Kultur & Gesellschaft

Bedeutendster österreichischer Mammutfund des 21. Jahrhunderts © NHM Wien/Alice Schumacher
Bedeutendster österreichischer Mammutfund des 21. Jahrhunderts © NHM Wien/Alice Schumacher

APA

In NÖ gefundene Mammutstoßzähne werden öffentlich gezeigt

24.05.2018

Im Zuge von Vorarbeiten für den Bau der A5 im Bezirk Mistelbach stieß man im Sommer 2016 auf Überreste eines Mammuts. Paläontologen des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien bargen die beiden mächtigen Stoßzähne und einige Knochen in einer Notgrabung. Im Urgeschichtemuseum MAMUZ in Mistelbach steht nun am 10. Juni alles im Zeichen des Fundes, der an diesem Tag erstmals öffentlich gezeigt wird.

In Zusammenarbeit mit der Asfinag veranstaltet das MAMUZ einen "Mammut-Aktionstag", bei dem Experten wie Mathias Harzhauser oder Ursula Göhlich von der Geologisch-Paläontologischen Abteilung des NHM über die Geschichte des Fundes, seine Bergung und die aufwendige Präparierung berichten. Was bei den Bauarbeiten an der Fundstelle nahe der Marktgemeinde Bullendorf zum Vorschein kam, entpuppte sich tatsächlich als der bedeutendste Mammutfund in der jüngeren Vergangenheit. "Das ist für Österreich wirklich einzigartig", wie Harzhauser gegenüber der APA im Vorfeld der Präsentation der beiden rund zweieinhalb Meter langen, leicht unterschiedlich gebogenen Stoßzähne betonte.

Bei der Sicherung von archäologischen und paläontologischen Fundstücken im Zusammenhang mit dem Bau durch die Geologische Bundesanstalt, fanden Experten zuerst einen weißen Fleck in der Abbauwand, den sie schnell als Mammut-Stoßzahn identifizierten. Da solche Überreste jedoch aufgrund der Prozesse im Boden in der Region sehr zerbrechlich werden, gestalteten sich die Bergung und der Transport ins NHM aufwendig. In Zuge der dortigen Präparierung der fragilen Funde stellte sich heraus, dass es sich bei den ebenfalls gefundenen Knochen um die Überreste eines einzigen Tieres handelt.

Rund 17.000 Jahren alt

Nachdem man aufgrund geologischer Hinweise zunächst ein Alter von rund einer Million Jahren annahm, ergaben Analysen, die in Kooperation mit Experten der Universität Innsbruck durchgeführt wurden, ein Alter von rund 17.000 Jahren, so Harzhauser. Damit war auch klar, dass es sich um ein Wollhaarmammut (Mammuthus primigenus) handelte, das damals in den Überschwemmungsgebieten der Ur-Zaya sein Ende fand. Neben den Mammut-Überresten fanden sich in der Umgebung auch Pferde- oder Rentierknochen.

Funde eines vollständig erhaltenen Stoßzahn-Paares seien äußerst selten, sagte Harzhauser. Dass es zudem gelang, die Zähne bei der Präparation komplett zu erhalten, ohne dass sich dabei etwa Splitter ablösen, sei ein weiteres Highlight. "In dieser Form sind sie natürlich auch geochemische Archive", die Auskunft über die Umstände in den mehreren Jahrzehnten, die das Tier gelebt hat, geben können, sagte der Wissenschafter.

Nach dem Aktionstag in Mistelbach werden die Stoßzähne wieder ins NHM gebracht, wo am 2. September eine weitere solche Veranstaltung stattfinden wird. Danach ist geplant, dass die Funde in der Asfinag-Zentrale für einige Zeit ausgestellt werden. Im weiterer Folge sollen sie einen Fixplatz im NHM oder im MAMUZ erhalten.

Service: http://www.mamuz.at/

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