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Hans Hass in Taucherausrüstung mit Kamera © APA (dpa)
Hans Hass in Taucherausrüstung mit Kamera © APA (dpa)

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"Ein Leben lang auf Expedition": Tauchpionier Hans Hass wäre 100

17.01.2019

Mit Filmen wie "Abenteuer im Roten Meer" (1951) brachte Hans Hass (1919-2013) in der Nachkriegszeit einem breiten Publikum die Meereswelt näher und eröffnete ihm als einer der letzten großen Naturforscher des vergangenen Jahrhunderts ein unbekanntes Universum. Am 23.1. wäre der Unterwasserpionier 100 Jahre alt geworden.

"Ein Leben lang auf Expedition", so der Titel einer Biografie von Michael Jung, war zugleich auch das Credo des promovierten Zoologen: "Ich war und bin stets auf der Suche nach dem Neuen, nach Dingen, die andere nicht machen", sagte Hass einmal. Durch seine zum Großteil selbst finanzierten Forschungsreisen wurde er zur Legende. Mehrere Kinofilme und viele Vorträge auf der ganzen Welt spielten die Kosten u.a. für zwei Expeditionen mit seinem aufwendig und eigens für wissenschaftliche Zwecke adaptierten Schoner "Xarifa" ein. Von Anfang an mit von der Partie war seine Assistentin und spätere Frau Lotte Baierl.

Weltreise durch die Weltmeere

Die Reisen führten Hass und seine Crews in die Ägäis, ins Rote Meer, nach Polynesien, Australien, zu den Galapagos Inseln und in den Indischen Ozean. Neben prämierten Kino- und TV-Filmen entstanden aus diesen Forschungsreisen zahlreiche Bücher. Mit Irenäus Eibl-Eibesfeldt (1928-2018), der als junger Wissenschafter an Hass' Reisen teilnahm, schrieb er "Neue Wege der Humanethologie" (1967). Die beiden haben sich auch für die "Ehrenrettung" des zur "mörderischen Bestie" stilisierten Hais eingesetzt. Nach Hass wurde eine 1959 bei den Malediven entdeckte neue Röhrenaal-Art benannt ("Xarifania hassi", heute "Heteroconger hassi").

Nach 1960 und dem Verkauf der "Xarifa" hat sich Hass der Theoretischen Biologie zugewandt. Er interessierte sich für die Evolution des Lebens, die Entstehung des Menschen, seiner Wirtschaftsformen und staatlichen Organisation. In seiner "Energontheorie" spielt die Energie die Hauptrolle. Demnach kann ein Organismus nur dann überleben, wenn er mehr Energie aufnimmt als verbraucht. Das Gleiche gelte auch für vom Menschen geschaffene Einheiten, etwa Wirtschaftsbetriebe, postulierte er.

Harpune gegen Kamera eingetauscht

Der am 23. Jänner 1919 als Sohn eines Anwalts geborene Hass sollte ursprünglich beruflich seinem Vater folgen, brach nach zwei Semestern aber das Jus-Studium ab und sattelte auf Zoologie um. Bis zur Promotion an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität 1943 hatte Hass schon mehrere Bücher verfasst, darunter "Jagd unter Wasser mit Harpune und Kamera" (1939) und "Unter Korallen und Haien" (1941).

Hass begann 1937 an der französischen Riviera mit dem Tauchen, mit einer einfachen Taucherbrille und einer Harpune zur Fischjagd. Schon bald tauschte er die Harpune gegen die Kamera ein: Ein Wiener Kunstschlosser hatte nach seinen Anweisungen eine Hülle für seine erste Unterwasserkamera angefertigt. Bald entwickelte er ein Tauchgerät und konnte 1941 damit erstmals länger unter Wasser bleiben. Im Gegensatz zu seinem ewigen Konkurrenten, dem Franzosen Jacques-Yves Cousteau, der Pressluft-Geräte entwickelte, versuchte sich Hass an geschlossenen Sauerstoff-Kreislauf-Geräten. Völlig geräuschlos konnte er sich so den Fischen nähern, um sie zu fotografieren.

