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Gerda Henkel Preis geht an Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston

23.06.2020

Die Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston (69) erhält den mit 100.000 Euro dotierten Gerda Henkel Preis. Die in Berlin lebende Forscherin gehöre zu den weltweit renommiertesten Vertretern ihres Fachs, erklärte die Gerda Henkel Stiftung in Düsseldorf. Sie habe mit ihren innovativen Forschungen nicht nur ihr Fach, sondern auch die Geisteswissenschaften insgesamt nachhaltig geprägt.

Die Forscherin mit US-amerikanischer und deutscher Staatsbürgerschaft war bis 2019 viele Jahre Direktorin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Zuvor lehrte sie unter anderem an den US-amerikanischen Universitäten Harvard und Princeton sowie in Göttingen. Daston hat zahlreiche Ehrungen für ihre Arbeit erhalten. Ihr Fach befasst sich mit Entwicklung, Methoden und Theorien von Wissenschaft im Laufe der Zeit.

Die Jury unter Leitung des Althistorikers Peter Funke aus Münster würdigte, es gelinge Daston, ihre Forschungen zu Kategorien wie Wahrheit, Beweis oder Tatsache für Debatten der Gegenwart fruchtbar zu machen. "In einer Zeit, in der Wert und Glaubwürdigkeit wissenschaftlicher Erkenntnis auf ganz unerwartete Weise relativiert oder auch grundsätzlich infrage gestellt werden, kommt den wissenschaftshistorischen Forschungen der Preisträgerin höchste Bedeutung und Aktualität zu", erklärte die Jury.

Breite Zeitspanne

Auch sei die Spanne ihrer Publikationen außergewöhnlich breit: von der frühen Neuzeit bis ins 21. Jahrhundert hinein, von den Wunderkammern des Barock bis zur wissenschaftlichen Quantifizierung. Daston ist unter anderem Mitglied im Orden Pour Le Mérite für Wissenschaften und Künste, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina sowie Permanent Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin.

Der Gerda Henkel Preis wird alle zwei Jahre für Forschung auf dem Gebiet der historischen Geisteswissenschaften verliehen und zählt zu den hoch dotierten Wissenschaftspreisen. Er wird am 17. Mai 2021 in Düsseldorf übergeben. Zu früheren Preisträgern gehören der Soziologe und Kulturhistoriker Richard Sennett (2008), die Historikerin und Luther-Biografin Lyndal Roper (2016) sowie der Politikwissenschaftler und Historiker Achille Mbembe (2018).

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