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Pionier der Gletscher-Fotografie: Friedrich Simony bei Bonartes

30.09.2019

Die Fotografie als Instrument der Wissenschaft steckte Mitte des 19. Jahrhunderts in den Kinderschuhen. Zu unpräzise waren die Aufnahmen, zu voluminös die Apparate. 1875 schließlich begann der Geograf Friedrich Simony mit seiner fotografischen Dokumentation des Dachsteins, die ihn zum Pionier der wissenschaftlichen Fotografie machte. Das Photoinstitut Bonartes bietet einen umfassenden Überblick.

"Von wunderbarer Klarheit. Friedrich Simonys Gletscherfotografien 1875-1891" nennt sich die bis zum 20. Dezember laufende Ausstellung, die den akribischen Blick des österreichischen Naturwissenschafters (1813-1896) in den Fokus rückt. Standen zu Beginn seiner Forschungen ab 1840 noch detailreiche geologische Zeichnungen im Zentrum seines Schaffens, in denen er eigene Techniken zur Abbildung der unterschiedlichen Gesteinsformationen entwarf, setzte Simony später zunehmend auf die Fotografie. Besonderes Augenmerk legte er dabei auf die kontinuierliche Abbildung des Gebiets, um bereits damals sichtbare Veränderungen - wie den Rückgang von Gletschern - zu dokumentieren, wie Kuratorin Magdalena Vukovic am Montag bei der Presseführung erläuterte. Deuten konnte Simony den ab 1856 einsetzenden Rückzug des Eises am Dachstein damals jedoch nicht.

Veränderung des Karlseisfelds dokumentiert

Besonderes Augenmerk legte Simony, der 1851 zum ersten Professor für Geografie an der Universität Wien berufen wurde, auf das Karlseisfeld, dessen Veränderung er über Jahrzehnte hinweg dokumentierte. Eine Brücke zur heutigen Situation schlägt das Photoinstitut Bonartes mit Luftaufnahmen von heute, die den Gletscherschwund aus anderer Perspektive belegen.

Ausgangspunkt für die Ausstellung war Simonys Lebenswerk - der zwischen 1889 und 1895 erschienene monografische Band "Das Dachsteingebiet: Ein geographisches Charakterbild aus den österreichischen Nordalpen". Für damalige Verhältnisse seien die Fülle und Qualität an Fotografien eine große Ausnahme gewesen, wie Vukovic erklärt. Die Auseinandersetzung mit dem Medium selbst findet sich auch in zahlreichen Schriften Simonys, der bereits damals darauf verwies, dass die Fotografie in Zukunft eine immer wichtigere Rolle in der Wissenschaft spielen werde. Ihm schwebte für die Zukunft ein "landschaftlicher Anschauungsappart" vor.

Bei seinen eigenen Fotos arbeitete er mit zahlreichen Experten (sowohl beim Material als auch beim Druck) zusammen, um eine möglichst hohe Qualität der Abbildungen zu erreichen. Das umfangreiche Schaffen des Geografen und Fotografen wird über die Ausstellung hinaus auch in einem Katalog präsentiert, in dem auch Originaltexte Simonys ein vertiefendes Bild seiner Arbeit zeichnen.

Service: Ausstellung "Von wunderbarer Klarheit. Friedrich Simonys Gletscherfotografien 1875-1891" im Photoinstitut Bonartes. Der gleichnamige Katalog umfasst 104 Seiten und kostet 18,90 Euro. www.bonartes.org

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