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Auf der Suche nach einem nachhaltigen neuen Wohlstandsmodell: “Tipping Point Talk 04: Audacity” der ERSTE Stiftung -

28.11.2019

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit der Erste Stiftung

Am Mittwochabend (27.11.) erlebten mehr als 300 Gäste im Wiener Odeon Theater eine hochkarätige Diskussion über die Chancen eines neuen, nachhaltigen Wirtschaftsmodells mit Schwerpunkt Zentral- und Osteuropa. Als "Tipping Point Talk 04: AUDACITY" fügte sich diese Veranstaltung in die Reihe "Tipping Point Talks 2019" der ERSTE Stiftung ein, die von Verena Ringler kuratiert wird. Bisherige Redner in der Reihe waren der Politikwissenschafter Francis Fukuyama, der Historiker Timothy Snyder sowie die IT Governance-Expertin Marietje Schaake.

Boris Marte, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der ERSTE Stiftung, würdigte in seinen Begrüßungsworten den Redner: "Ihre Arbeit hat uns sehr inspiriert. Wenn Sie über Afrika schreiben und sprechen, meinen Sie auch Europa und die großen Herausforderungen, vor denen wir stehen. Damit appellieren Sie an uns, dass wir uns Europas kolonialer Vergangenheit stellen, zuhören, lernen, und unsere Einstellungen und unser Handeln verändern." Felwine Sarr, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Gaston Berger Universität in Saint-Louis, plädierte in seiner Rede dafür, dass wir aus den Potenzialen der Realität mehr Utopien schaffen sollten: "Ökonomisches Handeln ist Teil der Gesellschaft und nicht von dieser losgelöst. Die Kategorien Arbeit, Austausch auf Märkten und Zweck von Wirtschaften sollten wir grundsätzlich überdenken, denn das aktuelle System ist nicht nachhaltig. Der aktuelle globale wirtschaftliche Austausch scheitert daran, die Wohlstandszuwächse fair zu verteilen." Für Sarr sei das eine moralische Grundsatzfrage, es gehe darum Diversität und andere Produktions- und Wirtschaftsformen gleichberechtigt anzuerkennen. Am Beispiel seiner eigenen Mutter, die sich zuhause um die Familie gekümmert habe und trotz des Fehlens eines klassischen Einkommens - dank des Eingebettetseins in eine Gemeinschaft wie der Familie - sorgloser gelebt habe, als viele Menschen mit einem geringfügigen Einkommen, illustrierte Sarr, dass die üblichen Maßstäbe für die Berechnung von materieller Sicherheit viele Formen von Wohlstand gar nicht berücksichtigen. "Die Geschichte und Gegenwart Afrikas gibt uns die Gelegenheit neue Formen des Wirtschaftens zu entdecken und durchzusetzen, die wirklich zum Wohlstand von möglichst vielen Menschen beitragen."

Die anschließende Diskussion wurde von Ivan Vejvoda, Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) moderiert. IWM-Rektorin Shalini Randeria, wies gleich zu Beginn auf Parallelen zwischen Sarrs Ausführungen und Mahatma Gandhis Philosophie hin: "Bescheidenheit im Umgang mit Ressourcen, Einschränkungen eigener Konsumbedürfnisse und Wirtschaften in dezentralen Communities – all das wurde im modernen Indien eben nicht verwirklicht." Die Anthropologin betonte auch, dass Phänomene wie Land Grabbing, Privatisierungen von Gütern des Gemeinwohls und unfaire globale Handelsbeziehungen, das rechtliche Regelwerk für geistiges Eigentum und Agrarsubventionen in Milliardenhöhe eine Weiterentwicklung zu einem faireren Wirtschaftssystem verhindern würden.

