Kultur & Gesellschaft

Ausstellung "Das erste Gold" startet am 7. März © Krassimir Georgiev/NAIM
Ausstellung "Das erste Gold" startet am 7. März © Krassimir Georgiev/NAIM

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KHM präsentiert ältestes Goldbergwerk Europas

06.03.2017

Als man vor gut zehn Jahren im bulgarischen Ada Tepe auf das bis dato älteste bekannte Goldbergwerk Europas stieß, galt das als archäologische Sensation. Das Kunsthistorische Museum in Wien widmet dieser frühen Edelmetallquelle, aus der sich die mythischen Reichtümer Trojas und Mykenes gespeist haben könnten, mit "Das erste Gold" nun eine eigene Ausstellung.

Dafür wurden 300 Funde aus 14 bulgarischen Museen zusammengetragen, die teils eigens für die Schau in Wien restauriert wurden. Im Zentrum steht der 13 Artefakte mit insgesamt 12,5 Kilogramm Gewicht umfassende Schatzfund von Valcitran, der Goldschalen wie Scheiben, Gefäße oder Becher umfasst. "Wenn man von Gold spricht, werden die Augen gelb und das Interesse steigt sprunghaft", zeigte sich Christo Popov, Vizedirektor des bulgarischen Nationalen Archäologischen Instituts, nach wie vor fasziniert von seinem Untersuchungsobjekt.

So arbeiten seit dem Vorjahr Wissenschafter der bulgarischen Akademie der Wissenschaften mit den österreichischen Kollegen vom Institut für Orientalische und Europäische Archäologie der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) an der Aufarbeitung jener Funde, die man in Ada Tepe, gelegen im Südosten Bulgariens, gemacht hat. Zwischen 1.500 und 1.000 vor Christus wurde hier das begehrte Edelmetall abgebaut. Das alte Bergwerk wurde nach der Jahrtausendwende bei einer erneuten Erschließung des Areals gefunden - werden doch noch immer rund 30 Tonnen Gold in der dortigen Erde vermutet.

Mittlerweile sind die verschiedenen Schichten der Anlage freigelegt und werden mit der Zeit durch die natürliche Auswaschung verschwinden, so Popov. Allerdings gebe es Pläne für die Errichtung eines Museums: "Material dazu gibt es genügend." Weshalb der Abbau einst eingestellt wurde, lässt sich derzeit nicht mit Sicherheit sagen. "Vielleicht hat es sich nicht mehr gelohnt", vermutet Popov. Schließlich war der Abbau aus den tieferliegenden Quarzgängen schwierig und das feinkörnige Gold mit bloßen Auge nicht mehr sichtbar.

Blick auf den Alltag

Umso zentraler ist deshalb in der KHM-Schau der Blick auf den Alltag vor 3.500 Jahren, wird mittels Schautafeln doch der historische Kontext in den Fokus gerückt. "Gold für das Jenseits", "Das Leben am Bergwerk" oder "Gaben an die Götter" lauten die einzelnen Kapitelüberschriften, die neben Gussformen, Tonkrügen oder Werkzeugen den technischen Hintergrund zur Goldgewinnung liefern. "Ich bin verblüfft, wie wissenschaftliche Ergebnisse, die sich sonst nur spröde und trocken vermitteln lassen, in solch eine Ausstellung gegossen werden können", zeigte sich Barbara Horejs vom ÖAW-Institut für Orientalische und Europäische Archäologie überrascht. Schließlich sei die damalige Zeit aus Edelmetall-Perspektive äußerst stilprägend gewesen, könne man doch erstmals die Zurschaustellung von Reichtum mittels Gold beobachten.

Georg Plattner, Chef der KHM-Antikenabteilung, hob die Bedeutung von Ada Tepe als Motor für den Kultur- und Wissenschaftsaustausch hervor, könne man in der damaligen Zeit doch von äußerst intensiven Handelsnetzwerken ausgehen. Und da der Austausch in der heutigen Zeit ebenfalls eng ist, wird im Gegenzug für den "prähistorischen Sensationsfund" ab April in Sofia der Wiener Schatz von Nagyszentmiklos gezeigt, wie KHM-Generaldirektorin Sabine Haag ankündigte.

Service: "Das erste Gold. Ada Tepe: Das älteste Goldbergwerk Europas" von 7. März bis 25. Juni im Kunsthistorischen Museum, Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien. www.khm.at

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