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Hilfsorganisationen versuchen Rückzug von Behördenschiffen auszugleichen © APA (AFP)
Hilfsorganisationen versuchen Rückzug von Behördenschiffen auszugleichen © APA (AFP)

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Studie: Rettungen auf See nicht Grund für mehr Flüchtlinge

14.06.2017

Politiker wie Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) als auch Behörden wie die EU-Grenzschutzagentur Frontex werfen Hilfsorganisationen bereits seit längerem vor, durch ihre Rettung von Flüchtlingen auf hoher See maßgeblich zu einem vermehrten Flüchtlingszustrom beizutragen. Nun stellt sich dieser These eine Studie entgegen.

Die Forscher von Goldsmiths, einer Institution der University of London, analysierten Statistiken und Berichte und sprachen mit Behörden, Helfern und Migranten. Sie kommen in ihrer kürzlich veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass der vorgeworfene "Pull-Faktor" durch die Seenotrettung von Flüchtlingen nicht nachweisbar ist, wie der "Standard" nun berichtete. Zuletzt war ein Bericht der Universität Oxford zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen.

Die Studie von Goldsmiths beschreibt eine Reihe von Faktoren, die im analysierten Zeitraum die Herkunft der losfahrenden Flüchtlinge beeinflusste ebenso, wie Statistiken zu den Aktivitäten von NGOs. Demnach ist kein Zusammenhang zwischen den Veränderungen in der Menge und dem Profil der Flüchtlinge und deren Rettung durch zivilgesellschaftliche Helfer zu erkennen.

Einsatz der NGOs senkt Totenzahl

So stieg etwa auf der Route von Marokko 2015/16 die Anzahl der Flüchtlinge um 46 Prozent, obwohl dort kaum Rettungsschiffe unterwegs sind. Weiters sei die Zerstörung von Schlepperbooten durch die EU-Anti-Schlepper-Mission EUNAVFOR MED einer der Hauptgründe gewesen, warum Schlepper von den größeren und teureren Holzbooten auf die billigeren - aber auch instabileren - Gummiboote ausgewichen sind. Auch das Argument, der Einsatz der NGOs gefährde das Leben der Migranten, versucht die Studie zu entkräften: Demnach sank die Totenzahl im Mittelmeer in jenen Monaten jeweils drastisch, in denen viele Hilfsschiffe aktiv waren.

Die Goldsmiths-Studie kommt zu dem Schluss, dass entgegen den Vorwürfen die Veränderungen in der Praxis der Schlepper nicht auf die Aktivitäten der NGOs zurückgeführt werden können. Vielmehr hätten die Hilfsorganisationen versucht, sich diesen Veränderungen anzupassen und außerdem den Rückzug von Behördenschiffen der EU und seiner Mitglieder aus der Rettung der Flüchtlinge auszugleichen.

Service: Die Studie im Volltext (Englisch): https://blamingtherescuers.org/report/

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