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Siedlung aus 4. Jahrtausend vor Christi im Wallis entdeckt

08.04.2020

In Naters im Kanton Wallis haben Archäologen eine Siedlung des Mittelneolithikums (3700-3350 vor Christus) entdeckt. Die damaligen Menschen benutzten etwa Werkzeuge aus Bergkristall und kannten Gruben für Vorratshaltung und Abfallentsorgung, wie der Kanton mitteilte.

Es handelt sich laut dem Kantonalen Amt für Archäologie um die umfangreichste Fundstelle dieser Periode, welche bisher im Oberwallis gefunden wurde. Die Siedlung aus dem Mittelneolithikum bestand aus mehreren Gebäuden und dehnte sich auf einer Fläche von über 2.500 Quadratmetern aus. Heute befindet sich bei den Ausgrabungsstellen in Naters ein Altersheim.

Die Fundstätte war laut Kanton 2004 beim Neubau eines Hauses dieses Seniorenzentrums entdeckt und kurz untersucht worden. Die geplante Vergrößerung des Altersheims habe im Februar und März 2020 die Gelegenheit geboten, eine Fläche von hundert Quadratmetern freizulegen.

Bedeutende Funde

Diese Untersuchungen lieferten laut der Walliser Kantonsarchäologin Caroline Brunetti bedeutende Funde, darunter dekorierte Keramik, verschiedene Silex-Objekte (Objekte aus Feuerstein) sowie Werkzeuge aus Bergkristall, etwa Klingen oder Bohrer. Alle diese Funde seien charakteristische Zeugnisse für die betreffende Periode.

Die Überreste der Siedlung bestehen aus Pfostenreihen, die sich nur in den Negativen ihrer Hölzer abzeichnen. Die an den Ausgrabungen beteiligten Archäologen fanden Zeugnisse, dass die damaligen Menschen Herdstellen benutzten, aber auch Gruben für die Abfallentsorgung oder die Vorratshaltung kannten.

Kosten von 7,56 Mio. Euro

Die Kosten der gesamten archäologischen Arbeiten, welche auch die Auswertung und Publikation beinhalten, sind laut der Walliser Staatskanzlei auf knapp acht Millionen Franken (7,56 Mio. Euro) veranschlagt. Finanziert wird die Ausgrabung durch den Kanton und den Bund.

Dem Bund könnten außerordentliche Kreditanträge vorgelegt werden, sobald die Bedeutung der Fundstätte durch Fachpersonen des Bundesamtes für Kultur (BAK) bestimmt worden sei. Ein Antrag für einen Verpflichtungskredit wird im Herbst dem Grossen Rat vorgelegt.

Die Ausgrabung in Naters werde die wissenschaftlichen Kenntnisse zu den neolithischen Gesellschaften weiter voranbringen, schreibt die Staatskanzlei. Das Wallis hebe sich bereits heute für diese Periode auf internationaler Stufe hervor. Eine Anfrage für die Klassierung der Fundstätte liege dem Bundesamt für Kultur vor.

Das Oberwallis werde in den nächsten Jahren zu einem äußerst wichtigen Ort für die Archäologie, schreibt der Kanton. Außer dem Projekt in Naters würden Grabungen im Rahmen des Autobahnbaus zwischen Siders und Susten bei Leuk vorgenommen.

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