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Teilregion der Amygdala entscheidend für Vertrauensbildung

11.10.2019

Eine intakte Amygdala im Gehirn ist notwendig, um einer Person Vertrauen zu schenken. Das zeigten Wiener Psychologen in einer im Journal "Current Biology" veröffentlichten Studie. Sie untersuchten Patientinnen mit dem Urbach-Wiethe-Syndrom, deren Amygdala teilweise geschädigt ist. Die Forscher werteten die Ergebnisse als bedeutend für personalisierte Behandlungsmethoden psychischer Erkrankungen.

Ein Forscherteam um Lisa Rosenberger von der Fakultät für Psychologie der Universität Wien und Jack van Honk von der Universität Utrecht und der Capetown University (Südafrika) hat in der aktuellen Studie fünf Patientinnen mit dem Urbach-Wiethe-Syndrom untersucht. Es handelt sich dabei um eine genetisch bedingte sehr seltene Krankheit mit weltweit nur rund 100 bekannten Fällen, von denen ein Großteil in Südafrika vorkommt. Die Gehirnschädigungen der Patientinnen sind ausschließlich auf eine Teilregion der Amygdala, der sogenannten basolateralen Amygdala, beschränkt, die verkalkt.

Großzügigkeit und Geiz

In der Studie wurde mit den Patientinnen ein sogenanntes Vertrauensspiel gespielt. Bei diesem Verhaltensexperiment erhält ein Teilnehmer - der "Investor" - einen Geldbetrag und kann diesen ganz oder teilweise an zwei Mitspieler weitergeben. Der jeweilige Betrag wird verdreifacht und die Mitspieler zahlen dem "Investor" etwas zurück - einer davon großzügig, der andere knausrig. Üblicherweise lernt man bei mehreren Durchgängen des Spiels, dass großzügigen Mitspielern zu vertrauen ist und selbstsüchtigen nicht. Personen mit der Gehirnschädigung konnten das nicht und haben großzügige und selbstsüchtige Mitspielerinnen gleich behandelt.

"Wir haben mit Hilfe von Kontrollmessungen gezeigt, dass die Schädigung der basolateralen Amygdala - und nicht etwa allgemeine Lernprobleme oder der sozioökonomische Status - für die Defizite bei der Vertrauensbildung der Probandinnen verantwortlich ist", erklärte Rosenberger in einer Aussendung. Die Wissenschafter gehen davon aus, dass durch die defekte basolaterale Amygdala Informationen über die Vertrauenswürdigkeit der Mitspieler nicht an die notwendigen Regionen des involvierten Gehirnnetzwerks weitergeleitet werden. Dadurch konnten die Patientinnen ihr Vertrauen gegenüber den Mitspielerinnen nicht verändern.

Für die Forscher sind die Ergebnisse eine "wichtige Basis für die Entwicklung moderner, personalisierter Behandlungsmöglichkeiten von psychischen Störungen mit Vertrauensdefiziten". Gleichzeitig bestätige die Studie, dass Teilregionen der Amygdala unabhängige Funktionen haben.

Service: "The Human Basolateral Amygdala Is Indispensable for Social Experiential Learning": http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2019.08.078

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