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Mehr als 600 NS-Zwangsarbeiterlager auf Wiener Boden

29.11.2019

Die interaktive Karte "Lager in Wien" im Wien Geschichte Wiki bringt erstmals Sammellager für Jüdinnen und Juden, Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen und Lager für zivile ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die sich im Gebiet von Groß-Wien befanden, auf einen interaktiven Stadtplan.

Weit über 100.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Wien

Während KZ-Außenlager und Sammellager gut erforscht sind, stellt sich die Situation bei der Aufarbeitung der Zwangsarbeiterlager anders dar. Einzelne Studien beschäftigten sich in den letzten Jahren etwa mit dem Einsatz von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern bei der Gemeinde Wien oder in der Rüstungsindustrie. Insgesamt waren am Höhepunkt des Ausländereinsatzes im Mai 1944 im Landesarbeitsamtsbezirk Wien 121.779 "fremdvölkische" Arbeitskräfte als beschäftigt gemeldet. Dazu kamen ab 1944 mehrere tausend ungarische Jüdinnen und Juden sowie KZ-Häftlinge der KZ-Außenlager in Groß-Wien. Bereits Ende 1942 waren dem städtischen Gesundheitsdienst 637 Lager für ausländische Arbeiterinnen und Arbeiter gemeldet worden, wobei von einer höheren Dunkelziffer auszugehen ist.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Durch ein Projekt des Wiener Stadt- und Landesarchivs konnten bis jetzt rund 610 Lager identifiziert und verortet werden. Darunter fallen etwa Lager und lagerartige Unterkünfte für zivile Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter großer Rüstungsunternehmen und Zulieferer der Rüstungsindustrie wie der Ernst Henkel Flugzeugwerke, der Flugmotorenwerke Ostmark, der Accumulatoren-Fabrik AG (AFA, heute VARTA) oder Gräf & Stift. Behandelt werden aber auch Lager der Stadt Wien, der Industrie- und Handwerksförderungsgesellschaft m.b.H, der Gestapo, der Organisation Todt sowie auch vieler kleinerer Betriebe wie einer Zeltfabrik im zweiten Bezirk, die die ihr zugewiesenen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Keller der Firma untergebracht hatte.

Damit sind nun erstmals alle Erkenntnisse zu Zwangsarbeiterlagern in Groß-Wien zusammengefasst und auf einer interaktiven Karte sichtbar. Die Aufbereitung dieses dunklen Kapitels in der Geschichte der Stadt im Wien Geschichte Wiki ermöglicht allen Bürgerinnen und Bürgern einen guten Überblick und eine intensivere Beschäftigung mit diesem Aspekt der NS-Diktatur.

Lebenssituation in den Lagern

Die Unterbringung der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter erfolgte in eigenen Lagern, in Baracken auf Firmengeländen oder in bei Firmen angeschlossenen lagerartigen Unterkünften und Schlafstellen, in öffentlichen Gebäuden wie Schulen, aber auch auf öffentlichen Plätzen, Parkanlagen, Sportplätzen, sowie in privaten Unterkünften, Hotel- und Gastgewerbebetrieben.

In oftmals überbelegten und sanitär manchmal auch prekären Wohnlagern wurden sie – sofern sie nicht direkt in Arbeitsstätten beziehungsweise Fabriken untergebracht waren –, sowohl zu Fuß als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln an ihre Einsatzplätze gebracht, wo sie nicht nur Arbeiten in der Rüstungsindustrie, sondern auch bei Aufräumarbeiten nach Bombenangriffen bis hin zur Entschärfung von Sprengsätzen eingesetzt wurden.

Interaktive Stadtkarte und weitere Informationen im Wien Geschichte Wiki:

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Lager_in_Wien

Rückfragehinweis:
   Mag. Hannes Tauber, MA
   Magistratsabteilung 8
   Wiener Stadt- und Landesarchiv
   Tel.: (+43 1) 4000 84839
   hannes.tauber@wien.gv.at
   
   Mag. Alfred Strauch
   Mediensprecher StRin Mag.a Veronica Kaup-Hasler
   Tel.: +43 1 4000 81169
   alfred.strauch@wien.gv.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/174/aom

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