Gerechtigkeit durch nachhaltige Entwicklung fördern

Die Leiterin des Instituts für Ökologische Ökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien, Sigrid Stagl, betonte "Die Wirtschaftswissenschaft kann viel von den Natur- und Sozialwissenschaften lernen. Das gegenwärtige Wachstumsparadigma mit dem BIP im Zentrum sollte zu einem Konzept von menschlicher Entwicklung innerhalb unserer biologischen und physischen Grenzen weiterentwickelt werden." Stagl verwies darauf, dass uns für die notwendige drastische Reduktion der CO2-Emissionen nicht mehr viel Zeit bliebe, dafür brauche es einen "sozio-ökologischen New Deal". Christoph Badelt, Leiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, ortete innerhalb der Gesellschaft eine Trennlinie zwischen denen, die bestenfalls die Notwendigkeit von Veränderung ahnen , und jenen, die auch bereit sind entsprechend zu handeln. "Wir sollten ein politisches System anstreben, das soziale und ökologische Ziele stärker in Balance mit wirtschaftlichen Wachstumszielen bringt. Dazu brauchen wir in den nächsten Generationen viel mehr Bereitschaft zum Denken in Utopien." Der Ökonom verwies in diesem Zusammenhang auch auf die "Nachhaltigen Entwicklungsziele" und auf Initiativen für mehr Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen, insbesondere im Bereich der unbezahlten Arbeit.

Gerechter Zugang zu Bildung als Grundlage für Selbstbestimmung

Der CEO der Banca Comercială Română (BCR), Sergiu Manea, betonte, dass der ungleiche Zugang zu Bildung die größte Ungerechtigkeit ist, die in heutigen Gesellschaften existiert: "Erst durch Bildung erhalten Menschen die Möglichkeit freie und informierte Entscheidungen zu treffen. Mittel- und langfristig ist das die Antwort für alle Gesellschaften, die zu mehr Wohlstand und echter Inklusion führt." Die aktuellen negativen Zinsen würden jedenfalls für viele Menschen falsche Anreize zum raschen Konsumieren setzen, was nicht nachhaltig sein sein könne. Auch Nikolaus Griller, Vizepräsident der Jungen Industrie und Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Gebauer & Griller Kabelwerke, strich die besondere Rolle von Bildung hervor. Griller ist für zwei Jahre als Fellow der Bildungsinitiative Teach For Austria tätig und unterrichtet als vollwertige Lehrkraft an einer Wiener Mittelschule: "Auch bei uns in Österreich gibt es Ungleichheit im Bildungssystem. Kinder aus einem benachteiligten Umfeld haben einen Startnachteil – hier haben wir Aufholbedarf. Es gibt oft ausreichend Wissen und Willen, aber es fehlen Mut und Kraft für entschlossene Reformschritte. Vor allem das Schulsystem muss sich öffnen, wir verlieren sonst wirtschaftliches und soziales Potenzial."

Der Tipping Point Talk 04 findet in Kooperation mit überMorgen – Der Gesellschaftspolitische Diskurs statt, einem gemeinsamen Projekt der Industriellenvereinigung, des Roten Kreuzes und der ERSTE Stiftung. www.übermorgen.at

Die Clips zu dieser Veranstaltung und den drei weiteren Veranstaltungen dieser Reihe sind dauerhaft via http://www.erstestiftung.org/de/200/ abrufbar. Die Tipping Point Talks sind der Beitrag der ERSTE Stiftung zum Jubiläum "200 Jahre Sparkassen" im Jahr 2019.

Über die ERSTE Stiftung:

Als Hauptaktionärin der Erste Group sichert die ERSTE Stiftung die unabhängige Zukunft eines der größten Finanzdienstleister in Zentral-, Ost- und Südosteuropa. Als österreichische Sparkassenstiftung engagiert sich die Stiftung für das Gemeinwohl und investiert Teile ihrer Dividende in die Region, in der die Erste Group tätig ist. Wir stärken die Zivilgesellschaft, investieren in soziale Innovation und fördern zeitgenössische Kultur in Europa. www.erstestiftung.org

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Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
   Tipping Point Talks Kommunikation 
   Thomas Goiser 
   +43 664 2410268 
   thomas@goiser.at 
   
   ERSTE Stiftung Kommunikation 
   Maribel Königer 
   +43 664 8385341 
   maribel.koeniger@erstestiftung.org

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/15695/aom

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