzeit keinen Einfluss. Seinen Mitgliedern und ihren Abgesandten ist der Zutritt zur Uni verwehrt.

Zugleich liegt den Studenten und Lehrern daran, den Universitätsbetrieb wieder aufzunehmen, wenn auch nicht in den gewohnten Bahnen. "Wir sind eine Kreativgemeinschaft, deshalb brauchen wir kein Vorlesungsverzeichnis", heißt es in dem Aufruf. "Wir sind anwesend, deshalb brauchen wir keine Anwesenheitslisten."

Klassische Unterrichtseinheiten, offene und geschlossene Kurse, kreative und soziale Interventionen würden gleichermaßen als Studienaktivitäten anerkannt wie Arbeiten, die der inneren Organisierung der Gemeinschaft und der Aufrechterhaltung der Besetzung dienen. "Unsere Republik ist ein Experiment im Zeichen der Lehrfreiheit, das ohne Bindung an Institute, Studienrichtungen und Lehrveranstaltungen einen gemeinsamen Schöpfungsprozess zum Ziel hat."

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