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DNA-Untersuchungen belegten europäischen Ursprung der Philister

04.07.2019

Die Philister, die Gegenspieler der Israeliten im Alten Testament, stammten ursprünglich aus Europa. Zu dieser Erkenntnis kamen Wissenschafter vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena mittels genetischer Untersuchungen von Knochenfunden aus Israel, so das Magazin "Science Advances". Es ist das erste Mal, dass wissenschaftliche Belege für diese Theorie vorliegen.

Im Alten Testament werden die Philister als erbitterte Feinde der Hebräer dargestellt. Der Riese Goliath, der im Buch Samuel dem jungen König David mit seiner Steinschleuder im Zweikampf unterliegt, ist ihr wohl prominentester Vertreter. Nicht nur den Hebräern, auch anderen Völkern der Region galten die Philister über Jahrhunderte als Eindringlinge.

Migration bisher unbewiesen

Das Volk Goliaths taucht in antiken Quellen ab dem zwölften Jahrhundert vor Christus im Gebiet des historischen Palästina auf, wo es sich in mehreren Küstenstädten niedergelassen hat. In biblischen und altägyptischen Texten werden die Philister als "Seevolk" beschrieben. Ihr architektonischer Stil und ihre Keramikkunst weisen Einflüsse aus der Ägäis auf, doch war unklar, ob sie tatsächlich von dort stammten.

Dass die Philister überhaupt von andernorts zugewandert waren, sei bisher nie wissenschaftlich belegt worden, sagt der Archäologe Daniel Master. Seit Jahren leitet Master Ausgrabungen im israelischen Aschkelon, einer der antiken Städte der Philister. 2013 entdeckten er und sein Team dort einen Friedhof der Philister, der eine Fülle an genetischen Proben lieferte.

Aufschluss über die Herkunft der Philister gaben die Funde zunächst nicht. Neue Erkenntnisse seien erst dank technologischer Entwicklungen auf dem Gebiet der Genetik möglich gewesen, sagte Michal Feldman, Expertin für Archäogenetik am Jenaer Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte.

DNA-Vergleich brachte Erkenntnis

Mithilfe neuer Verfahren für die Sequenzierung und Anreicherung von DNA-Material verglichen die Forscher die aus der Eisenzeit stammenden Knochen mit älteren, bronzezeitlichen Funden aus derselben Gegend. Das Ergebnis: Die Philister - ein Volk der Eisenzeit - verfügten in ihrem Erbmaterial über einen genetischen Bestandteil, der bei den bronzezeitlichen Völkern, die vorher in der Gegend gelebt hatten, nicht vorkam.

"Und dieser Bestandteil scheint aus Europa zu stammen", sagte Feldman weiter. Ihr zufolge ist das eine "außerordentliche" Erkenntnis, die belege, dass die Philister etwa 1200 vor Christus als "Einwanderer in diese Region" kamen. An dieser Frage hätten Archäologen weltweit seit 150 Jahren gearbeitet.

Der Ursprung des Volks des Riesen Goliath lasse sich nun nach "Europa und wahrscheinlich Südeuropa" zurückverfolgen. Eine genauere Bestimmung ließen die vorliegenden Daten allerdings nicht zu, schränkte Feldman ein. Auch lägen die genauen Gründe für die Wanderung der Philister weiterhin im Dunkeln. Allerdings unterstrichen die neuen Erkenntnisse Vermutungen, dass ein Klimawechsel Völker entlang des östlichen Mittelmeers und damit auch die Philister zur Auswanderung gezwungen habe.

Die Philister wurden im sechsten Jahrhundert vor Christus durch die Babylonier ausgelöscht. Die Erinnerung an das Volk lebt aber bis heute im Namen der Region weiter: Im Laufe der Jahrhunderte wurde aus "Philister" der geographische Begriff "Palästina".

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