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Erdarbeiten nach Bombenschäden am Hauptsammelkanal bei der Erdberger Lände (1944) © APA (OTS/Wiener Stadt- und Landesarchiv)
Erdarbeiten nach Bombenschäden am Hauptsammelkanal bei der Erdberger Lände (1944) © APA (OTS/Wiener Stadt- und Landesarchiv)

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Nationalsozialistische Stadtplanung & Verwaltung: "Groß-Wien im Krieg"

27.08.2019

Das Wiener Stadt- und Landesarchiv bietet regelmäßig Themenschwerpunkte zu Aspekten der Wiener Stadtgeschichte. Diese werden im "Wien Geschichte Wiki", der historischen Wissensplattform der Stadt Wien, veröffentlicht und durch digitalisierte Originalquellen ergänzt. Anlass für den kommenden Themenschwerpunkt ist der Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939.

Groß-Wien entsteht

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 12. März 1938 gingen sie rasch daran, ihr städteplanerisches Konzept der Schaffung von territorial stark erweiterten Großstädten auch im Fall Wiens umzusetzen. Am 21. Juli 1938 kam es zur endgültigen Festlegung eines neuen, wesentlich vergrößerten Stadtgebiets unter Einbeziehung von 97 niederösterreichischen Gemeinden. Mit 15. Oktober 1938 trat diese Stadterweiterung bereits in Kraft. Die Fläche Wiens vergrößerte sich von 278,4 auf 1215,4 km2, die sich auf nun 26 Bezirke verteilten. Offiziell blieb diese Einteilung bis 1954 bestehen.

Die nationalsozialistische Verwaltung der Stadt

Bis zum "Ostmarkgesetz", das am 1. Mai 1939 in Kraft trat, zeigt sich der Aufbau des Magistrats gegenüber der Geschäftseinteilung des Jahres 1934 weitgehend unverändert. Bei den Magistratsabteilungen gab es lediglich kleinere organisatorische Änderungen. Wer nicht aus "rassischen" oder politischen Gründen entlassen wurde, blieb, Führungspositionen wurden anfangs nur im Bedarfsfall neu besetzt. Das Inkrafttreten des "Ostmarkgesetzes" bildete eine Zäsur im Sinne einer "zweiten Machtübernahme" in der Stadtverwaltung. Dies betraf neben der Funktion des Bürgermeisters auch die Gemeindeverwaltung selbst. Sowohl die Geschäftseinteilungen und Geschichte der Magistratsabteilungen als auch die Organisationen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei werden im Wien Geschichte Wiki abgebildet.

Lager in Wien

In Groß-Wien befanden sich zahlreiche, über das gesamte Stadtgebiet verteilte Lager und lagerartigen Unterkünfte. Einerseits waren dies Lager für ausländische Arbeitskräfte ("Fremdarbeiterinnen" und "Fremdarbeiter"), Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge, andererseits Sammellager für zur Deportation vorgesehene Jüdinnen und Juden. Jüdinnen und Juden wurden zudem gezwungen, ihre Wohnungen aufzugeben und in Sammelwohnungen zu leben. Bereits im August 1940 waren in Wien und Niederdonau mehr als 17.000 Kriegsgefangene zwangsweise im Arbeitseinsatz. Ihre Zahl erhöhte sich im Kriegsverlauf rasch. Ihre Unterbringung erfolgte entweder in eigenen umschlossenen Lagern, in Baracken auf Firmengeländen oder in bei Firmen angeschlossenen lagerartigen Unterkünften und Schlafstellen. Manche Lager bestanden nur kurze Zeit, andere überdauerten länger und einige wurden nach Kriegsende 1945 als Flüchtlingslager weitergenutzt. Darüber hinaus befanden sich am Flughafen Schwechat und später in Floridsdorf Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen. Ab 1944 kamen tausende ungarische Jüdinnen und Juden in Wien an und leisteten Zwangsarbeit, bevor sie nach Auschwitz, Mauthausen, Theresienstadt und Bergen-Belsen verschickt wurden. Trotz schwieriger Quellenlage wird erstmals in einer interaktiven Karte des Wien Geschichte Wiki ein Überblick über die damals in Groß-Wien vorhandenen Lager für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter geboten. Daneben werden zahlreiche Firmen angeführt, die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter beschäftigten.

