Kultur & Gesellschaft

APA

Friedenspreisträger Sen: Einsatz für die Armen und Schwachen

19.10.2020

Armut und Reichtum - was ihn lebenslang beruflich beschäftigte, hat Amartya Sen selbst erfahren: 1933 in Westbengalen geboren, erlebte er als Kind die große Hungersnot von 1943. Er habe Tausende sterben sehen, berichtete er einst bei einem Auftritt vor den Vereinten Nationen in New York. Das habe ihn so stark geprägt, dass er den Ursachen solchen Elends wissenschaftlich nachgehen wollte.

Der heute 86-Jährige studierte Wirtschaftswissenschaften in Kolkata (früher Kalkutta) und England. Er lehrte an führenden Universitäten in aller Welt und ist seit 2004 Professor in Harvard. Seine Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt.

Wirtschaftsnobelpreis 1998

Der vierfache Vater ist in dritter Ehe mit der britischen Wirtschaftshistorikerin Emma Georgina Rothschild-Sen verheiratet. Als erster Asiate bekam Sen 1998 den Wirtschaftsnobelpreis verliehen.

Die Schwedische Akademie der Wissenschaften begründete die Wahl mit Sens Arbeiten zur Messung von Armut. Dadurch sei das Verständnis der wirtschaftlichen Mechanismen bei Hungersnöten verbessert worden. Er habe alte Vorstellungen über angeblich "naturbedingte" Ursachen von Hungersnöten überzeugend widerlegt und erkannt, dass in demokratischen Gesellschaften kaum große Hungersnöte entstehen.

"Ich war immer um die wirtschaftlich Schwachen, die Armen, die Hungrigen, die Arbeitslosen und die Verhungernden besorgt", sagte er 1998 in seiner ersten Reaktion nach Verkündung des Nobelpreises. "Wenn man an Armut interessiert ist, kann man das, was in einer Volkswirtschaft oder einer Gesellschaft geschieht, nur beurteilen, wenn man auch auf die Menschen im Abstieg schaut und nicht nur auf die diejenigen, denen es gut geht und die Erfolg haben."

Der Philosoph bekam in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Ehrungen und Preise und Ehrendoktor-Titel und nun auch den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sen habe sich "seit Jahrzehnten mit Fragen der globalen Gerechtigkeit auseinandersetzt", hieß es in der Begründung. Er zeige, "wie Armut, Hunger und Krankheit mit fehlenden freiheitlichen Strukturen zusammenhängen".

Weitere Meldungen Kultur & Gesellschaft
APA
Partnermeldung