Kultur & Gesellschaft

Ausgrabungsarbeiten im Tempel auf der Hügelkuppe des Klosterfrauenbichls © Institut für Archäologien/Universität Innsbruck
Ausgrabungsarbeiten im Tempel auf der Hügelkuppe des Klosterfrauenbichls © Institut für Archäologien/Universität Innsbruck

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Archäologen legen keltisches und römisches Heiligtum in Osttirol frei

13.11.2019

Am Klosterfrauenbichl in Lienz (Osttirol) wird seit 2014 von Archäologen der Universität Innsbruck intensiv gegraben: Ein 2.000 Jahre altes Heiligtum wird dort freigelegt. Der "Heilige Hügel" wurde sowohl von den Kelten als auch von den Römern als spiritueller Ort genutzt. Diesen Sommer machten die Forscher interessante Funde, teilte die Universität am Mittwoch mit.

"Mit jeder Grabung hat sich der Platz als noch bedeutender erwiesen als bisher vermutet", sagte Archäologe Gerald Grabherr. Gemeinsam mit Barbara Kainrath und einem Team arbeitet er am Klosterfrauenbichl, der mittlerweile den Dominikanerinnen gehört.

Der keltische Stamm der Laianken hatte den etwa 150 Meter hohen Hügel vor Lienz erstmals als Heiligtum genützt. Bereits in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts vor Christus wurden an dem Ort heilige Riten und Weihungen durchgeführt. Mit der Besetzung durch die Römer um die Zeitenwende wurde der Hügel zum römischen Heiligtum transformiert.

Spektakuläre Funde

Nun lassen die Archäologen mit spektakulären Funden aufhorchen. "Bei unseren Grabungen sind wir auf eine aus der Erde ragende Hand gestoßen und konnten dann eine bronzene Kriegerstatue aus der keltischen Zeit freilegen", informierte Grabherr. Fibeln, Votivbleche aus Bronze, Münzen und sogar Teile einer keltischen Kriegstrompete, einer sogenannten Carnyx, haben die Forscher außerdem entdeckt. "Wir konnten erstmals in Österreich auch Fragmente einer Carnyx, mit Wildschwein- oder Drachenkopf, bergen. Allgemein bekannt wurde diese auch in den Comics von 'Asterix und Obelix', in denen Troubadix diese Carnyx mit sich führt", erklärte Kainrath. Auch eiserne Feuerköpfe mit Stierkopfenden wurden als Weihegaben am Heiligtum deponiert.

In keltischer Zeit wurde der Hügel als Stammesheiligtum genützt, wobei die Archäologen die Siedlung des Stammes noch nicht kennen. "Wahrscheinlich hat sich diese an dem Platz befunden, wo heute Lienz steht. Mit dem Fund des Heiligtums haben wir überhaupt erst den ersten Hinweis auf die Laianken", verdeutlichte die Expertin. Dass dieser keltische Stamm im Lienzer Becken beheimatet war, sei laut Grabherr und Kainrath bereits bekannt. Allerdings fehlten bisher eindeutige Hinweise auf deren Leben. "Wir haben in Lienz nun das erste Heiligtum entdeckt, das noch nicht von anderen Bauwerken überbaut worden ist. So haben wir erstmals die Möglichkeit, auch die Nutzungsgeschichte dieses Ortes zu rekonstruieren", so Grabherr.

Hinweise auf römische Eroberung

Auch Hinweise auf die Eroberung des Gebietes durch die Römer hält der Hügel bereit, wie etwa Waffenfunde oder Schuhnägel römischer Legionäre. Nach dem Einzug der Römer wurde das Heiligtum monumentalisiert. "Die Römer haben den heiligen Platz der Kelten übernommen und an ihre Traditionen angepasst", so Kainrath. Aus dieser Zeit wurden ebenfalls interessante Funde freigelegt. Dazu gehören unzählige kleine Zinnfiguren, sogenannte Votivstatuetten. "Insgesamt konnten wir rund 600 Fragmente in unterschiedlicher Größe und unterschiedlichem Erhaltungszustand bergen. Diese Figuren stellen das umfangreichste Ensemble solcher Zinnstatuetten im gesamten römischen Weltreich dar", meinten Kainrath und Grabherr unisono.

Ergänzend zur keltischen Kriegerstatuette konnten die Wissenschafter das römische Pendant in Bronze freilegen. "Als Prunkstück der Forschungen im Jahr 2019 wurde eine Bronzestatue des Gottes Jupiter geborgen", sagte Grabherr. Der Klosterfrauenbichl werde die Wissenschaft noch länger beschäftigen, bevor dieser mystische Platz wieder der Bevölkerung zugänglich gemacht wird, hieß es.

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