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Daten aus 18 Ländern wurden analysiert © APA (AFP)
Daten aus 18 Ländern wurden analysiert © APA (AFP)

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Afrikas Geburtenrate nahm auch wegen Bildungsmängeln kaum ab

04.02.2019

Die Geburtenrate in vielen afrikanischen Ländern ist nach einem Absinken in den Jahrzehnten davor am Beginn der 2000er-Jahre nicht weiter zurückgegangen. Grund dafür war zumindest auch ein stagnierender bzw. rückläufiger Bildungsgrad der Frauen im gebärfähigen Alter, heißt es in einer im Fachjournal "PNAS" veröffentlichten Studie des Wittgenstein Centre for Demography and Human Capital.

Für ihre Arbeit analysierten Demografen des an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien bzw. dem Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg angesiedelten Instituts um Wolfgang Lutz Bevölkerungsdaten aus 18 Ländern der Sub-Sahara. Ausgangslage war die Beobachtung, dass in den Ländern unterhalb der Sahara in den 1980er-Jahren die Geburtenraten zu fallen begannen, diese Entwicklung in vielen Staaten Ende der 1990er und Anfang der 2000er aber stagnierte bzw. in manchen Fällen sich sogar ins Gegenteil verkehrte.

"Demografisches Rätsel"

Die Gründe dafür gelten als "demografisches Rätsel", schreiben die Studienautoren. Als mögliche Ursachen wurden in früheren Studien etwa die Verlangsamung der sozioökonomischen Entwicklung, die niedrige Priorität von Familienplanungsprogrammen am Beginn des 21. Jahrhunderts oder die hohe Kindersterblichkeit durch Aids genannt. Ein neuer Erklärungsansatz stellt dagegen den Stillstand beim Bildungsgrad der Frauen im gebärfähigen Alter in den Mittelpunkt - eventuell begründet durch Einschnitte im Sozialsektor und ins Schulwesen durch Austeritätsprogramme von Weltbank und IWF.

Für ihre neue Studie analysierten Lutz und seine Kollegen Datensätze aus demografischen und Gesundheits-Erhebungen mit mehr als zwei Mio. Geburten von 670.000 Frauen der Jahrgänge von 1950 bis 1995. Dabei wählten sie Länder mit und ohne Stillständen beim Geburtenrückgang aus. Resultat: Tatsächlich gab es einen empirischen Zusammenhang zwischen der Stagnation beim Bildungsgrad der in den späten 1970ern und 1980ern geborenen Frauen und dem Stillstand beim Rückgang der Geburtenrate um das Jahr 2000 - also dann, wenn diese Frauen ins typische Gebäralter kamen.

Weniger sicher sei allerdings, dass die IWF- bzw. Weltbank-Maßnahmen direkt für diese Entwicklung verantwortlich sind. Das sei zwar nicht unplausibel, schreiben die Forscher, allerdings müsse man bedenken, dass die Austeritätsprogramme erst als Reaktion auf wirtschaftliche Turbulenzen implementiert worden seien. Es sei daher unklar, ob bereits diese ökonomischen Schwierigkeiten oder die Reaktion darauf zur Verlangsamung der Verbesserungen im Bildungswesen geführt hätten.

Service: https://www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1717288116

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