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Der kindliche Eros ist zu einem Großteil erhalten geblieben © APA (FF KLEINSTÜBING/W.GASSER)
Der kindliche Eros ist zu einem Großteil erhalten geblieben © APA (FF KLEINSTÜBING/W.GASSER)

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Steirisches Rüsthaus Heimstätte von römischem "Delfinreiter"

04.09.2019

Die Platznot im alten Rüsthaus einer kleinen steirischen Feuerwehr hat einen wertvollen archäologischen Fund möglich gemacht: Beim Ausheben des Fundament für das neue Spritzenhaus wurden römische Skulpturen entdeckt, unter anderem ein sogenannter Delfinreiter. Die Figuren wurden als Dauerausstellungsstücke in das neue Rüsthaus integriert.

Das alte Rüsthaus der Freiwilligen Feuerwehr in Kleinstübing (Bezirk Graz-Umgebung) war für die rund 50 Mitglieder und deren Geräte und Fahrzeuge zu klein und unbehaglich geworden, wie der Landesfeuerwehrverband mitteilte. Es gab keine Duschen und keine Heizung, also wurde ein neues Objekt geplant. Der Bauplatz grenzte aber an das Areal einer "Villa Rustica", eines römischen Gutshofs im Bereich des SOS Kinderdorfes Stübing. Schon 1999 und 2003 waren dort kleinere Funde gemacht worden. Daher war bereits bei Baubeginn klar, dass alle Grabungsarbeiten vom Bundesdenkmalamt bzw. Archäologen begleitet werden müssen.

Löwe, Eros und Delfin

Nicht schlecht staunten dann die Feuerwehrmitglieder dennoch, als bei Fundamentgrabungsarbeiten ein unförmiger weißer Stein entdeckt wurde - eine figürliche Darstellung, der eine zweite und eine dritte folgte. Die Archäologin Ulla Steinklauber attestiert ihnen ein Alter von rund 1.800 Jahren: Es handelt sich dabei um das Fragment eines vollplastischen liegenden Löwen mit reich gelocktem Fell. Erhalten ist nur ein Teil des Körpers, Kopf, Beine und das Rückenende fehlen. Ein weiteres Objekt ist eine vollplastische Figur, die zu einem Großteil erhalten geblieben ist. Es ist ein kindlicher Eros - also ein geflügelter Knabe, Begleiter der Venus -, der auf dem Nacken eines Meerestieres steht, ein Delfinreiter. Ein Teil des Kopfes des Eros, ein Teil des Tierkopfes und das Ende des Tierkörpers fehlen. Erhalten geblieben ist die zugehörige, in drei Spitzen endende Schwanzflosse.

"Dieses Meerwesen erinnert an einen Drachen, gemeint ist aber ein Delfin, dessen Aussehen der römerzeitliche Künstler mit anderen Vorstellungen von Meerestieren verwoben hatte. Wir haben hier einen sogenannten Delfinreiter, ein klassischer Begleiter von verstorbenen Menschen, deren Seele in eine andere Welt von den beiden Wesen begleitet wird", sagte Steinklauber. "Die Skulptur stand seitlich auf dem Dach eines sehr hohen Grabgebäudes aus Marmor. Mit einiger Wahrscheinlichkeit gehören beide Skulpturen zu demselben Grabmonument und zeigen eine starke künstlerische Eigenständigkeit und den Reichtum des Verstorbenen, dem wohl die römerzeitliche Villa in Kleinstübing gehört hatte", so Steinklauber.

Die 103 Zentimeter hohe römische Marmorstatue des "Eros von Kleinstübing" wird vorerst im Foyer des Feuerwehrhauses zu besichtigen sein. Auch die übrigen Funde sowie auch urnenfelderzeitliche Grabfunde sollen nach der wissenschaftlichen Publikation einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Dies könnte in Verbindung mit der öffentlichen zugänglichen Ausgrabung der römischen Villa von Kleinstübing im SOS Kinderdorf erfolgen.

Die Eröffnung des Feuerwehrhauses erfolgt nun nach zweijähriger Bauzeit am 8. September um 10.00 Uhr in Verbindung mit der Präsentation der archäologischen Funde durch Landesbranddirektor Reinhard Leichtfried. Es dürfte wohl das einzige "Römermuseums"-Rüsthaus in Europa mit vor Ort gefundenen Ausstellungsstücken im Foyer sein.

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