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Rituale und moralisierende Götter halten Gesellschaften zusammen

20.03.2019

Große Gesellschaften auf der ganzen Welt konstruierten sich moralisierende Götter, damit sie nicht in ethnische Gruppen zerfallen, und entstanden nicht erst mithilfe des Glaubens an übernatürliche Sittenwächter, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachjournal "Nature". Demnach tauchten Rituale viel früher als solche Gottheiten auf und halfen wohl beim Zusammenhalt.

Das Team um Patrick Savage von der Universität Oxford untersuchte Daten zu 414 Gesellschaften aus 30 Regionen weltweit, die sich in den vergangenen 10.000 Jahren gebildet haben. Mächtige, moralisierende Götter oder übernatürliche prosoziale Lenkmechanismen wie das Karma der Buddhisten entstanden fast immer erst, wenn die Gesellschaften mehr als eine Million Menschen zählten, so die Forscher, zu denen auch Peter Turchin von der University of Connecticut gehört, der assoziiertes Mitglied des "Complexity Science Hub" (CSH) in Wien ist.

Kitt für Gesellschaften

Der Glaube an diese Gottheiten und Phänomene ist demnach nicht eine Voraussetzung, dass die Menschen kooperieren und komplexe Gesellschaften bilden, sondern der Kitt, der diese ab einer gewissen Größe zusammenhält, erklären sie. Vermutlich sei er notwendig, damit verschiedene Gruppierungen in einem multiethnischen Reich gemeinsame Sache machen.

"Standardisierte Rituale entstanden jeweils viel früher als der Glaube an moralisierende Götter", so Turchin in einer Aussendung. Das lege nahe, dass "eine gemeinsame Identität für die Kooperation wichtiger ist, als eine religiöse Überzeugung".

Für ihre Arbeit nutzen die Wissenschafter die Datenbank "Seshat", die Turchin und Kollegen 2011 geschaffen haben. In diese frei zugängliche "Global History Databank" ist die Expertise von Historikern, Archäologen, Anthropologen, Sozialwissenschaftlern und Datenexperten eingeflossen.

Service: http://dx.doi.org/10.1038/s41586-019-1043-4; "Seshat"-Datenbank: http://seshatdatabank.info/data

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