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Auf der Website wird es Livestreams, digitale Führungen und Soundperformances geben © dieangewandte.at
Auf der Website wird es Livestreams, digitale Führungen und Soundperformances geben © dieangewandte.at

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"Haben die Körper verloren": Angewandte Festival online wie analog

03.06.2020

Ein Festival gänzlich in den digitalen Raum verlegen? Das kann nicht wirklich funktionieren, dachte sich die Universität für angewandte Kunst in Wien und setzt daher für die zweite Ausgabe des Angewandte Festivals (23. bis 26. Juni) auf eine Mischform. Neben einer eigens eingerichteten Website, wo etwa die Abschlussarbeiten der Studierenden zu sehen sind, wird der öffentliche Raum erobert.

"Es braucht das Aufeinandertreffen von Menschen", sagte Lena Kohlmayr, Leiterin des kuratorischen Teams, bei einer Webkonferenz. Dies sei coronabedingt aber klarerweise nur sehr eingeschränkt möglich. Mit der Agentur 101 habe man daher eine Website entwickelt, die mehr leisten soll als das bloße Abbilden von Arbeiten der unterschiedlichen Abteilungen. Vier Tage lang wird es Livestreams, digitale Führungen, Soundperformances und mehr geben.

"Auf diese Weise können wir auch die Arbeiten zeigen, die unter anderen Umständen entstanden sind", betonte Kohlmayr. Denn keineswegs waren die Studierenden und Lehrenden der Angewandten in den vergangenen Wochen untätig, hat sich doch die Kunstproduktion vielfach einfach in andere Räume verlagert. Eine Spur hellseherisch mutet das schon vor Corona festgelegte Festivalsujet an: Sogenannte "AInimals" wurden von der Klasse für Grafik Design entwickelt, wobei die gemorphten Tierchen einen sehr eigenwilligen Charakter aufweisen. Digitaler Ausdruck trifft hier organische Fremdartigkeit.

Fehlende Zwischentöne, Blicke und Körpersprache

Dieser Entwurf sei auch im neuen Kontext passend, unterstrich Vizerektorin Eva Maria Stadler, "weil er die Transformation im Digitalen aufnimmt. Es ist ein guter Ausdruck dafür, womit wir uns im Festival beschäftigen." Immerhin habe man nun einige Wochen Erfahrung mit Distance Learning und digitaler Produktion aufzuweisen. "Innerhalb von Stunden haben wir 'per Klick' unseren ganzen Lehrbetrieb darauf umgestellt. Manches gelingt, vieles aber auch nicht. Wir haben die Körper verloren und vermissen Zwischentöne, Blicke, Körpersprache."

Genau diesen Aspekten, die ja nicht nur an der Angewandten durch die notwendigen Umstellungen zutage traten, will man sich beim Festival widmen. Mehrere Gespräche und Diskussionen sollen gesellschaftspolitische Fragen ebenso behandeln wie die Kunstproduktion selbst in den Fokus rückt. Für das musikalische Angebot gibt es Zusammenarbeiten mit donaufestival, Hyperreality und UnitedWeStream, sind doch Darbietungen von Acts wie Rosa Anschütz und Therese Terror geplant. Und selbst wer in der Nacht auf die Festivalwebsite surft, hat etwas zu sehen, rücken dann doch die Bienen der Universität in die Screenmitte.

Aber nicht nur digital, auch analog wird das Angewandte Festival als Nachfolger der Jahresausstellung "Essence" greifbar: Ab 23. Juni werden 23 Litfaßsäulen in allen 23 Wiener Bezirken bespielt. Deren Standorte lassen sich ebenso online herausfinden wie jene der "Asphalt Gallery", für die drei Kleinlaster durch die Stadt kurven und täglich zwischen 12 und 20 Uhr zum haptischen Ausstellungsbesuch laden. Startpunkt ist am Eröffnungsabend der Oskar-Kokoschka-Platz. Ebenfalls integriert wird die "Dialogues for Tomorrow"-Reihe, die schon seit einigen Wochen läuft und per Stream halbstündige Gespräche zu unterschiedlichsten Themen anbietet.

Was wiederum den Universitätsbetrieb anbelangt, gab sich Stadler auf Nachfrage zurückhaltend. Das laufende Semester inklusive Prüfungen werde man per Distance Learning absolvieren. "Wir versuchen aber, Perspektiven zu geben", blickte sie Richtung Herbst. Diesbezüglich arbeite man immer in enger Anstimmung mit dem Ministerium. Problematisch sei natürlich, dass die Coronazahlen aktuell zwar gut sind, dies aber nicht für die kommenden Monate garantiert werden könne. "Es kann im Augenblick niemand vorhersehen, wie sich die Situation über den Sommer entwickelt."

Service: Angewandte Festival von 23. bis 26. Juni an verschiedenen Plätzen im öffentlichen Raum sowie unter http://angewandtefestival.at

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