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Österreich zeigt "spekulatives Design" auf London Design Biennale

09.04.2018

Wenn zur Pressekonferenz "Abfall Smoothies" gereicht werden und es um Gletscherschmelze, "weather hacking" und Energieautonomie geht, vermutet man nicht unbedingt Design dahinter. Doch der österreichische Beitrag für die London Design Biennale (4.-23. September), der in der Universität für angewandte Kunst präsentiert wurde, beschäftigt sich unter dem Titel "After Abundance" mit der Zukunft.

Thomas Geisler, der Direktor des Werkraum Bregenzerwald, der bereits vor zwei Jahren den erfolgreichen österreichischen Beitrag der ersten London Design Biennale kuratiert hatte (damals lud er das Designduo mischer'traxler studio ein), entschied sich diesmal für die Design Investigations Klasse der Angewandten, die von der britischen Designerin Anab Jain geleitet wird. "Design war immer eine visionäre Disziplin. In diesem spekulativen Designprojekt sollen Designer wie investigative Journalisten arbeiten", sagte Geisler. Design habe sich von der Umsetzung konkreter Aufgaben hin zur Auseinandersetzung mit den ambivalenten Systemen der Zukunft entwickelt.

Unter dem heuer vorgegebenen Motto "Emotional States" werden die teilnehmenden 30 Länder in London Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft thematisieren: Nachhaltigkeit, Migration, Umweltverschmutzung, allgemeine Verfügbarkeit von Wasser und soziale Gleichheit. Angesichts dieser Thematik sei es, trotz anfänglicher Skepsis der Biennale-Veranstalter, nahe gelegen, eine Zusammenarbeit mit einer Design-Universität zu suchen, wo die neue Rolle des Designs erforscht und ausprobiert werde, sagte Geisler.

Die Studierenden am Studio Design Investigations haben sechs Einzelprojekte erarbeitet, die sich mit möglichen Zukunftsszenarien in rund 30 Jahren beschäftigen und im Österreich-Raum des Somerset House in London gezeigt werden: Corn Cartel, IllegalRain, Glacier, Heische Rituals, MicroGrid und Dwellings for Changed Lifestyle. Dabei geht es u.a. um Eingriffe in Wetterbedingungen oder den eigenen rechtlichen Status eines Gletschers. Bei einem einwöchigen Workshop im Bregenzerwald als kick off hätten sich die Teilnehmer mit Auswirkungen des Klimawandels in Österreich auseinandersetzen können, erläuterte Geisler: Wer einmal in "Felbers schiefes Haus" in Sibratsgfäll, das bei einer Hang-Rutschung 18 Meter bewegt wurde, gestanden habe, "weiß, wie es sich anfühlt, wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird".

Perchtenlauf zum Spendensammeln

Die Besucher des Österreich-Beitrages der London Design Biennale werden aber auch mit adaptierten Bräuchen konfrontiert werden, die als Perchtenläufe heutzutage vorwiegend zur Touristenattraktion verkommen sind. "Wir sind bei den Ritualen des 'Heischens' zu den Roots zurückgegangen und sind auch auf den sozialen Hintergrund gestoßen, den sie gehabt haben", erläuterte Angewandte-Student Fabio Hofer. "Das Ritual war im Zusammenhang mit Spenden und Betteln immer auch eine Möglichkeit zur Umverteilung", ergänzte sein Kollege Ali Kerem Atalay, der gemeinsam mit zwei Kolleginnen vier Charaktere erarbeitet hat, die mit entsprechend entwickelten Kostümen zeitgemäße, mit dem Klimawandel einhergehende Gefahren symbolisieren: Überschwemmung, Dürre, Waldbrand und Erdrutsch. So lässt sich in London auch ein Blick in eine mögliche abgewandelte Zukunft des Perchtenlaufs werfen, bei denen nicht mehr der Schutzzauber oder der Fremdenverkehr, sondern das Spendensammeln im Mittelpunkt steht.

"Wir wollen einen flüchtigen Eindruck dessen geben, wie sehr sich das Leben in Österreich durch Dinge wie den Klimawandel ändern könnte", unterstrich Professorin Anab Jain. "Dabei wollen wir aber laut rufen. Denn so spekulativ es im Einzelnen wirken mag: Dass es zu großen Veränderungen kommen wird, ist sicher."

Service: www.londondesignbiennale.com; www.id2studio.at; www.werkraum.at

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