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Bisher wurden u.a. 91 Münzen gefunden © APA (Kolb)
Bisher wurden u.a. 91 Münzen gefunden © APA (Kolb)

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"Die Römer am Schöckl": Münze aus Syrien und Scherben aus Graz

22.07.2020

Hausberg, Ausflugsziel, Paragleiterstartplatz - und nun auch archäologische Grabungsstätte. Am Schöckl (1.445 Meter) im Grazer Bergland wird seit 2015 gegraben, die Funde und Erkenntnisse zu dem römischen Höhenheiligtum werden in einer Sonderschau im Archäologiemuseum im Schlosspark Eggenberg in Graz präsentiert. "Die Funde mussten wir dem Berg ziemlich abkämpfen", so Kurator Manfred Lehner.

Bei den Grabungsarbeiten kam es laut Univ.-Prof. Lehner gelegentlich auch zu komischen Erlebnissen. So herrschte einige Aufregung, als in einem Haufen von römischen Scherben ein einwandfrei mittelalterlicher Tonrest identifiziert wurde. Des Rätsels Lösung: Der Flugsportverein, der einen Bereich beim Ostgipfel als Paragleiterstartplatz nutzt, hatte zum Planieren des Geländes Aushub aus Graz verwendet - von der Baustelle zur Errichtung des Parkhauses des Innenstadtkaufhauses Kastner & Öhler.

Kultgebäude, Münzen und Opfergaben

Nachgewiesen wurden bisher ein Kultgebäude und Hunderte Münzen und Opfergaben. Allerdings ist nicht bekannt, welchen Göttern genau geopfert wurde. Es dürfte sich jedoch um den ganzen römischen Kanon gehandelt haben, so die Archäologen. Eine auffällige Häufung von Funden habe es im Bereich einer Doline beim Ostgipfel gegeben, in dessen Nähe sich auch ein 11 mal 10 Meter großes Kultgebäude befand, dessen Grundrisse teils freigelegt werden konnten. Schon in damaliger Zeit - zwischen 270 und 230 nach Christus - dürfte der Plateaugipfel frei von Bewaldung gewesen sein. Bei entsprechendem Wetter reicht der Blick von hier bis zum slowenischen Triglav oder den Bergen nördlich von Zagreb - was laut Archäolohen auch ein Grund für die Wahl des Ortes gewesen sein dürfte. Um den Schöckl damals zu besteigen, brauchte man gut und gerne einen Tag.

Gefunden wurden bisher 91 Münzen aus der Zeit der Kaiser Titus (79 bis 81 n. Chr.) bzw. Constantinus II. (337 bis 361 n. Chr.). Eine "nahezu prägefrische" silberne Tetradrachme (215 bis 217) hat es den Wissenschaftern besonders angetan: "Sie stammt aus der Stadt Emesa, dem heutigen Homs in Syrien. Es ist durchaus möglich, dass ein Soldat die Münze mitbrachte und am Berg opferte", sagte Karl Peitler, Leiter der Abteilung Archäologie und des Münzkabinett im Schloß Eggenberg. Die Römer pflegten ihre Legionen und teils auch ihre Hilfstruppen nach einiger Zeit vom einen Ende des Riesenreiches ans andere zu verlegen. Bemerkenswert ist eine "stark weibliche Komponente" am Fundplatz, nämlich Fragmente von Tonstatuetten, die Muttergottheiten im Sitzen darstellen.

Hexen- und Raketenstartplatz

Der zweite Teil der Sonderausstellung befasst sich mit moderneren Aspekten des Mons Sekkel - wie er im Mittelalter in der Gründungsurkunde des Klosters Seckau genannt wurde. Da war der Schöckl Raketenstartplatz, trigomometrischer Messpunkt, Hexenplatz - es ist noch nicht so lange her, da bezeichnete man im Großraum Graz eine ungepflegte Frauensperson als Schöcklhex'. Der römische Name des Schöckl ist leider nicht überliefert. Eine Zeit lang habe man angenommen, es wurde Mons Gesacus genannt: "Aber von dem Berg wissen wir mittlerweile, dass er in Thrakien liegt", so Manfred Lehner.

Service: Nähere Info unter http://www.archaeologiemuseum.at abrufbar. Eröffnung 23.7.2020 um 19.00 Uhr, Dauer bis 31.10.2020

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