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Rachinger: "Eine Holding würde keinen Zusatznutzen bringen" © APA (Pfarrhofer)
Rachinger: "Eine Holding würde keinen Zusatznutzen bringen" © APA (Pfarrhofer)

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Koalition - ÖNB-Chefin Rachinger: "Holding ist verzichtbar"

03.01.2020

Johanna Rachinger, Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek, ist seit 1. Jänner auch Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Bundesmuseen - und sieht sich bereits am zweiten Amtstag mit den Reformideen konfrontiert, die das türkis-grüne Regierungsprogramm für die Häuser in Aussicht stellt. Die dort angekündigte Bundesmuseums-Holding etwa hält Rachinger dabei für verzichtbar.

APA: Sehen Sie die Notwendigkeit zu einer gesetzlichen Verankerung der Direktorenkonferenz wie im Regierungsprogramm angekündigt?

Johanna Rachinger: Die Bundesmuseen-Konferenz (BMK) ist heute nur in den Museumsordnungen der einzelnen Institutionen geregelt. Eine zentrale und einheitliche Verankerung im Bundesmuseen-Gesetz ist zu begrüßen.

APA: Wurde mit der Direktorenkonferenz im Vorfeld über die geplanten Neuerungen, wie der avisierten Gründung einer Bundesmuseums-Holding etwa für ein gemeinsames Gebäudemanagement, gesprochen?

Rachinger: Im Zuge der Diskussion über das Weißbuch wurde auch über eine Holdingvariante gesprochen. Die BMK sprach sich aber eindeutig für eine Stärkung des Beteiligungsmanagements im zuständigen Ministerium aus. Einer Holding-Variante wurde eine Absage erteilt, da aus Sicht der BMK die Kosten einer Holding die erwartbaren Synergien überschreiten und die Autonomie der einzelnen Häuser einschränken würde. Die Bundesmuseen und die ÖNB haben sich in der Autonomie hervorragend entwickelt. Die Häuser stehen so gut da wie noch nie.

APA: Das angekündigte Vorhaben einer Bundesmuseums-Holding halten Sie mithin nicht für einen richtigen Schritt?

Rachinger: Aus Sicht der BMK ist eine Holding verzichtbar. Die möglichen Synergien werden bereits in der lateralen Zusammenarbeit der einzelnen Institutionen gehoben. Eine Holding würde keinen Zusatznutzen bringen, aber jedenfalls zusätzliche Kosten verursachen

APA: Es können in Ihren Augen in der Vergemeinschaftung der Strukturfragen also keine Synergien gehoben werden?

Rachinger: Synergien können gehoben werden, allerdings ist dafür keine Holding erforderlich. Unter Koordination der BMK arbeiten die acht Institutionen gerade auch in wirtschaftlichen und organisatorischen Fragen schon bisher intensiv zusammen. Neben dem regelmäßigen Austausch von Best Practices werden einheitliche Richtlinien und Prozesse erarbeitet, gebündelte Vergaben getätigt, hausübergreifende Schulungen veranstaltet, gemeinsame Tickets wie die Bundesmuseen-Card geschaffen.

APA: Wie beurteilen Sie die Ernennung von Ulrike Lunacek zur Staatssekretärin für die Kunst- und Kulturagenden?

Rachinger: Ulrike Lunacek ist eine sehr erfahrene und hoch angesehene Politikerin. Sie wird sich in die Kulturagenden schnell einarbeiten. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit ihr.

(Die Fragen stellte Martin Fichter-Wöß/APA)

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