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EU-Wahl - Studie: Deutsche Wahlprogramme für Laien oft unverständlich

17.05.2019

Von der "Luftschadstoffqualitätsbestimmung" bis zum "Think-Small-First-Prinzip": Die Wahlprogramme der deutschen Parteien zur Europawahl sind für viele Laien unverständlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Freitag veröffentlichte Analyse von Kommunikationswissenschaftlern der Universität Hohenheim in Stuttgart. Die Programme sind immerhin verständlicher als jene bei der ersten Europawahl 1979.

Für die Untersuchung fahndeten die Wissenschaftler um Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim mit einer Analysesoftware in den Wahlprogrammen unter anderem nach überlangen Sätzen, Fachbegriffen, Fremdwörtern und zusammengesetzten Wörtern. Anhand dieser Merkmale bilden sie den "Hohenheimer Verständlichkeitsindex" - er reicht von null für schwer verständlich bis 20 für leicht verständlich.

Die Auswertung ergab, dass die Verständlichkeit der Europawahlprogramme mit 8,1 Punkten im Vergleich zu 2014 leicht sank - vor fünf Jahren lag der Mittelwert bei 8,5 Punkten. Auch ist sie niedriger als bei der Bundestagswahl 2017 (9,1 Punkte). Im Vergleich zur ersten Europawahl vor 40 Jahren ist allerdings ein Anstieg zu verzeichnen. Die Programme erreichten damals eine durchschnittliche Verständlichkeit von nur 7,3 Punkten.

"Aber die 8,1 Punkte sind immer noch enttäuschend", resümmierte Brettschneider. "Denn alle Parteien haben sich in den letzten Jahren Transparenz und Bürgernähe auf ihre Fahne geschrieben - mit ihren teilweise schwer verdaulichen Wahlprogrammen schließen sie jedoch einen erheblichen Teil der Wähler aus und verpassen damit eine kommunikative Chance."

In der Analyse schnitt das Programm von CDU/CSU mit einem Wert von 10,3 am besten ab. Die Linke (9,5) liegt auf Rang zwei vor der SPD (8,2), den Grünen (7,7) und der AfD (6,6). Am unverständlichsten ist den Forschern zufolge das Programm der FDP (6,2). "Damit ist das Programm der FDP nur wenig verständlicher als eine politikwissenschaftliche Doktorarbeit", erklärte Brettschneider.

Bei der Untersuchung fanden die Wissenschaftler in den Wahlprogrammen zahlreiche Fremd- und Fachwörter, die für Leser ohne politisches Fachwissen eine große Verständlichkeitshürde darstellen. Dazu zählen "Seigniorage-Programme" (AfD), "Flexicurity" (Linke), "Power-to-X" (FDP) und "Notice-and-take-down-Verfahren" (Grüne). Einen ähnlichen Effekt hätten Wortzusammensetzungen oder Nominalisierungen, erläuterte Brettschneider. Einfache Begriffe würden so zu Wortungetümen wie "Folgenbeseitigungsverfügungen" (SPD) oder "Fingerabdruckidentifizierungssystem" (CDU/CSU).

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