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Patrick Tresset und seine Installation "Human Study #4, La Classe" © APA (Innthaller)
Patrick Tresset und seine Installation "Human Study #4, La Classe" © APA (Innthaller)

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Ars Electronica - Prix-Schau CyberArts als "Herz" des Festivals

05.09.2019

Bei der Ausstellung CyberArts im Linzer Ursulinenhof sind heuer drei Kategorien aus dem Prix Ars Electronica vertreten: Computer Animation, Digital Musics & Sound Art und die zum ersten Mal durchgeführte "Artificial Intelligence & Life Art". Die Arbeiten aus der U19-Kategorie sind in der PostCity zu sehen. CyberArts sei "Herz und wichtigste Ausstellung des Festivals", sagte Kuratorin Emiko Ogawa.

Der Ursulinenhof werde vom Theaterkeller bis zum Dachboden zu einem erlebnisreichen Parcours der Medienkunst, so Kuratorin Genoveva Rückert bei einem Presserundgang in Linz. Zusammenfassend seien die Arbeiten körperlicher und interaktiver geworden, VR sei ein großes Thema, und mit der neuen Kategorie sei ein guter Schwerpunkt gesetzt worden. Ausgestellt werden in jeder Kategorie die Gewinner der Goldenen Nica, die Auszeichnungen und Anerkennungen, was zu insgesamt 27 Positionen führt.

Paul Vanouses Sieger in der neuen AI-Kategorie "Labor" produziert den Geruch von Schweiß, der nämlich, wie der Künstler erklärte, nichts Menschliches ist, sondern von Bakterien kommt. Ein weißes T-Shirt nimmt den Geruch auf, den menschliche Hautbakterien in drei Bioreaktoren erzeugen - an der Wand sehr ästhetische Drucke von verschwitzten Shirts. Auch mit Geruch arbeitet die Deutsche Agnes Meyer-Brandis. Bei "One Tree ID - How To Become A Tree For Another Tree" wird aus der Gasemission einer Schwarzkiefer ein Parfüm hergestellt, das sehr würzig und an Hustenzuckerl erinnernd riecht.

Mikroorganismus produziert "Blut"

Wunder auf Bestellung liefert Adam Brown (USA) in "[ir]reverend: Miracles on Demand" mit einer scheinbar blutenden Hostie in einer Monstranz-Form. Dazu bedient er sich eines Mikroorganismus, der auf Brot wächst und eine Flüssigkeit produziert die Blut ähnlich ist. Der Franzose Patrick Tresset geht in "Human Study#4, La Classe" den Erinnerungen aus seiner Kindheit und auch aus Filmen nach. Er inszeniert zehn Roboter - einen Lehrer, neun Schüler - in einer Klasse, anfangs gibt es Widerstand, doch dann zeichnen sie ihrem Lehrer brav nach. Interessant: Vier der neun Pulte sind für Linkshänder ausgerichtet - "Weil ich selber einer war und immer mit meinem Banknachbarn zusammengestoßen bin", erklärte Tresset, es gehe auch um die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft.

Der Gewinner der Musikkategorie, "TORSO #1" des Österreichers Peter Kutin, dominiert den Ursulinensaal. Die Klangskulptur ist ein elektroakustisches System aus vier 100-Volt-Lautsprechern, die sich in unterschiedlicher Geschwindigkeit drehen. Wie Laserschwerter leuchten die Flügel auf, blinken und erlöschen wieder. Die Töne sind laut, leiser, wohlig und dumpf. Optisch erinnert die Skulptur an ein Windrad bzw. eine windmühlenartige Vogelscheuche. Sie nimmt die Zuschauer gefangen und füllt mühelos den Saal mit ihrer Präsenz. Oben im Dachboden widmet sich das Sine Wave Orchester aus Japan in ihrer interaktiven Installation "The Sine Wave Orchestra Stay" der Sinuswelle. Jeder kann ein kleines Gerät, das eine Sinuswelle produziert, an eine der vielen Kupferdrahtsäulen montieren und damit den Klang der Installation verändern.

real virtuality statt virtual reality

Ganz oben unter dem Dach hört man Francisco Lopez' (ESP) "MANTRAcks and Sonic Fields: A VirtuAural Duology Part 1 - untiteld #352". Beim Aufgang denkt man an eine weiter entfernte Kreissäge, auch im Raum selbst ist der Klang eher unangenehm. "Ich versuche real virtuality zu machen, nicht virtual reality", sagte der Künstler, dem es darum geht, das Wesen des Klangs an sich zu erkunden. Die Aufnahmen für das Langzeit-Sound-Meta-Stück stammen aus Fontenay-sous-Bois bei Paris.

Die Computer Animation entschied eine kanadische Gruppe um Kalina Bertin mit "Maniac VR" für sich. Anhand von Virtual Reality kann man in die Welt von Menschen mit bipolarer Störung eintauchen. Die Geschwister Bertins sind selbst betroffen und verwenden die Sprachbox ihrer Schwester als persönliches Tagebuch. Sie schuf daraus diese Installation, die im Keller zu sehen ist. Mit Elementen der Gaming Kultur spielt die Französin Cindy Coutant in "Undershoot, sensitive data: Cristiano". Über Text interagiert sie darin mit einem virtuellen Fußballer Cristiano Ronaldo. Mehr Arbeiten aus dem Computer-Animation-Wettbewerb sind im Art Thinking House in der PostCity oder im Electronic Theatre bei der OK Night am Samstag zu sehen.

Service: CyberArts - Prix Ars Electronica Exhibition, Ausstellung im Ursulinenhof Linz, 5. bis 15. September, täglich von 10 bis 19.30 Uhr, Sa, 7. September bis 21.30 Uhr; Katalog, erschienen im Verlag Hatje Cantz, 26 Seiten, 28 Euro, ISBN 978-3-7757-4577-2; http://www.ooekulturquartier.at

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