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"Culture Wars": Kehrt die Religion auf die politische Agenda zurück?

04.02.2019

Die Bruchlinien in Europas Gesellschaften entstehen kaum mehr an nationalen Grenzen, sondern in Wertefragen. Religion kehrt zurück auf die politische Agenda und zwischen Traditionalist/innen kommt es zu neuen Allianzen über parteipolitische und konfessionelle Grenzen hinweg. Eine Konferenz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften untersucht am 7. und 8. Februar die Gründe und Auswirkungen dieser weltweit beobachtbaren Tendenz.

Seit einigen Jahren werden gesellschaftliche Kontroversen mit zunehmender Vehemenz ausgetragen. Immer öfter ist die Rede von einer gesellschaftlichen Polarisierung, die von populistischen Parteien und sozialen Medien befeuert wird. Mittlerweile steht sogar die liberale Demokratie auf dem Prüfstand, nicht nur in Polen und Ungarn, sondern auch in Trumps USA und vielen Ländern Europas.

Das Neue dabei: Die Politik beruft sich wieder auf die Religion. Die Forderung, Abtreibung mit Mord gleichzusetzen, aber auch die Ablehnung Homosexueller und von Minderheiten sowie ein Beibehalten patriarchaler Strukturen hallen dabei vor allem aus dem Eck der russisch-orthodoxen Kirche, die seit dem Ende der Sowjetunion wieder an Einfluss gewann. Die "christlichen Werte" müssten geschützt werden, propagieren Konservative in Russland, Polen und anderen Ländern im Osten Europas. Die Kirche bedient sich der Politik, um wieder gehört zu werden, die Politik bedient sich der Kirche, um bestehende Wähler/innen zu erreichen oder neue zu gewinnen.

Weltweite Werte-Kontroversen unter dem Schein der Heiligkeit

Doch auch in Mittel- und Westeuropa mischen sich zusehends religiöse Argumentationen in brisante Wertedebatten. Hier berufen sich vor allem rechtspopulistische Parteien auf traditionelle Werte, die teils konträr zu liberalen Gesellschaften stehen. Antiliberale Traditionalist/innen vernetzen sich über Sprach- und Konfessionsgrenzen hinweg und tragen ihre religiöse und politische Agenda in den gesellschaftlichen Diskurs und in internationale Institutionen.

Das ist die zentrale Erkenntnis des 2016 gestarteten Forschungsprojekts "Postsecular Conflicts" an der Universität Innsbruck, das auf insgesamt fünf Jahre angesetzt ist und bei einer Midterm-Conference in Kooperation mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien vom 7. bis 8. Februar nun eine Halbzeit-Bilanz zieht. Auf der international besetzten Liste von Redner/innen findet sich auch James Davison Hunter von der University of Virginia, der mit seinem Anfang der 1990er Jahre erschienenen Werk "Culture Wars: The Struggle to define America" nachhaltig für Aufsehen sorgte. Knapp drei Jahrzehnte später erneuert der US-Soziologe seine Thesen im Licht der aktuellen politischen Lage.

Öffentliche Podiumsdiskussion: Kulturkrieg in Europa?

Hunter zählt auch zu den Teilnehmer/innen einer am 7. Februar um 18 Uhr an der ÖAW organisierten Podiumsdiskussion zum Thema "European Culture Wars?" Mit ihm diskutieren Olivier Roy (European University Institute Florence), Susanna Mancini (University of Bologna) und Ivan Vejvoda (Institut für die Wissenschaften vom Menschen). Moderiert wird die Diskussion von Kristina Stöckl, Leiterin des Forschungsprojekts "Postsecular Conflicts" an der Universität Innsbruck und Mitglied der Jungen Akademie der ÖAW.

TERMINE

Podiumsdiskussion: European Culture Wars?

Zeit: Donnerstag, 7. Februar 2019 um 18 Uhr

Ort: Österreichische Akademie der Wissenschaften, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien

Konferenz: Postsecular Conflicts

Zeit: Donnerstag, 7. Februar 2019 und Freitag, 8. Februar 2019, jeweils ab 9 Uhr

Ort: Hotel Strudlhof, Pasteurgasse 1, 1090 Wien

WEITERE INFORMATIONEN

Informationen zum Forschungsprojekt "Postsecular Conflicts" und das ausführliche Programm der Konferenz finden sich hier.

Rückfragehinweis
 
Sven Hartwig
Leiter Öffentlichkeit & Kommunikation
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
T +43 1 51581-1331
sven.hartwig@oeaw.ac.at
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