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Daten über Geschwisterkinder ausgewertet © APA (dpa)
Daten über Geschwisterkinder ausgewertet © APA (dpa)

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Eltern zeigen "Sammelbild-Verhalten" bei Nachwuchsplanung

10.08.2020

Familien, in denen alle Kinder entweder nur Buben oder nur Mädchen sind, könnten einer Studie zufolge etwas seltener werden. Wie Wissenschafter im Fachblatt "Current Biology" berichten, neigen einige Eltern dazu, so lange Nachwuchs zu bekommen, bis sie Kinder beider Geschlechter haben.

Die Forscher nennen das "Sammelbild-Verhalten" menschlicher Fortpflanzung. Dieses habe in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen und führe dazu, dass die Unterschiede im Geschlechterverhältnis zwischen Familien geringer werden.

Für ihre Untersuchung nutzten die beiden Biologen Jianzhi Zhang und Erping Long von der US-amerikanischen University of Michigan Daten über Geschwisterkinder der UK Biobank. Diese britische Datenbank enthält Informationen von mehreren Hunderttausend Freiwilligen. Dabei ergab die Analyse jener Daten, dass mehr Familien als erwartet Kinder des gleichen Geschlechts hatten. Eine Ausnahme aus den Datenreihen bildeten jedoch die Kinder, die als letztes geboren worden waren. Mit anderen Worten: Haben die Eltern bereits Kinder beider Geschlechter, bekommen sie etwas öfter als andere keinen weiteren Nachwuchs mehr.

Als Erklärung dafür führen Zhang und Long das von ihnen so benannte "Sammelbild-Verhalten" an, das für 3,3 Prozent der untersuchten Familien gelten könnte. Allerdings sei diese Zahl eine vorsichtige und vermutlich zu niedrige Schätzung. Für die Benennung des Phänomens bedienten sich die Biologen eines Begriffs aus der Wahrscheinlichkeitstheorie: Als "Sammelbilderproblem" wird die Frage umschrieben, wie viele Packungen Cornflakes mit darin enthaltenen, zufälligen Sammelbildern oder etwa Päckchen mit Fußballbildchen gekauft werden müssen, um ein Sammelalbum zu vervollständigen. Auf das Fortpflanzungsverhalten übertragen nennen Zhang und Long so die Neigung von Eltern, sich Kinder beider Geschlechter zu wünschen. Dabei sei dieser Wunsch verhältnismäßig neu.

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