Kultur & Gesellschaft

Gabriele Spilker ist Erstautorin der Publikation © Andreas Kolarik
Gabriele Spilker ist Erstautorin der Publikation © Andreas Kolarik

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Studie: Klimaflüchtlinge werden nur bedingt willkommen geheißen

22.06.2020

Einer Studie der Weltbank zufolge könnte es bis 2050 mehr als 140 Millionen Klimaflüchtlinge geben. Wie Menschen in Kenia und Vietnam zu solchen Migranten stehen hat eine Salzburger Forscherin abgefragt. Jeder Zweite betrachtet demnach Klimafolgen als legitimen Migrationsgrund, doch die Klimaflüchtlinge werden nur bedingt willkommen geheißen, berichtet sie im Fachjournal "Nature Climate Change".

Folgen des Klimawandels wie Überflutungen, Dürren oder Anstieg des Meeresspiegels führen speziell in Entwicklungsländern zu verstärkter Migration. Häufig ziehen die Klimaflüchtlinge von ländlichen Gebieten in Städte und verstärken so die Urbanisierung. Das kann in den Städten soziale und ökonomische Ungleichheiten verstärken und zu politischen oder sozialen Konflikten führen.

Wie die Stadtbewohner auf die Umweltmigranten reagieren, hat die Politikwissenschafterin Gabriele Spilker von der Universität Salzburg gemeinsam mit internationalen Kollegen in einer Umfrage von je 400 Bewohnern in je drei Städten in Kenia und Vietnam erhoben. Die beiden Ländern hätten sich besonders gut für die Untersuchung geeignet, da sie "intensiv vom Klimawandel betroffen sind und eine sehr starke Urbanisierungsrate aufweisen", erklärte Spilker in einer Aussendung.

Zusätzliches Umfrageexperiment

Da Menschen häufig sozial erwünscht antworten, wenn es um das Thema Migration geht, haben die Forscher zusätzlich ein Umfrageexperiment eingebaut. Dabei wurden den Befragten mehrere Profile von potenziellen Migranten gezeigt, die sich nicht nur in Alter, Bildung, ethnischer Herkunft und Einkommen unterschieden, sondern auch hinsichtlich des Migrationsgrundes. So gab es etwa Profile mit wirtschaftlichem, sozialen oder politischen Grund für die Flucht oder eben den Klimawandel.

Es zeigte sich, dass durch den Klimawandel verursachte Umweltveränderungen von rund der Hälfte der Befragten in beiden Ländern als legitimer Migrationsgrund betrachtet werden. Allerdings werden in beiden Ländern andere Migrationsgründe als deutlich wichtiger oder legitimer angesehen: "In Vietnam ist dies etwa die Zusammenführung von Familien, in Kenia ist es die Chance auf eine wirtschaftliche Verbesserung", sagte Spilker.

Die Befragten sind auch extrem skeptisch gegenüber jenen Migranten, von denen sie annehmen, dass diese wenig Chancen haben, sich ihren Lebensunterhalt in der Stadt selbst zu verdienen. Das betrifft vor allem ältere Migranten mit wenig Bildung und Einkommen, denen nur geringe "ökonomische Leistungsfähigkeit" zugetraut wird.

"Wir interpretieren unsere Ergebnisse insgesamt daher nur bedingt optimistisch", so die Politikwissenschafterin. Angesichts der Tatsache, dass potenzielle Umweltmigranten oft aus dem ländlichen Raum kämen und damit häufig nicht gut gebildet und nicht mit ausreichend finanziellen Mitteln ausgestattet seien, "sieht es mit der Akzeptanz dieser Migranten doch eher nicht so gut aus", erklärte Spilker.

Service: http://dx.doi.org/10.1038/s41558-020-0805-1

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