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Schulbücher, Sachbücher und Reiseführer durch das Sonnensystem © APA (dpa)
Schulbücher, Sachbücher und Reiseführer durch das Sonnensystem © APA (dpa)

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Neue Bücher: Talente-Feinde, Mathe-Staunen und Raum-Reisen

02.09.2019

Andreas Salcher sucht wieder Feinde des talentierten Schülers

Mit dem Buch "Der talentierte Schüler und seine Feinde" hat sich Andreas Salcher, Ex-Kultursprecher der ÖVP Wien und Mitbegründer der Wiener Sir-Karl-Popper-Schule für Hochbegabte, 2008 zum Feindbild der Lehrergewerkschaft geschrieben. Rechtzeitig zum Schulbeginn liefert er mehr als zehn Jahre danach eine erweiterte Neuauflage. Dass er Lehrer für die Schuldigen halten soll, sei übrigens ein "bedauernswertes Missverständnis", betont er schon im Vorwort von "Der talentierte Schüler und seine ewigen Feinde".

Der "Feind" ist für ihn vielmehr ein Schulsystem, das seiner Analyse nach schulterzuckend hinnimmt, dass jeder Fünfte nach neun Jahren Pflichtschule nicht sinnerfassend lesen kann. Talente, beklagt Salcher, würden wiederum wegen einer Fixierung auf einen fiktiven Durchschnittsschüler selten erkannt und noch seltener gefördert. Diesem Status quo stellt er seine "Schule der Zukunft" gegenüber, mit den besten Lehrern für die schwierigsten Schulen und "individuellen Lehrpfaden für jedes Kind", ein inspirierender Ort, an dem auch Bewegung, Musik und wertschätzendes Miteinander viel Raum bekommen. In den fünf neuen Kapiteln der Neuauflage ist außerdem Platz für ein Plädoyer für digitale Unterrichtsmedien und die merkwürdigsten Fälle, die ihm als Schüleranwalt des "Kurier" von Schülern, Eltern und auch Lehrern zugetragen wurden.

(Andreas Salcher "Der talentierte Schüler und seine ewigen Feinde", Ecowin Verlag, 280 S., 24,00 Euro, ISBN-13 9783711002419)

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Rudolf Taschner lädt wieder zum mathematischen Staunen

Im Abstand von etwa zwei Jahren hat der Mathematiker Rudolf Taschner in den vergangenen Jahren populärwissenschaftliche Bücher über verschiedene Aspekte seines Fachs veröffentlicht, zuletzt erschien 2015 eine "Geschichte der Spieltheorie". Seither beschäftigte sich Taschner mit Glaubensfragen (in seinem Buch "Woran glauben", 2016) und der Politik, zog er doch 2017 für die ÖVP in den Nationalrat ein. Obwohl er im Jahr seines Wechsels in die Politik den von ihm initiierten und 15 Jahre geleiteten "math.space", eine Vorreiter-Institution zur Wissenschaftsvermittlung, geschlossen hat, hat er sich offenbar nicht von der Mathematik abgewandt. "Die Farben der Quadratzahlen" heißt sein neues Buch, das er im Untertitel eine "Kleine Anleitung zum mathematischen Staunen" nennt.

In gewohnter Manier erzählt Taschner in fünf Kapiteln über eigenartige Phänomene aus der Wahrscheinlichkeitstheorie, Geometrie, Zahlentheorie, angewandter und reiner Mathematik. Der Autor bezeichnet das Buch selbst als "Essay" und hofft, dass "trotz der vielen Zahlen und Rechnungen... Leichtigkeit und Amüsement im Lesen nicht zu kurz kommen". Nun, für die U-Bahn-Lektüre auf dem Weg zur Arbeit eignen sich nur wenige Kapitel, man braucht schon Zeit, Muße und Konzentration, um den mathematischen Erkenntnissen zu folgen. Und selbst die reichen nicht, wenn Taschner etwa in zehn Schritten das "Banach-Tarski-Paradoxon" erklärt. Dabei wird eine Kugel in endlich viele Teile zerlegt. Diese Teile werden gedreht, verschoben und so wieder zusammengesetzt, dass zwei Kugeln entstehen - und die sind gleich groß wie das Original. Wer darauf mit "Das kann nicht sein" reagiert, ist in guter Gesellschaft, dennoch gibt es einen korrekten Beweis für diese rätselhafte Verdoppelung. Und auch wenn man nicht alles verstanden hat, ermöglicht einem die Lektüre einen Blick "in den Abgrund, der zwischen den beiden Begriffen 'korrekt' und 'wahr' klafft", wie Taschner schreibt.

(Rudolf Taschner: "Die Farben der Quadratzahlen", Hanser, 256 S., 22,70 Euro, ISBN: 978-3-446-26451-9)

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"Unterwegs im Weltraum" mit ÖWF-Chef Gernot Grömer

Für seinen "Reiseführer durch das Sonnensystem" hat der Direktor des Österreichischen Weltraum Forums (ÖWF) und Wissenschaftskommunikator Gernot Grömer ein Luxusyacht-Raumschiff aus dem 23. Jahrhundert namens "KOPERNIKUS" ersonnen, mit dem es auf Astro-Kreuzfahrt geht. Nach ein paar Tipps zum richtigen Gepäck geht es im humorigen Erklärton in Richtung Lift-off. So gelingt Grömer, dessen ÖWF vor allem durch zahlreiche Analog-Raumfahrtmissionen in der Öffentlichkeit bekannt ist, das Unterheben astronomischer Grundbegriffe in leicht verständlicher Sprache.

Im Zuge der Reise sind es dann immer wieder auch typisch touristische Problemstellungen - wie etwa die Frage nach der jeweils passenden Kleidung, zur kosmischen Kulinarik oder zu lohnenden Fotomotiven - die Grömer nutzt, um unser bisheriges Wissen über die andersartigen Welten von der Sonne bis zu den Gegenden jenseits des zum Kleinplaneten degradierten Pluto. Dabei erfährt man etwa, was Shakespeare-Charaktere mit dem Uranus zu tun haben oder wie man mit Aspirin mehr über die Merkur-Oberfläche erfahren könne sowie viele weitere astronomische Anekdoten. So eröffnet Grömers Buch einen durchaus kurzweiligen Blick in die Weiten unserer unmittelbaren kosmischen Umgebung.

(Gernot Grömer "Unterwegs im Weltraum - Ein Reiseführer durch das Sonnensystem", Carl Ueberreuter Verlag, 176 S., 21,95 Euro, ISBN: 978-3-8000-7735-9)

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