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"13 Reasons Why": Nach TV-Serie Suizid-Anstieg in den USA

29.05.2019

Nach dem Release der Netflix-TV-Serie "13 Reasons Why" ("Tote Mädchen lügen nicht"), in der sich ein 17-jähriges Mädchen das Leben nimmt, gibt es einen markanten Anstieg von Suiziden in den USA. Zu diesem Ergebnis kommen Studienleiter Thomas Niederkrotenthaler und Benedikt Till von der Unit Suizidforschung & Mental Health-Promotion am Zentrum für Public Health der MedUni Wien in einer nun veröffentlichten Studie im Top-Journal JAMA Psychiatry. In Zahlen: "Binnen drei Monaten ist bei der Gruppe der 10- bis 19-Jährigen ein Anstieg von 13 Prozent nachzuweisen, das sind 94 Suizide mehr in diesem Zeitraum." Statt üblicherweise rund 720 Suiziden in drei Monaten US-weit in dieser Altersgruppe gibt es assoziiert mit der TV-Serie daher insgesamt mehr als 800.

Das untermauert die Ergebnisse einer vorangegangenen US-Studie, zeigt aber darüber hinaus auch auf, dass proportional mehr weibliche Jugendliche betroffen waren, was auch aufgrund der weiblichen Hauptprotagonistin in der TV-Serie von den ForscherInnen erwartet worden war.

"Die Darstellung der Suizid-Problematik im Fernsehen ist wichtig für die Entstigmatisierung. Aber es kommt auf das "Wie" an. Wichtig ist es, zu zeigen, dass es immer eine andere Lösung, dass es immer einen anderen Ausweg aus einer schwierigen Lebenssituation gibt", betonen die MedUni Wien-Forscher. Das ist bei dieser Netflix-Serie nicht gegeben, zu sehr würden soziale Alltagsprobleme von Jugendlichen als aussichtslos dargestellt und immer wieder mit der Möglichkeit eines Suizids verknüpft. Auch bemängeln die Wiener Forscher, die die Studie in Kooperation mit WissenschafterInnen aus Toronto, Melbourne, Michigan und Rochester erarbeitet haben, dass Hilfsmöglichkeiten entweder gar nicht – oder als völlig nutzlos dargestellt werden. "Wir haben gemeinsam mit nationalen und internationalen Organisationen bereits kurz nach der Veröffentlichung hingewiesen, dass so der falsche Eindruck entstehen kann, dass man sich keine Hilfe bei Suizidgedanken holen soll, oder dass das nichts bringt.", sagt Niederkrotenthaler. "Es macht aber immer Sinn, sich bei Suizidgedanken Hilfe zu suchen."

Interessant auch, dass der Anstieg der Suizide ausschließlich in der Gruppe der 10- bis 19-Jährigen vorhanden war. In allen anderen Gruppen ist keine Veränderung zu erkennen. Betrachtet und verglichen wurden die Suizidzahlen in den USA von 1999 bis 2017.

Auswege aufzeigen, Hilfe anbieten

Die internationalen Forschergruppen betonen, dass es besonders wichtig ist, in der Kommunikation mit den Jugendlichen auch über Medienkonsum zu sprechen und die vielfältigen Hilfsangebote aufzuzeigen – egal ob durch Eltern, Lehrer, Ärzte oder andere Einrichtungen. "Es ist äußerst wichtig, zu zeigen, dass es möglich ist, sein Leben in den Griff zu kriegen und dass es immer einen Ausweg gibt."

Die ForscherInnen der Medizinischen Universität haben zu diesem Zweck mit Kolleginnen unter dem Dach der Österreichischen Gesellschaft für Suizidprävention (ÖGS) eine Broschüre "Zum Umgang mit der Netflix-Serie "13 Reasons Why" in der Schule" veröffentlicht, die auch als Vorlage für die Thematisierung anderer Suiziddarstellungen für LehrerInnen, ÄrztInnen, aber auch in der Familie geeignet ist. Link zum Download der Broschüre https://www.ots.at/redirect/meduniwien1.

Und was können Eltern noch konkret tun? Niederkrotenthaler: "Sprechen Sie über den Internet- und TV-Konsum mit den Kindern, fragen Sie nach, was sie sich anschauen und warum. Zeigen Sie Auswege und Hilfsangebote auf, hören Sie ihren Kindern zu und lassen sie sich helfen." Hilfseinrichtungen für Menschen mit Suizidgedanken, aber auch für Eltern und Freunde, die sich um Betroffene sorgen, sind unter www.bittelebe.at sowie suizid-praevention.gv.at für ganz Österreich gelistet.

Druck auf Unterhaltungsindustrie

Zugleich wollen die internationalen SuizidforscherInnen gemeinsam Druck auf die Unterhaltunsindustrie aufbauen, "um dort eine verbesserte Darstellung von Suizidalität zu erreichen. Es ist wichtig, Suizidalität auch medial zu thematisieren, und das ohne Risiko für Menschen mit Suizidgedanken zu tun. Eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen der Industrie und PräventionsexpertInnen kann das gewährleisten", betonen sie.

Service: JAMA Psychiatry

"Association of Increased Youth Suicides in the United States With Release of 13 Reasons Why." Thomas Niederkrotenthaler, Steven Stack, Benedikt Till, Mark Sinyor, Jane Pirkis, David Garcia, Ian R.H. Rockett, Ulrich S. Tran. Doi:10.100/jamapsychiatry.2019.0922. May 29, 2019.

Rückfragehinweis:
   Medizinische Universität Wien
   Ing. Klaus Dietl
   Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
   +431 40160 - 11 503
   Mobil: +43 664 800 16 11 503
   pr@meduniwien.ac.at
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