Kämpfer für die Umwelt

In den späteren Jahren entwickelte sich Hass zum Kämpfer gegen die Umweltzerstörung. Er wandte sich in einem Manifest an alle Sporttaucher gegen die Unterwasserjagd, die er einst selbst betrieben hatte. Die Popularität des Sports sah er aber positiv, denn Taucher hätten in der Regel ein hohes Maß an Umweltbewusstsein.

Unter den zahlreichen Ehrungen für Hass sticht das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (1998) heraus, das mit der Aufnahme in die Kurie für Wissenschaft verbunden ist. Hass war zudem Träger des Konrad-Lorenz-Staatspreises (1999) und wurde 2000 gemeinsam mit seiner Frau Lotte in die "International Scuba Diving Hall of Fame" aufgenommen.

Auf den Forscher geht auch das Hans-Hass-Institut für Submarine Forschung und Tauchtechnik (HIST) zurück: Es wurde am 1. Dezember 2000 in Nachfolge des 1947 von Hass errichteten "Internationalen Instituts für Submarine Forschung IISF" gegründet. Dessen Leiter, Michael Jung, hat anlässlich des 100. Geburtstags eine neue Biografie des Tauchpioniers herausgegeben ("Schritte ins Niemandsland - Neue Einblicke in Leben und Werk des Naturforschers Hans Hass").

NHM arbeitet Vorlass auf

Der ORF widmet Hans Hass einen Programmschwerpunkt von 17. bis 25. Jänner, vorwiegend auf ORF III. Gezeigt werden zahlreiche Unterwasser-Dokumentationen von und über den Naturforscher, darunter auch frühe Werke von Hass wie "Menschen unter Haien" aus dem Jahr 1942 (24.1., 15.35 Uhr), seinen Welterfolg "Unternehmen Xarifa" (24.1., 14.05 Uhr) und ein vom Naturfilmer Erich Pröll gestaltetes neues TV-Porträt (24.1., 20.15 Uhr). Der Radiosender Ö1 sendet am 23. Jänner um 19.05 Uhr den Beitrag "Auf Tauchgang zu einer Legende".

Zum 100er gibt es mit "Exploring Hans Hass" eine weitere neue Filmdoku von Oliver Bruck (Postl Film Graz). Eine Preview wird am 23. Jänner im Aquazoo Düsseldorf bei einem dort stattfindenden "Hans Hass-Symposium" gezeigt. In Wien, wo seit dem Vorjahr ein Hans-Hass-Park in Kaisermühlen an den Tauchpionier erinnert, wird der Film am 24. Jänner im Metro-Kinokulturhaus in Wien zu sehen sein. Eine gekürzte Fassung ist am 18.1., 22:15 Uhr, in Servus-TV zu sehen, im Frühjahr soll der Film in die Kinos kommen.

Hass hatte zu Lebzeiten seinen Vorlass dem Naturhistorischen Museum (NHM) geschenkt. Dutzende Kisten mit Filmen, Videos, Tonbändern, Notizbüchern, Zeichnungen, Zeitungsausschnitten und Fotos von Hass und seiner Frau werden seither im NHM aufgearbeitet, wo auch der Hai-Saal nach dem Tauchpionier benannt ist und sich eine Vitrine mit seinem Leben und Werk beschäftigt. Nach dem Tod von Lotte Hass im Jahr 2015 kamen weitere persönliche Gegenstände des Ehepaars in das NHM.

Service: https://www.hans-hass.org/; Michael Jung: "Schritte ins Niemandsland - Neue Einblicke in Leben und Werk des Naturforschers Hans Hass"; Verlag Tredition; 232 S.; 28,70 Euro; ISBN: 978-3-7469-8819-1; ORF-Schwerpunkt: http://go.apa.at/I17snYdN; Filmtrailer "Exploring Hans Hass": https://www.exploring-hans-hass.com/

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