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Sommer: "Wir bräuchten mehr Platz - das ist unbestritten." © APA (Pfarrhofer)
Sommer: "Wir bräuchten mehr Platz - das ist unbestritten." © APA (Pfarrhofer)

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Koalition - hdgö-Leiterin Sommer: Politik muss endlich Lösung finden

03.01.2020

Das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) findet im Regierungsprogramm von Türkis-Grün mit keinem Nebensatz Erwähnung. Monika Sommer, die Direktorin der 2018 gegründeten Institution, sieht im APA-Gespräch die Politik deshalb nun erst recht gefordert: "Wenn man das nicht im Regierungsprogramm getan hat, ist das eine der dringendsten Aufgaben der Regierung, wenn sie angelobt ist."

"Die Politik ist im 75. Jahr des Bestehens der 2. Republik gefordert, endlich eine Lösung für das Haus der Geschichte zu finden", macht Sommer deutlich. Sie fände es sehr schön, wenn man hierfür das Datum 27. April als Gründungstag der 2. Republik ins Auge fasse. Schließlich gebe es 2020 mit wichtigen Jubiläen wie 25 Jahre EU-Beitritt, 75 Jahre Befreiung und 100 Jahre Bundesverfassung zahlreiche inhaltliche Kooperationspunkte.

Auch wenn man nicht explizit im Regierungsprogramm erwähnt werde, finde sie ihre Institution doch im Punkt der Gedenkkultur wieder, in dem von einer Zusammenführung aller betreffenden Institutionen unter dem Dach des Parlaments die Rede ist. Damit folge die Politik dem Anfang Dezember veröffentlichten Evaluierungsbericht. Zugleich wolle sie klarstellen, dass die bisherige strukturelle Anbindung an die Nationalbibliothek nie ein Problem dargestellt habe: "Was ein Problem darstellt, ist, dass wir nicht internationalen Standards entsprechen, was Budget und Größe angeht."

Erfreut über Designierung von Ulrike Lunacek

Insofern freue sie die Designierung von Ulrike Lunacek zur Staatssekretärin für die Kunst- und Kulturagenden: "Sie ist eine sehr erfahrene Politikerin, die sich auch in Brüssel rund um das Haus der Europäischen Geschichte sehr eingebracht hat. Sie kennt also die internationalen Standards der Museumsszene." Deshalb bleibe sie zuversichtlich bezüglich der Zukunft ihrer derzeit auf engem Raum in der Neuen Hofburg angesiedelten Institution: "Wir bräuchten mehr Platz - das ist unbestritten. Die derzeitige Situation hat niemand als dauerhafte Lösung angestrebt."

Anders als das hdgö wird das Wiener Volkskundemuseum im neuen Regierungsabkommen namentlich genannt und hat damit als Kulturinstitutionen fast eine Ausnahmestellung: Angestrebt werde eine "zukunftsweisende Lösung zwischen Bund, Stadt Wien und Trägerverein, um dieses Museum abzusichern und in die Zukunft zu führen", heißt es.

Museumschef: "Erfreulicher Schritt"

Für Museumschef Matthias Beitl ist das "ein sehr erfreulicher Schritt". Nachdem bereits zweimal in einem Weißbuch der Bundesmuseen darauf hingewiesen wurde, dass hinsichtlich des Volkskundemuseums etwas geschehen müsse, habe man nun sozusagen die höchste Ebene erreicht. "Das könnte nun ein gutes Umfeld sein, um die Gespräche, die ja bereits laufen, zu einem guten Abschluss zu bringen", so Beitl im Gespräch mit der APA. Eine Angliederung an ein anderes Museum, wie es etwa Richtung KHM-Museumsverband einmal diskutiert wurde, sei glücklicher Weise bereits seit längerem vom Tisch.

Dem Antritt der neuen Kunst- und Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek sieht Beitl grundsätzlich "mit Freude entgegen", ohne sie bisher persönlich zu kennen, das Kunst- und Kulturprogramm insgesamt findet er "erstaunlich vielschichtig". Nur erstaunlich findet er das gänzliche Fehlen des hdgö in dem Regierungspapier, die geplante neue Bundesmuseums-Holding sieht er ambivalent - als einen interessanten Ansatz, der seinen wirklichen Nutzen erst beweisen müsse.

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