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Alte Burg für junge Republik

05.12.2017

Monarchistisch, altmodisch und defizitär: Mit dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie schienen auch die Tage des k. u. k. Hof-Burgtheaters in Wien gezählt. Doch ausgerechnet die im November 1918 ausgerufene Republik Österreich rettete das Fortbestehen des heute weltbekannten Hauses, indem sie es in das Staatseigentum übernahm. Welche Ziele die noch junge Demokratie mit dieser Entscheidung verfolgte und wie sich die "Burg" dann unter ihrem neuen Eigentümer entwickelte, ist aber auch 100 Jahre später noch weitgehend unbekannt.

Elisabeth Großegger und Katharina Wessely vom Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wollen diese Wissenslücke schließen. Mit ihrem Forschungsvorhaben "Theater für die Republik? Das Burgtheater und seine Bedeutung für kulturelle Identitätsentwürfe in der Ersten Republik" konnten sie sich bei der Förderausschreibung des Jubiläumsfonds der Stadt Wien für die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) durchsetzen. Diese startete im Frühjahr 2017 und fördert mit insgesamt 300.000 Euro vier Projekte zum Thema "100 Jahre Gründung der Ersten Republik".

Identitätsstifter Burgtheater?

Im kommenden Jubiläumsjahr 2018 wollen die beiden Wissenschaftlerinnen nun insbesondere der Frage nachgehen, ob das Burgtheater den Staat bei der Konstruktion einer neuen österreichischen Identität unterstützen sollte - und ob es den Erwartungen in der Realität gerecht wurde. "Die Forschung hat sich bisher kaum mit der Frage auseinandergesetzt, was sich die Regierung von der Übernahme des Theaters versprach, welche Bedeutung sie dem Burgtheater für die Konstituierung des neuen Staates zuschrieb und welchen Einfluss die Feuilletonbeiträge der Wiener Zeitungen dabei hatten", führen Großegger und Wessely aus. Denn weder war zunächst ein wirtschaftlicher Erfolg der "Burg" zu erwarten, noch konnte das ehemalige k. u. k. Hof-Burgtheater mit republikanischen Programminhalten für das Wiener Publikum aufwarten. Antworten auf diese und weitere Fragen zur Rolle des Burgtheaters in der Ersten Republik werden die Forscherinnen dank detaillierter Quellenstudien aufzeigen.

Staatsratsprotokolle, Verwaltungsgeschichte, Gender

Neue Erkenntnisse zum Übergang von der Monarchie zur Ersten Republik wollen auch die drei weiteren Forschungsprojekte zutage fördern, die in der von Stadt Wien und ÖAW gestarteten Ausschreibung überzeugen konnten. Während Historiker/innen des Instituts für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der ÖAW mit "Der Österreichische Staatsrat: Protokolle 1918-19, Bde. 2 und 3" eine Edition wichtiger und nicht erschlossener Quellen erarbeiten, rücken Wissenschaftler/innen der Universität Wien mit "Die große Transformation. Staatsdienst und Gemeindedienst in Wien 1918 bis 1920" den Übergang von der Monarchie zum Nationalstaat in der öffentlichen Verwaltung in den Fokus.

Unter dem Titel "Partizipation - Repräsentation - Politik: Herausforderungen für eine geschlechtergerechte Gesellschaft" werden Forscherinnen der Österreichischen Gesellschaft für Zeitgeschichte und der Universität Wien schließlich politische Praxen von 1848 bis in die Gegenwart aus der Perspektive der Geschlechtergeschichte, der sozialwissenschaftlichen Geschlechterforschung sowie der Legal Gender Studies untersuchen.

Rückfragehinweis:
   Sven Hartwig
   Leiter Öffentlichkeit & Kommunikation
   Österreichische Akademie der Wissenschaften
   T +43 1 51581-1331
   sven.hartwig@oeaw.ac.at
   www.oeaw.ac.at

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