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Filmemacher Frederick Baker schuf einen Virtual Reality-Zaubergarten © Frederick Baker
Filmemacher Frederick Baker schuf einen Virtual Reality-Zaubergarten © Frederick Baker

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Experiment: Mit der VR-Brille in "Klimt's Magic Garden"

02.02.2018

Zu einem "fantastischen, virtuellen Ausstellungsexperiment" lädt das MAK: Mit einem Virtual-Reality-Headset lässt sich ein von Klimts Mosaikfries im Speisesaal des Brüssler Palais Stoclet inspirierter Zaubergarten besuchen. Eröffnet wird "Klimt's Magic Garden. A Virtual Reality Experience by Frederick Baker" am kommenden Dienstag (6. Februar), dem 100. Todestag des berühmten Künstlers.

"Es ist eine Forschungsarbeit", betonte der Filmemacher Frederick Baker bei einer Pressevorführung. "Und es bietet nicht nur die Möglichkeit, Klimt neu zu sehen, sondern auch ein neues Medium kennenzulernen." Baker, der seit einigen Jahren an 3D-Filmen und VR-Projekten arbeitet, sieht Virtual Reality als "eine der neuen Kunstformen des 21. Jahrhunderts" und hob hervor, dass die Game Industrie heute größer sei als die Filmindustrie. MAK-Generaldirektor Christoph Thun-Hohenstein verglich den Status mit der Pionierzeit des Films: "Wir sind ganz am Anfang. Die Möglichkeiten sind unendlich."

Damit sich im MAK-Forum bis 22. April jeweils zwei Besucher gleichzeitig eine VR-Brille umschnallen können und mittels Steuerung in der von 3D Graphic Artist Markus Cermak programmierte, Christian Leiss produzierte und dem Komponisten George Taylor mit Sounds angereicherte Fantasylandschaft bewegen können (die anderen Besucher können das Geschehen unterdessen entweder auf je einem Screen verfolgen oder im projizierten "Director's Cut" Frederick Bakers eigenen Weg durch den Garten verfolgen), musste die zur Programmierung notwendige Hard- und Software erst erschwinglich werden. "Früher hat das Millionen Dollar gekostet", so Leiss. Und noch immer sind enorme Rechnerkapazitäten notwendig: "Jeder Pfad ist einzigartig. Das kann man nur hier erleben - nicht im Internet, nicht im Kino und nicht am Smartphone", begeisterte sich Baker über die gehobene "Synergie aus künstlerischer Kreativität und technologischer Innovation".

Wie Eintauchen in die Grafikwelten avancierter Games

Das VR-Erlebnis lässt sich ein wenig mit einem Eintauchen in die Grafikwelten avancierter Games vergleichen - nur ohne Punktestände, Schusswaffengebrauch (auch wenn die roten Steuerungslinien, mit denen man seinen Weg markieren muss, ein wenig an Leuchtspurmunition erinnern) und Gegner. Aber leider auch ohne Elfen, Einhörner und Drachen, die man in dem Gewirr von Klimt-Kringeln und aus Ornamenten geformter Landschaft vermuten würde. Auch keine der vielen Klimt-Musen und -Modelle erwartet einen. Vielleicht kommt das aber auch erst im Next Level. Oder in der Version 2.0.

So staunt man sich alleine durch eine märchenhafte, aber auch recht kitschig wirkende Landschaft, in der ein Tor zu durchschreiten ist, ein Wasserfall auf einen wartet, man sich aber auch unter einen klimtschen Goldregen stellen kann. Ist der individuelle 5-Minuten-Slot vorbei (Thun-Hohenstein: "Man könnte auch eine Stunde drinnen verbringen. Es gibt so viel zu entdecken."), kann man Reproduktionen der in neun Teilen erhaltene Entwurfszeichnungen für den Mosaikfries betrachten (das Original wartet in der "Wien um 1900"-Sammlung des Hauses auf die Besucher), über den laut Thun-Hohenstein nun weiterentwickelten Begriff des Gesamtkunstwerkes nachsinnen, oder sich vorstellen, wie vergleichsweise lächerlich uns vielleicht schon in ein paar Jahren diese ersten Schritte vorkommen werden, ambitionierte Rechner-Technik mit Kunst der vorletzten Jahrhundertwende zu verbinden.

Service: "Klimt's Magic Garden: A Virtual Reality Experience by Frederick Baker" im MAK-Forum im Untergeschoß, 7. Februar - 22. April, Di: 10-22 Uhr, Mi-So: 10-18 Uhr, www.MAK.at

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