Kultur & Gesellschaft

Ausstellung von 12. November 2019 bis 4. Oktober 2020 © KHM-Museumsverband
Ausstellung von 12. November 2019 bis 4. Oktober 2020 © KHM-Museumsverband

APA

Gerechtigkeit für Nero und Co: KHM zeigt neue Sicht auf "Böse Kaiser"

11.11.2019

Er sei "wie ein furchterregendes Tier oder eine sich windende Schlange" gewesen, berichtete etwa der Chronist Eusebius über den römischen Kaiser Licinius. Noch klarer als Scheusal gebrandmarkt sind bekanntlich Nero oder Caligula. Im Münzkabinett des Kunsthistorischen Museum Wien (KHM) schickt man sich unter dem Titel "Böse Kaiser" an, aus numismatischer Sicht auch andere Facetten zu zeigen.

Die Wertungen der Kaiserpersönlichkeiten durch Geschichtsschreiber prägen bis heute das Bild der Cäsaren nachhaltig. Diese Berichte seien natürlich persönlich gefärbt und historisch-politisch nicht im Luftleeren Raum entstanden, wie Klaus Vondrovec, Kurator der von 12. November 2019 bis 4. Oktober 2020 laufenden KHM-Ausstellung, vor Journalisten im Vorfeld der Eröffnung erklärte.

Wenn sich die Wissenschaft heute um verlässliche Einschätzungen des Tuns und Lassens der damaligen Machthaber bemüht, sei man mitunter bald mit dem Latein am Ende. Die damalige Münzprägung biete aber oft recht harte Anhaltspunkte im Dunkel der Geschichte rund um "Cäsarenwahn", Christenverfolgung, Kriege oder Scharmützel unter Mächtigen, so der Experte für Numismatik der Antike.

Rund 90.000 römische Münzen

Die Schau fokussiert auf Gegenüberstellungen von schriftlichen Überlieferungen mit der Münzprägung in der jeweiligen Ära. Die rund 90.000 römische Münzen umfassende KHM-Sammlung biete dazu vielfach Möglichkeiten. Insgesamt elf "Böse Kaiser" können Besucher auf diesem Weg unter die Lupe nehmen. Deren eingeprägte Konterfeis können an einer interaktiven Stele auch virtuell und dreidimensional untersucht werden.

Die Prägeanstalten der damaligen Zeit seien ein wenig mit den heutigen Pressestellen von Politikern vergleichbar, so Vondrovec. Über das Medium Geld konnten die Massen erreicht, das Bildnis des Kaisers verbreitet und über Symbolsprache politisch-religiöse Ausrichtungen kommuniziert werden.

Bilder nicht ganz stimmig

Das Bild der "bösen" Christenverfolger und des "guten Christenkaisers", Constantin, während der Römischen Tetrarchie, als gleichzeitig vier Herrscher nicht unbedingt in Eintracht regierten, sei demnach nicht ganz stimmig. So sehe man etwa, wie zögerlich Constantin erstmals christliche Symbole in Münzen einbrachte. Dazu kam, dass einander die oft als spinnefeind dargestellten Parallel-Kaiser nachweislich beim Prägen unterstützten.

"Caligula und Nero wiederum haben sicher sehr viele Menschen über die Klinge springen lassen", so Vondrovec. Bei Nero, dem "Bandstifter Roms", gebe es aber auch Fragezeichen. So vergesse man oft, dass er sofort bei Ausbruch des Feuers nach Rom gereist ist, und man sein "Krisenmanagement" durchaus als relativ vorbildlich bewerten könne.

Service: https://www.khm.at/besuchen/ausstellungen/boese-kaiser

STICHWÖRTER
Museen  | Geschichte  | Archäologie  | Wien  | Kunst & Kultur  | Kultur  | Wissenschaft  | Sozialwissenschaften  | Kunst  | Bildende Kunst  | Ausstellung  |
Weitere Meldungen Kultur & Gesellschaft
APA
Partnermeldung