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200 Objekte aus der Sammlung von Siebold werden gezeigt © KHM-Museumsverband
200 Objekte aus der Sammlung von Siebold werden gezeigt © KHM-Museumsverband

APA

Japan zur Meiji-Zeit: Eindrucksvolle Sammlungseinblicke im Weltmuseum

12.02.2020

"Genug Raum, um Geist und Seele schwingen zu lassen", bietet das Weltmuseum Wien laut seinem Direktor Christian Schicklgruber mit der neuen Sonderschau "Japan zur Meiji-Zeit. Die Sammlung Heinrich von Siebold", die am 12. Februar eröffnet. Vorausgegangen ist der Ausstellung ein mehrjähriges Forschungsprojekt mit dem National Museum of Japanese History, gezeigt werden rund 200 Objekte.

Das ist freilich nur ein Bruchteil jener rund 5.000 Stücke umfassenden Sammlung, die der Sohn des deutschen Arztes und Japanforschers Philipp Franz von Siebold im Jahr 1889 dem Österreichischen Kaiserhaus geschenkt hat und die sich nunmehr im Weltmuseum Wien befindet. Im Gegenzug wurde Siebold (1852-1908) durch Kaiser Franz Joseph in den Freiherrenstand erhoben, die österreichische Staatsbürgerschaft hatte er bereits 1882 erhalten. Weitere 5.000 Objekte finden sich seit dem Jahr 1905 im heutigen Museum für Angewandte Kunst (MAK).

Die Ausstellung selbst, die Bettina Zorn gemeinsam mit ihren japanischen Kollegen erarbeitet hat, gibt jedoch nicht nur einen Eindruck von der Meiji-Periode (1868-1912), in der sich Japan von einem Feudalstaat zur modernen Großmacht entwickelte, sondern rückt auch die Lebensgeschichte Siebolds selbst ins Licht. Nach dem frühen Tod seines Vaters ging er bereits als 17-Jähriger nach Japan, wo er auch die Sprache lernte. Gemeinsam mit seinem Bruder organisierte er Objekte für die Wiener Weltausstellung im Jahr 1873, kurz darauf folgten erste Ankäufe von Objekten durch das k.u.k. Museum für Kunst und Industrie (heute MAK). Wieder in Japan zurück widmete sich Siebold ethnologischen Studien und Ausgrabungen, seine Sammlung wuchs stetig an. Zugleich arbeitete er als Dolmetscher für die österreichisch-ungarische Gesandtschaft in Tokio und betreute Staatsbesuche. Erst 1896 - Zwölf Jahre vor seinem Tod - kehrte er wieder nach Europa zurück.

Historische Fotografien ausschlaggebend für die Schau

Ausschlaggebend für die Schau waren drei historische Fotografien von Sammlungspräsentationen, auf die die Kuratorin Zorn vor einigen Jahren durch Zufall gestoßen ist. Darauf erkannte sie jene Objekte, die sich in der Sammlung des Weltmuseums befinden. Diese drei Fotos bilden auch die Basis für die Ausstellung: In großen Projektionen zeigt ein Film mit Hilfe von "Object Mapping", welche Sammlungsobjekte jeweils abgebildet sind. Zugleich finden sich Stücke wie eine imposante Buddha-Statue, kunstvoll bemalte Vasen, reich verzierte Schwerter, traditionelle Stoffe und mit Gold beschlagene Truhen in den im Raum verteilten Vitrinen. Dabei handelt es sich nicht nur um Artefakte aus der Meiji-Periode, sondern vor allem um frühere Objekte etwa aus der Edo-Periode (1600-1868). Schließlich kam Siebold damals der Aufbruch zugute: Viele Kult- und Alltagsgegenstände der vergangenen Zeit wurden nicht mehr benötigt und kamen so - durch Schenkungen und Ankäufe - in die Sammlung Siebolds.

"Wir sind uns der Kritik an Ethnologischen Museen in Bezug auf die Deutungshoheit über fremde Kulturen sowie die Diskussion um unethische Erwerbsgeschichten sehr bewusst", führte Schicklgruber im Rahmen der Pressekonferenz aus. Nicht zuletzt deshalb arbeitete man im Rahmen des noch bis 2023 laufenden Forschungsprojekts eng mit japanischen Institutionen, aber auch mit dem Siebold-Archiv zusammen. Ein Transfer der Ausstellung in das Heimatland der Objekte sei vorerst allerdings nicht geplant, erklärte Zorn auf APA-Nachfrage. Besonders freut sie sich jedoch schon auf das geplante internationale Symposium am 9. und 10. März, bei dem die Siebold-Sammlung im Zentrum stehen wird.

Das im Herbst 2017 wiedereröffnete Weltmuseum - früher Völkerkundemuseum - fühlt sich unterdessen in der heimischen Museumslandschaft angekommen, die Besucherzahlen seien konstant, so die Pressesprecherin des KHM-Museumsverbands, zu dem das Weltmuseum gehört, auf Nachfrage. Nach dem ersten besucherstarken Jahr 2018 habe man den 2019 verzeichneten leichten Rückgang (von 175.996 auf 167.628 Besucher) erwartet. Umso mehr freut man sich auf das heurige Programm, das neben der Meiji-Schau u.a. noch mit einer großen Azteken-Sonderausstellung aufwartet.

Service: Ausstellung "Japan zur Meiji-Zeit. Die Sammlung Heinrich von Siebold" im Weltmuseum Wien. 13. Februar bis 10. Mai, täglich außer Mittwoch 10 bis 18 Uhr. www.weltmuseumwien.at

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