Bombenkrieg und Luftschutzmaßen

Da Ostösterreich lange Zeit nicht in der Reichweite Alliierter Bomber lag, galt auch Groß-Wien während des Zweiten Weltkriegs als Teil des "Reichsluftschutzkeller Ostmark". Mit dem Vorrücken der US-Streitkräfte in Italien änderte sich diese Situation und es setzte der Bau von Flaktürmen ein. Anfang Dezember 1943 wurde im sogenannten Luftgau XVII die 24. Flakdivision gebildet, die im Großraum Wien über 432 schwere Fliegerabwehrkanonen verfügte. Zum ersten tatsächlichen Angriff auf die Wiener Randgemeinden kam es am 17. März 1944. Dieser Angriff und jene vom Mai 1944 galten den Treibstofflagern an der damaligen Wiener Peripherie. Besondere psychologische Bedeutung hatte der Bombenangriff vom 10. September 1944, weil erstmals die inneren Bezirke schwer getroffen und die Zahl der Toten mit vermutlich rund 700 Personen erheblich war. Weitere Bombenangriffe erfolgten im Herbst und Winter 1944 bis 23. März 1945. Insgesamt flogen die Alliierten, vor allem die US-Streitkräfte, 53 Angriffe auf Wien, die rund 9.000 Opfer forderten. Die Angriffe richteten sich vor allem gegen kriegswichtige Betriebe und Treibstoffdepots an der städtischen Peripherie, aber auch innerstädtische Gebäude wie die Staatsoper und viele Wohnhäuser wurden von Bomben getroffen. Zu diesem Themenbereich sind Beiträge zu Luftschutz, Luftkrieg, zum Kriegsschädenplan ("Bombenplan", um 1946) im Wien Geschichte Wiki zu finden.

Themenschwerpunkt des Wiener Stadt- und Landesarchivs

Zusätzlich zum Themenschwerpunkt im Wien Geschichte Wiki präsentiert das Wiener Stadt- und Landesarchiv vom 2. September 2019 bis 22. Februar 2020 Originalquellen zu "Groß-Wien im Krieg" im Foyer des Archivs.

Groß-Wien im Krieg im Wien Geschichte Wiki:

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Groß-Wien_im_Krieg

Der Themenschwerpunkt wird durch wissenschaftliche Fachvorträge ergänzt, die im Wiener Stadt- und Landesarchiv stattfinden.

* 21. November 2019 um 18 Uhr: Nationalsozialistische Lager in "Groß-Wien" (Univ.-Prof. Bertrand Perz)

* 17. Oktober 2019 um 18 Uhr: Stadt - Gau – Partei. Die Struktur der NS-Herrschaft in Wien (mit Vorträgen von Mag. Shoshana Duizend-Jensen und Dr. Susanne Pils)

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen: https://www.wien.gv.at/kultur/archiv/veranstaltungen/grosswienkrieg.html

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
   Mag. Alfred Strauch
   Mediensprecher StRin Mag.a Veronica Kaup-Hasler
   Tel.: +43 1 4000 81169
   alfred.strauch@wien.gv.at
   
   Mag. Hannes Tauber, MA
   Magistratsabteilung 8
   Wiener Stadt- und Landesarchiv
   Gasometer D, Guglgasse 14, 1110 Wien
   Postanschrift: 1082 Wien, Rathaus
   Tel.: (+43 1) 4000 84839
   hannes.tauber@wien.gv.at  
   

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/174/aom

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