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Ars Electronica - Freie Kunst trotz Lockdowns im "Wild State"

09.09.2020

Ein wilder Garten, in dem alles kreuz und quer wächst, frech, unreglementiert und frei - unter dem Titel "The Wild State" zeigt die Linzer Kunstuniversität heuer beim Ars Electronica Festival ihre Arbeiten. Die Ausstellung, die aus den Gebäuden der Uni auch auf den Hauptplatz hinauswuchert, macht die heuer am Stadtrand - bzw. coronabedingt im Netz - angesiedelte Ars auch in der City sichtbar.

Rund 120 Künstler und Künstlerinnen aus etlichen Ländern sind an der Ausstellung, die nun bis 13. September zu sehen ist, beteiligt. Manche sind trotz drohender Quarantäne und ungewisser Rückkehrmöglichkeiten angereist, andere haben Arbeiten geschickt. "In der Enge der Zeit ist es wichtig, widerständig zu sein, laut und mutig. Das betrifft auch die Menschenrechte", die Freiheit der Wissenschaft und der Kunst, die "unverhandelbar" sei, sagte Rektorin Brigitte Hütter bei der Presseführung am Mittwoch - auch als Solidarisierung mit der Budapester Universität für Theater- und Filmkunst, deren Autonomie die rechtsnationale Regierung aufgehoben hat.

Die Fassade des Gebäudes am Hauptplatz 8 wird mit interaktiven und audiovisuellen Arbeiten unter dem Titel "Interfacing Hauptplatz" bespielt. Besucher können sich so der Uni vorsichtig annähern, etwas ausprobieren. Auf der anderen Seite des Hauptplatzes beschäftigen sich am Pflaster angebrachte Bilder mit dem Thema Abstandhalten, bilden aber auch eine Einladung, doch die Ausstellungsräume zu betreten.

13 Partneruniversitäten beteiligt

An der Schau in der Kunstuni sind 13 Partneruniversitäten beteiligt, bei vielen Exponaten kann man selbst experimentieren - etwa Fische durch ein Video schwimmen lassen oder erfahren, wie es ist, Photosynthese zu machen wie eine Pflanze. Die "Interface Cultures"-Studierenden haben sich unter dem Titel "State of Intimacy" mit dem Zustand der Isolation befasst. So initiierte eine bosnische Studentin, die in dieser Zeit auf einer tropischen Insel festsaß und nicht mehr nach Hause reisen konnte, das Projekt "COCO-lands". Hier haben sich Studierende aus aller Welt während des Lockdowns vernetzt, mit einem kugelförmigen Interface kann man durch ihre Tagebücher surfen.

Der Sound Campus kann im kleinen Rahmen physisch besucht werden, spielt sich aber hauptsächlich im Netz ab. Mit einem Bärchen-Avatar kann man durch die als Titanic konzipierte Ausstellung hüpfen und auch Konzerten lauschen. Die Designstudierenden verbinden in "Crafting Futures" traditionelles Handwerk mit neuen Technologien, so entstehen etwa Kreuzstich-Stickereien im 3D-Drucker. Beim Internet Yami-Ichi werden Arbeiten mit Internetbezug im Rahmen eines Flohmarkts verkauft, der sich mit dem traditionellen Flohmarkt am Samstag am Linzer Hauptplatz mischt.

Service: "The Wild State" bis 13. September in der Linzer Kunstuniversität und online. Weitere Informationen und regelmäßige Live-Streams: https://ausstellungen.ufg.at/wildstate

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