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Pablo Rudich: "Dazwischendasein - Jüdisches Leben zwischen Czernowitz, Wien und Montevideo" © Mandelbaum Verlag
Pablo Rudich: "Dazwischendasein - Jüdisches Leben zwischen Czernowitz, Wien und Montevideo" © Mandelbaum Verlag

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Jüdisches Familienschicksal zwischen Czernowitz, Wien und Montevideo

08.11.2019

Im Vorfeld an das Gedenken an die Novemberpogrome von 1938 hat der Wiener Historiker Pablo Rudich ein Buch veröffentlicht, in dem er sich auf eine Spurensuche zum Lebensweg seiner jüdischen Großeltern und seines Vaters macht.

"Dazwischendasein - Jüdisches Leben zwischen Czernowitz, Wien und Montevideo" beschreibt exemplarisch das Schicksal einer jüdischen Familie, die nur durch Vertreibung, Flucht und Exil dem Holocaust entkommen konnte. Zudem stellt er die Frage nach "Zugehörigkeit und Identitätskonstruktionen im Lichte von Staatsbürgerschaft und Heimatrecht".

Pablo Rudich, 1964 in Uruguay geboren, lebte später in Barcelona und Stuttgart. Seit 1978 wohnt er in Wien - seit einigen Jahren im 2. Bezirk, in dem vor dem "Anschluss" ein Großteil der Bevölkerung jüdisch war und wo zahlreiche Synagogen standen.

Die Großeltern des Autors, Serafine König und Wolf Rudich, stammten aus Czernowitz, aus dem östlichen Randgebiet der Habsburgermonarchie. Die Hauptstadt der Bukowina, gekennzeichnet durch Vielsprachigkeit und reges jüdisches Leben sowie durch eine reiche Kulturtradition, gehört heute zur Ukraine.

1914, zu Beginn des Ersten Weltkriegs mussten Serafine König und Wolf Rudich angesichts einer russischen Offensive nach Wien auswandern. Nach dem Krieg kehrten sie vorübergehend nach Czernowitz zurück, ließen sich aber später in Wien an verschiedenen Adressen nieder. Wolf Rudich war Jurist. Viel mehr ist den vorhandenen Quellen nicht zu entnehmen.

Pablo Rudich bemüht sich aber, das Schicksal von Jüdinnen und Juden mit ähnlich gelagerten Lebenssituationen nachzuzeichnen, von denen ein nicht geringer Teil "Buko-Wiener" waren.

Kultureller Austausch

1938 musste das Ehepaar Rudich gemeinsam mit seinen Söhnen nach Montevideo auswandern. Dort kam auch ihr Enkel und dessen Schwestern zur Welt. Außerdem ging noch ein weiterer Enkel aus der Ehe einer uruguayischen Künstlerin mit einem der Rudich-Söhne - einem in Wien geborenen Architekten - hervor.

Der Autor stellt angesichts der - letztlich erzwungenermaßen - kosmopolitischen Lebenssituation seiner Familie die Frage, wie Migranten von ihrem Zielland beeinflusst werden und umgekehrt dieses beeinflussen. "Dass dieser kulturelle Austausch negative Folgen haben soll, ist ein manipulatives, häufig von Angst schürendenden Politikern hervorgebrachtes Argument", so das Fazit des Historikers und Fremdenführers.

Service: Pablo Rudich: "Dazwischendasein - Jüdisches Leben zwischen Czernowitz, Wien und Montevideo", Mandelbaum Verlag, 141 Seiten, ISBN 978-3-85476-830-2

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