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Ther: "Liberale Demokratie muss Kante zeigen" © APA (Neubauer)
Ther: "Liberale Demokratie muss Kante zeigen" © APA (Neubauer)

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Diskussionsreihe "Apropos Gegenwart": Philipp Ther erster Gast

07.10.2019

Wittgenstein-Preisträger Philipp Ther ist heute, Montag, der erste Gast in der neuen Burgtheater-Diskussionsreihe "Apropos Gegenwart" im Kasino am Schwarzenbergplatz. Im monatlichen Wechsel werden die Wiener Philosophin Isolde Charim und die Berliner Schriftstellerin Sasha Marianna Salzmann interessante Gesprächspartner zum Dialog empfangen.

"Das Ziel: Klartext zu aktuellen gesellschaftlichen Themen", heißt es in der Ankündigung. Zum Auftakt spricht Charim mit dem 52-jährigen, im Vorarlberger Kleinwalsertal geborenen Historiker Ther eine Woche nach der Nationalratswahl "über die jüngsten politischen Entwicklungen in Österreich und ihre Bedeutung für Europa". Da trifft es sich gut, dass der Professor für Geschichte Ostmitteleuropas an der Universität Wien, der zuletzt Gastprofessor an der New York University war, soeben ein neues Buch veröffentlicht hat, in dem die weltpolitischen Ereignisse seit 1989 bis hinauf in die Gegenwart analysiert werden.

Karl Polanyi als Ausgangspunkt

In "Das andere Ende der Geschichte. Über die Große Transformation" nimmt Ther das 1944 erschienene Buch "The Great Transformation", das Hauptwerk des in Wien geborenen und in die USA ausgewanderten Wirtschafts- und Sozialwissenschafters Karl Polanyi (1886-1964), zum Ausgangspunkt seiner Untersuchungen der wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in Österreich und Deutschland, Polen und Ungarn, Italien und der Türkei, Russland und der USA seit dem Wendejahr. Dabei kommt auch die von Ther konstatierte "polanyische Pendelbewegung nach rechts" der vergangenen Jahre ausführlich zur Sprache.

Thers Buch ist von erstaunlicher Aktualität, nicht nur, weil der Historiker sogar noch die Ibiza-Affäre einbeziehen konnte. In seiner Analyse findet Ther deutliche Worte. Es käme stark darauf an, "wie sich der sogenannte Mainstream und die konservativen Parteien zum Rechtspopulismus stellen. Angesichts dieser Bedrohungen muss die liberale Demokratie wieder mehr Kante zeigen." Doch Ther machen noch andere Entwicklungen Sorgen. "Das 'Ende der Geschichte' wurde ohne Blick auf die Endlichkeit der Ressourcen der Erde und die bereits damals nachweisbare Veränderung des Klimas konstatiert", schreibt er. Aufgrund der zunehmenden Erderwärmung "müssen wir uns vor Augen führen, dass die Geschichte nicht nur weitergeht, sondern sich in eine irreversible Richtung bewegt. Angesichts dessen bedeutet der Aufstieg der Rechtspopulisten, deren Haltung zum Klimawandel nur allzu gut dokumentiert ist, vor allem eins: verlorene Zeit. Es eilt, sonst steht der Menschheit und ganz konkret uns und unseren Kindern noch eine ganz andere Große Transformation bevor."

Der zweite Termin der Reihe "Apropos Gegenwart" findet am 11. November statt: Sasha Marianna Salzmann spricht mit dem Historiker und Autor Doron Rabinovici.

Service: "Apropos Gegenwart": Philipp Ther im Gespräch mit Isolde Charim, 7. Oktober, 20 Uhr im Kasino am Schwarzenbergplatz; Philipp Ther: "Das andere Ende der Geschichte. Über die Große Transformation", edition suhrkamp 2744, Taschenbuch, 200 Seiten, 16,50 Euro

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