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Film und Funk: Jüdisches Museum Wien würdigt Hedy Lamarr

26.11.2019

Ein Superstar wird wiederentdeckt: Die Hollywoodikone Hedy Lamarr, die 1914 als Hedwig Kiesler in Wien geboren wurde, wurde einst als schönste Frau der Welt gehandelt - und gilt inzwischen auch als Miterfinderin des Mobilfunks. Dem turbulenten, filmreifen Leben der Diva, der nicht wirklich ein Happy End vergönnt war, ist nun eine Schau im Jüdischen Museum Wien gewidmet.

Wer die Ausstellung "Lady Bluetooth. Hedy Lamarr" in der Dependance am Judenplatz besucht, ist mit einem Stoff konfrontiert, der auch für mehrere Leben ausreichen würde. Hedwig Kiesler erblickte als Tochter eines jüdischen Bankdirektors das Licht der Welt. Es folgt eine behütete Kindheit und Jugend, der sie insofern entflieht als sie die Schule verlässt und Schauspielerin wird. Schon Max Reinhard ist von dem beeindruckt, das später ihr Markenzeichen werden wird - von ihrem makellosen Gesicht.

Sie zeigt aber auch mehr: 1933 gelang ihr der Durchbruch, nämlich mit der wohl ersten Nacktszene der Mainstreamfilmgeschichte. In der tschechisch-österreichischen Produktion "Ekstase" war sie unbekleidet zu sehen, was international für Aufsehen und Aufregung sorgte. Die im gleichen Jahr geschlossene Ehe mit dem Waffenhändler Fritz Mandl verlief eher unglücklich. 1937 flüchtet sie erneut, vor ihrem Mann und auch vor dem drohenden Nationalsozialismus.

Ihr erster Hollywoodspielfilm "Algiers" macht sie - unter dem neuen Namen Hedy Lamarr - berühmt. Tituliert als "schönste Frau der Welt" mutiert sie zum Leinwand- und Societyweltstar. Auch ihr Privatleben verläuft nicht sonderlich ruhig. Sie ist insgesamt sechs Mal verheiratet. Als der Ruhm verblasst, wird sie Produzentin, wobei sie mit ihrer Firma pleitegeht.

Auszeichnungen für Erfindungen

Später fällt sie durch wenig erfolgreiche Schönheitsoperationen und Ladendiebstähle auf. Sie übersiedelte nach New York und dann nach Florida, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2000 wohnte, und zog sich immer mehr zurück. Dass sie wenige Jahre, bevor sie starb, erneut mit Auszeichnungen bedacht wurde, liegt daran, dass sie auch als Hobbyerfinderin tätig war. Gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil entwickelte sie etwa in den 1940er-Jahren das Frequenzsprungverfahren, das unter anderem als Grundlage für die Bluetooth-Technologie gilt.

Hedy Lamarr beschrieb sich selbst als "einfach komplizierte Person", wie Museumsdirektorin Danielle Spera erläuterte. Der Sohn der Schauspielerin, Anthony Loder, bestätigte dies bei der Präsentation der Schau. Seine Mutter habe genauso "Peitsche wie Rose" sein können. Das große Glück sei ihr aber versagt geblieben. Sie sei oft allein gewesen, trotz ihrer Berühmtheit: "Sie hatte viel Stress, Hedy Lamarr zu sein." Irgendwann habe sie jedoch auch genug davon gehabt, als Schönheit zu gelten.

Seine Mutter habe sich auch stets als Österreicherin gefühlt, berichtete er. Tatsächlich zurückgekehrt ist sie allerdings nur einmal, nämlich zu einem Besuch 1955. Zwar hat sie dem Vernehmen nach oft davon gesprochen, erneut noch einmal nach Wien kommen zu wollen, passiert ist dies jedoch nie - zumindest nicht zu ihren Lebzeiten. Nach ihrem Tod verstreuten ihre Kinder einen Teil ihrer Asche im Wienerwald. Der Rest ist in einem Ehrengrab am Zentralfriedhof bestattet.

Anthony Loder zeigte sich von der von Andrea Winklbauer kuratierten Ausstellung heute höchst angetan. In nur zwei Räumen sei das Leben seiner Mutter umfangreich dargestellt. Zu sehen sind in der Schau zahlreiche Filmplakate, Fotografien und auch Filmausschnitte sowie Originalbriefe. Doch auch persönliche Gegenstände aus dem Nachlass werden gezeigt. So blieb etwa eine Spieldose aus der Kindheit bis heute erhalten. Auch ein Trachtenhut aus späteren Jahren ist mit dabei. Die Deckeninstallation ist übrigens jenen Lochkarten nachempfunden, die den Wechsel der Funkfrequenzen synchronisieren.

Service: "Lady Bluetooth. Hedy Lamarr" vom 27. November 2019 bis 10. Mai 2020 im Museum am Judenplatz. www.jmw.at. In Kooperation mit dem Filmarchiv findet von 12. Dezember bis 7. Jänner 2020 eine Retrospektive mit den Filmen Hedy Lamarrs statt. Bereits im September erschienen ist Michaela Lindingers "Hedy Lamarr. Filmgöttin - Antifaschistin - Erfinderin", Molden Verlag, 256 Seiten, 28 Euro, ISBN 978-3-222-15039-5. Und am 12. Dezember stellt Frank Stern im Filmarchiv sein in der Reihe Edition Filme Geschichte Österreich erschienenes Werk "Hedy Lamarr - Ihre Filme" vor.

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