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Ist jede Form von sozialer Unterstützung hilfreich?

13.06.2019

Soziale Unterstützung kann unsere Wahrnehmung von unangenehmen Situationen verändern, wobei manche Formen von Unterstützung wirkungsvoller zu sein scheinen als andere. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Giorgia Silani von der Fakultät für Psychologie an der Universität Wien konnte zeigen, dass negative Gefühle und Gehirnreaktionen von der Form der sozialen Unterstützung, die man nach sozialer Exklusion erhält, verändert werden. Die Resultate der durchgeführten Studie erschienen kürzlich im Journal "Social Cognitive and Affective Neuroscience (SCAN)".

Soziale Exklusion bedroht das menschliche Verlangen nach sozialer Zugehörigkeit und bringt negative Konsequenzen für Gedanken, Affekt und Verhalten hervor. Reaktionen auf die negativen Gefühle, die in solchen Situation auftreten - beispielsweise sich verärgert zu fühlen, oder eine Gruppe nachdem man von dieser ausgeschlossen wurde zu meiden - könnten zu einer weniger erfolgreichen Bewältigung und langfristiger sozialer Isolation führen.

Das Verständnis der Mechanismen, die solche negativen sozialen Verhaltenskonsequenzen abschwächen, wurde in den letzten Jahren zu einem wichtigen Forschungsziel. Soziale Unterstützung wurde als ein möglicher Bewältigungsmechanismus identifiziert, welcher das individuelle Verhalten und allgemeine Wohlbefinden verbessern kann. ForscherInnen der Universität Wien, der Universita della Svizzera Italiana und der Universität Turin zeigten nun, dass dies abhängig von der Art und Weise der sozialen Unterstützung, die einem zuteilwird, Versuchsteilnehmerinnen entweder Erleichterung oder verstärkte negative Emotionen nach einer Ausgrenzung verspürten.

Unter der Leitung von Giorgia Silani von der Universität Wien verwendet das internationale Team Verhaltensexperimente und funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT), um zu verstehen, wie soziale Unterstützung die negativen Konsequenzen sozialer Exklusion abfedern kann. 71 weibliche Versuchsteilnehmerinnen wurden mittels fMRT untersucht, während sie zwei aufeinanderfolgende Durchgänge eines virtuellen Ballspiels ("Cyberball") spielten. Im ersten Durchgang wurden dabei die Versuchsteilnehmerinnen durch zwei andere virtuelle Teilnehmer vom Mitspielen ausgeschlossen. Zwischen den beiden Durchgängen wurden Versuchsteilnehmerinnen in zwei experimentelle Gruppen unterteilt, von denen eine Gruppe soziale Unterstützung in Form einer angenehmen Berührung auf der Hand (emotionale Unterstützung), und eine andere Gruppe in Form einer Textnachricht erhielt, welche Informationen für ein besseres Verständnis der Situation bzw. der Gründe der virtuellen Exklusion (Bewertungshilfe) enthielt. Beide Formen der sozialen Unterstützung wurden von einem Freund übermittelt.

Die WissenschafterInnen fanden heraus, dass die Wahrnehmung sozialer Exklusion durch die Form der sozialen Unterstützung, die man erhält, verändert wird. Im Speziellen konnte gezeigt werden, dass die angenehmen Berührungen negative Emotionen verminderten, während der Erhalt von Informationen zum besseren Verständnis der relevanten Situation die negativen Emotionen noch steigerte. Beides spiegelte sich auch in den respektiven Gehirnarealen wider. Diese unterschiedlichen Effekte durch soziale Unterstützung sind ein Indiz dafür, dass "es sehr wichtig ist, zu verstehen unter welchen Umständen, das heißt kontextuell, persönlich und in welcher Form, soziale Unterstützung eine wirkungsvolle und positive Ressource darstellen kann, um negative Emotionen zu vermindern", erklärt Studienleiterin Silani. "Unsere Arbeit zeigt, dass körperliche und emotionale Berührungen durch eine nahestehende Person ein wirkungsvoller und direkter Weg im Umgang mit negativen Emotionen sein kann - viel eher, als eine rationale Erklärung einer Situation, in der sich jemand befindet."

Publikation in Social Cognitive and Affective Neurosciences

Morese R., Lamm C., Bosco M. F., Valentini M.C., Silani G.

Social support modulates the neural correlates underlying social exclusion.

DOI: 10.1093/scan/nsz033

Wissenschaftlicher Kontakt:
Giorgia Silani, Ass.-Prof. PhD
Institut für Angewandte Psychologie: Gesundheit, Entwicklung, Förderung und Intervention
Fakultät für Psychologie
Universität Wien
1010 Wien, Liebiggasse 5
T +43-1-4277-472 23
giorgia.silani@univie.ac.at
Rückfragehinweis:
Paulina Parvanov MA
Pressebüro
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 40
paulina.parvanov@univie.ac.at
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