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(v.l.n.r.): Bastian Obermayer und Frederik Obermaier © APA (OTS/Stephanie Füssenich)
(v.l.n.r.): Bastian Obermayer und Frederik Obermaier © APA (OTS/Stephanie Füssenich)

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Die Ibiza-Aufklärer lehren an der Universität Wien

13.11.2019

Bastian Obermayer und Frederik Obermaier übernehmen die Theodor Herzl-Dozentur für Poetik des Journalismus 2019 am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien.

Bekannt wurden die Aufdeckungsjournalisten der Süddeutschen Zeitung in Österreich besonders für ihre Recherchen, die die letzte österreichische Bundesregierung zu Fall brachten.

Bastian Obermayer und Frederik Obermaier, preisgekrönte Investigativjournalisten der Süddeutschen Zeitung, werden zum Thema "Enthüllungsjournalismus - was steckt dahinter?" sprechen.

Dabei werden sie in drei aufeinanderfolgenden Vorlesungen (02.12., 09.12. und 16.12.) die folgenden Themen behandeln:

* Geleakt oder gelenkt - Wie man mit anonymen Whistleblowern, überbordenden Leaks und interessengeleiteten Informanten umgeht

* Gemeinsam stark - Chancen und Grenzen kollaborativer Recherchen

* Im Visier - Legale und illegale Angriffe auf investigative

Recherchen, und wie man sich davor schützt

"Wir freuen uns ganz besonders, dass mit Bastian Obermayer und Frederik Obermaier zwei der derzeit renommiertesten investigativen Journalisten im Rahmen der Theodor Herzl-Dozentur über ihre Arbeit sprechen, " so Folker Hanusch, Journalismus-Professor und diesjähriger Leiter der Theodor Herzl-Dozentur. Hanusch betont die Rolle von professionellem Journalismus, der gerade im investigativen Bereich genaueste Recherche zu den kursierenden Informationen verlangt, die wie zum Beispiel bei den Panama und Paradise Papers die Zusammenarbeit mehrerer Redaktionen erfordert hat. Hanusch weiter: "In Zeiten, in denen Politik und Wirtschaft immer mehr versuchen, Journalismus zu umgehen, zeigen Obermayer und Obermaier wie wichtig es ist, dass Journalismus die Mächtigen kontrolliert und hinterfragt."

"Wir veröffentlichten nur Geschichten, die eine gesellschaftliche Relevanz haben," so Bastian Obermayer in einem Interview mit dem Falter. Es wäre auch wichtig, nicht außer Acht zu lassen, dass die Informationsquellen auch Eigeninteressen haben können, die die Richtung der Berichterstattung beeinflussen können. Außerdem sind die Whistle-Blower normalerweise durch das Redaktionsgeheimnis geschützt. Frederick Obermaier im selben Interview: "Wir sind Journalisten und nicht der verlängerte Arm der Staatsanwaltschaft. Ermittlungsbehörden haben ja mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die Möglichkeit, Daten zu beschaffen."

Vielfach ausgezeichnete Aufdecker

Bastian Obermayer ist seit 2012 im Investigativressort der Süddeutschen Zeitung tätig, und dort seit 2018 Ressortleiter. Frederik Obermaier arbeitet seit 2012 für die Süddeutsche Zeitung und ist derzeit Leitender Redakteur im Ressort Investigative Recherche. Beide sind Mitglieder im Netzwerk Recherche und im International Consortium of Investigative Journalists. Sie initiierten und koordinierten die internationalen Rechercheprojekte Panama und Paradise Papers, für die sie unter anderem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und zusammen mit Vanessa Wormer zu Deutschlands "Journalisten des Jahres 2016" gewählt wurden. Die beiden Journalisten waren maßgeblich an den Enthüllungen zur "Ibiza-Affäre" beteiligt. Bastian Obermayer und Frederik Obermaier haben weitere zahlreiche Preise für ihre journalistische Arbeit erhalten, unter anderem den Otto-Brenner-Preis (2016), den Helmut-Schmidt-Preis (2013), den deutschen Journalistenpreis (2015), sowie den Henri-Nannen-Preis (2017).

In der Begründung zur Auszeichnung zu den "Journalisten des Jahres 2016" hieß es unter anderem: "Mit den Panama Papers deckten sie im Frühjahr 2016 die Machenschaften dubioser Briefkastenfirmen und ihrer Kunden auf. Diese Arbeit ist ein Musterbeispiel für kollaborativen Journalismus, der über Medien- und Ländergrenzen hinweg komplexe Themen bearbeitet, Dunkelzonen aufhellt und Erkenntnisprozesse anstoßen kann. Das SZ-Team ließ sich nicht von der komplizierten Datenfülle schrecken und bewies eindrucksvoll, was beharrliche, akribische journalistische Recherchen leisten können – Aufklärung im besten Sinne."

Die Theodor Herzl Dozentur

Die Theodor Herzl-Dozentur ist nach dem großen Wiener Journalisten Theodor Herzl benannt, sie wurde 2000 vom mittlerweile emeritierten Univ. Prof. Dr. Wolfgang R. Langenbucher am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien begründet und ab 2008 bis zu seinem Tod 2014 von Univ. Prof. Dr. Hannes Haas geleitet. Von Beginn an wurde die Vortragsreihe von der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) gefördert.

Folker Hanusch, Journalismusprofessor am Publizistik-Institut, leitet seit 2016 zusammen mit Sophie Lecheler, Professorin für politische Kommunikation an selbigem Institut, die Theodor Herzl-Dozentur. Für beide ist die "Dozentur ein wichtiger Beitrag zur Diskussion über den Stellenwert von Journalismus in der Gesellschaft und wie herausragende Leistungen unter den Rahmenbedingungen erbracht werden können".

Die Poetik des Journalismus analysiert journalistische Werke, die Bedingungen ihrer Entstehung, die Methoden und Verfahren, die Kontexte und Herstellungsprozesse. Darüber und über ihre Position, ihre Arbeitsweisen und ihren Zugang zum Journalismus sprechen die Journalistinnen und Journalisten in ihren Vorträgen.

Die Dozentur versteht sich als Teil einer langen und internationalen universitären Tradition, die in den Bereichen von Musik, Literatur und Kunst selbstverständlich geworden ist: wichtige Journalistinnen bzw. Journalisten reflektieren in Gastvorlesungen ihre Arbeiten, deren Voraussetzungen und Rahmenbedingungen. Journalismus wird dabei als eine gesellschaftliche Leistung verstanden, deren Vielfältigkeit und schöpferische Qualitäten thematisiert werden sollen.

Die bisherigen Theodor Herzl-DozentInnen waren: Margrit Sprecher, Kai Hermann, Herbert Riehl-Heyse, Peter Huemer, Luc Jochimsen, Klaus Harpprecht, Gerhard Kromschröder, Sibylle Hamann, Antonia Rados, Alice Schwarzer, Florian Klenk, Heribert Prantl, Armin Wolf, Alexandra Föderl-Schmid, Andreas Koller, Anja Reschke und Eva Linsinger. Ihre Vorlesungen sind im Picus-Verlag veröffentlicht worden.

Termine und Ort der Theodor Herzl-Dozentur für Poetik des Journalismus:

* Jeweils Montag, den 2., 9., und 16. Dezember 2019

* von 11:30 bis 13:00 Uhr

* im Audimax der Universität Wien,

* Universitätsring 1, 1010 Wien

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
   Martina Winkler: 01 – 4277 – 49330
   Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien
   A – 1090 Wien, Währinger Strasse 29
   E- Mail: martina.winkler@univie.ac.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/1084/aom

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