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Vitouch zu Hochschulsprache: "Einladen statt ausgrenzen"

24.10.2019

"Lust auf Sprache zu machen, zum Experimentieren einzuladen und generell einzuladen statt auszugrenzen: Das könnte eine Leitlinie sein für einen kreativen und reichhaltigen, diversitätsvollen Umgang mit Sprachen an Universitäten." Mit dieser Empfehlung schloss Oliver Vitouch, uniko-Präsident und Rektor der Universität Klagenfurt seine Videobotschaft anlässlich der Tagung zu "Wirkmächtige Hochschul(amts)sprache" am 21. Oktober, die von der Ombudsstelle für Studierende gemeinsam mit dem Amt der steiermärkischen Landesregierung in Graz ausgerichtet wurde.

Vitouch sieht in seinem Vorschlag auch einen möglichen Umgang mit dem Dilemma der "maximalen Ansprüche an eine hochentwickelte Sprachkompetenz einerseits und dem Achten auf Barrierefreiheit und maximale Verständlichkeit andererseits" - ob in der Lehrveranstaltung, in der Studierendenberatung oder im Amt der Universität, das einen Bescheid in einer Angelegenheit ausstellt. "Was die Hochschulsprache anbelangt, wohnen tatsächlich zwei Seelen auch in meiner Brust", räumte der Rektor anfangs ein. Dies ergäbe sich daraus, "dass Universitäten letztlich zweierlei Ansprüche vereinen müssen: das eine ist der Aspekt der Forderung, Herausforderung und Förderung von Sprachkompetenz, das andere der Aspekt der Verständlichkeit". Beides habe ihn, so der Wissenschafter Vitouch, "auch in meiner Existenz als Kognitionspsychologe in der Vergangenheit immer wieder beschäftigt".

Sprachkompetenz. So sei die Sprachkompetenz selbst in formalisierte Bereiche wie die Mathematik hinein eine Grundkompetenz, ohne die man sich im Leben und zumal an Universitäten und in der Wissenschaft sehr schwer tue, sodass deren Förderung ein unbedingtes Ziel von Universitäten auch bis auf höchste Niveaus sein muss. Was die Verständlichkeit betrifft: Da habe er gelernt, "dass das sprachwissenschaftliche Verständnis sogenannter Kanzleisprachen ein ganz anderes ist", zumal "die Herrscherkanzleien in früheren Zeiten an der Kanonisierung und Standardisierung von Sprache sehr stark beteiligt waren". So habe er mit der Kanzleisprache des 20. und 21. Jahrhunderts, zum Beispiel über die Personalabteilung der Universität Wien Begriffe und Wendungen kennengelernt, die ihm als Student und jungem Wissenschafter nicht geläufig waren - etwa die Abkürzung ho. für hierorts.

Die Frage, ob Sprache auch ein Diskriminierungsmittel sei, müsse man "mit Bourdieu und den feinen Unterschieden" selbstverständlich bejahen, ergänzte Vitouch. "Sprache kann viel, sie kann auch zur Diskriminierung zur Distinktion und zu diesbezüglich negativen Effekten taugen", betonte der Rektor und verwies auf "juristische" oder "medizinische Geheimsprachen". Im weiteren Verlauf der Tagung brachten drei steirische Universitäten, die Karl-Franzens-Universität Graz, die Technische Universität Graz und die Kunstuniversität Graz ihre Expertisen zur Gestaltung von verständlicher "Hochschulsprache" ein. Ausgangspunkt dafür war, dass Studienwerber und Studierende insbesondere in der schriftlichen Kommunikation (Websites etc.) von Hochschulen (Universitäten, Privatuniversitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen) für sie wichtige, exakte und zeitgerechte Informationen benötigten.

Quelle: uniko-Newsletter 6/19

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