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Die Stadt wehrt sich gegen drohenden Einnahmen-Entgang © APA (AFP)
Die Stadt wehrt sich gegen drohenden Einnahmen-Entgang © APA (AFP)

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Gemeinde Rom siegt im Streit mit Kulturminister um Kolosseum

08.06.2017

Die Gemeinde Rom siegt im Streit mit dem italienischen Kulturministerium um das Kolosseum. Das administrative Gericht TAR hat am Mittwoch einen Antrag von Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi angenommen, die die vom Kulturministerium beschlossene Einrichtung eines archäologischen Parks rund um das Kolosseum stoppen will.

Der archäologische Park soll laut dem Vorhaben des Kulturministeriums für das Kolosseum sowie für die Kaiserlichen Foren verantwortlich sein und einen eigenen Direktor erhalten. Das Kolosseum soll somit künftig unter Kontrolle des Kulturministeriums und nicht mehr des römischen Denkmalschutzes stehen. Damit verliert die Gemeinde Rom jedoch einen Großteil der Einnahmen durch den Ticketverkauf. Das sind immerhin ungefähr 40 Millionen Euro jährlich. Das Kolosseum wird jährlich von 6,5 Millionen Personen besucht.

Rom fürchtet um lukratives Geschäft

Lediglich 30 Prozent der Einnahmen durch den Verkauf der Eintrittskarten soll nach der Einrichtung des archäologischen Parks in Roms Kassen fließen, berichtete Raggi. Dagegen wehrt sich die Bürgermeisterin heftig, die die leeren Gemeindekassen aufzufüllen versucht. "Das Kulturministerium verletzt die Interessen der Stadt Rom", protestierte Raggi, die im April den Gang zum administrativen Gericht angekündigt hatte.

Gegen das Gerichtsurteil kündigte Kulturminister Dario Franceschini nun Einspruch an. Die Einrichtung des archäologischen Parks entspreche einer Strategie zur Verwertung des Geländes um das Kolosseum. Eine internationale Ausschreibung für die Suche nach einem Direktor für den Park sei bereits im Gange. Die Einrichtung des Parks sei Teil einer Strategie, um Museen und archäologischen Geländen mehr Autonomie zu garantieren.

Zukunft von österreichischem Museumsdirektor offen

Franceschini hatte erst vor zwei Wochen eine bittere Niederlage hinnehmen müssen. Dasselbe Gericht hatte die vom Kulturminister stark geförderte die Ernennung ausländischer Museumsdirektoren für rechtswidrig erklärt. Damit wurde eine Regelung gestrichen, der zufolge Ausländer bei öffentlichen Wettbewerben für die Besetzung von Beamtenstellen ausgeschlossen sind, wenn es um Posten geht, die streng mit dem "Schutz des nationalen Interesses" zusammenhängen.

Wegen dieser Klausel hatte ein Verwaltungsgericht in Rom Ende März die Ernennung von fünf Museumsdirektoren, darunter der Österreicher Peter Assmann als Leiter des Palazzo Ducale in Mantua, für rechtswidrig erklärt. Assmann hatte somit seinen Posten als Museumsdirektor verloren, den er seit November 2015 besetzt. Über den Fall des österreichischen Kulturmanagers muss noch der Staatsrat befinden, bei dem das Kulturministerium Einspruch gegen das Urteil eingereicht hatte.

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